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Immer mehr Flüchtlinge beim Jobcenter

Arbeitsvermittlung schwierig Immer mehr Flüchtlinge beim Jobcenter

Immer schneller werden Flüchtlinge im Landkreis als solche anerkannt und landen damit im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters. Doch Sprachschwierigkeiten und der Status der Geflüchteten erschweren oftmals eine schnelle Eingliederung in den Arbeitsmarkt. 

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Landkreis. Die eigentliche Integrationsarbeit beginnt jetzt erst, denn mit der Eingliederung der Menschen in den Arbeitsmarkt hat die Verwaltung in den kommenden Jahren eine gewaltige aufgabe vor sich.

 Jobcenter-Leiter Bernd Dittmer zufolge mangelt es nicht an der Bereitschaft der Arbeitgeber im Landkreis. Das hätte eine Umfrage unter Mitgliedern von Kreishandwerkerschaft und Industrie- und Handelskammer noch zu Beginn des massiven Zuzugs ergeben.

 Danach allerdings wurde es schwierig. Der damalige Status der Geflüchteten erlaubte vielfach keine Einstellung. Zum anderen seien da die Sprachschwierigkeiten gewesen. „Einige haben festgestellt, wenn ich die Funktion einer Maschine nicht erklären kann, dann komme ich auch nicht weiter“, sagt Dittmer.

 In der Folge hätten viele Firmen ihre Stellen eben anders besetzt. Dittmer: „Wenn ich Auftragsdruck habe, kann ich ja nicht warten, bis jemand in ein oder zwei Jahren vielleicht so weit ist.“

Rechtliche Hürden schwinden

 Zumindest die rechtliche Hürde schwindet jetzt bei immer Menschen, und das in rasantem Tempo, wie die Kreisverwaltung festgestellt hat. Grund ist, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zunehmend schneller über Asylanträge entscheidet, wie Kreissprecher Klaus Heimann erklärt.

 Während die Zahl derer, die Unterstützung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, zwischen Januar und Juli von 2181 auf 1873 gesunken, ist die Zahl der anerkannten Flüchtlinge im selben zeitraum von 669 auf 1494 gestiegen, allerjüngsten Schätzungen zufolge ist die Zahl noch einmal etwas höher. Zieht man Minderjährige ab, landet man bei gut 1100 Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, erklärt Jobcenterleiter Dittmer.

Mehr als 800 Menschen ohne Ausbildung 

Darunter befindet sich der vereinzelte Psychologe, Architekt oder Apotheker, für den ein langes und aufwendiges Anerkennungsverfahren seiner in der Heimat erworbenen Qualifikationen beginnt. Der allergrößte Teil aber, nämlich mehr als 800 Personen, sind ohne Ausbildung und zumeist auch ohne Schulabschluss – weil es in Kriegsgebieten keinen Unterricht gibt.

 Knapp 80 Menschen konnte das Jobcenter bisher in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vermitteln. Sie sind Zeitarbeiter, Küchenhilfen, ein paar haben eine Ausbildung in der Pflege begonnen, andere als Friseur oder Elektroniker. Einer arbeitet als Rettungsschwimmer.

 Mit Bundesmitteln konnte das Jobcenter fünf neue Kräfte einstellen, die sich um die Flüchtlinge kümmern. „Die meisten sind motiviert und wollen schnell Geld verdienen“, hat Dittmer festgestellt. Außer dem Vermitteln von Sprachkursen gehe es häufig darum, über die Besonderheiten des deutschen Arbeitsmarktes aufzuklären. Der kann Enttäuschungen bereithalten.

Kaum noch Helferjobs

 „Restriktionen wie die Meisterpflicht sind in den Herkunftsländern häufig unbekannt“, sagt Dittmer. Wer in Syrien als Automechaniker arbeiten wolle, bewerbe sich bei einer Autowerkstatt und sammele sein Fachwissen während des Jobs. In Deutschland muss erstmal eine Ausbildung zum Mechatroniker gefunden werden – eine der beliebtesten Lehren überhaupt.

 Genau wie für alle anderen Arbeitssuchenden gelte aber, so Dittmer: „Es gibt kaum noch Helferjobs.“ Eine Ausbildung ist also unabdingbar für ein langfristiges Unterkommen auf dem Arbeitsmarkt – und damit für die Integration. Der heimische Markt müsse somit nach jetzigem Stand etwa 400 zusätzliche Personen im typischen Ausbildungsalter zwischen 15 und 25 verkraften.  jcp

Pro Woche 23 neue Zuweisungen

Derzeit weist die Landesaufnahmebehörde dem Landkreis 23 Flüchtlinge wöchentlich zu. Seit dem 1. Januar wurden bis Mitte August 614 Menschen in Schaumburg aufgenommen.

Insgesamt leben rund 3400 Flüchtlinge in Schaumburg, bereits anerkannte und nicht anerkannte zusammengezählt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge räumt Menschen aus Eritrea, Irak, Iran, Syrien und Somalia die besten Chancen auf ein Bleiberecht ein. 23 Personen wurden zwischen Jahresanfang und 31. Juli abgeschoben. 63 hätten es eigentlich sein sollen, wobei die Abschiebungen aus unterschiedlichen Gründen wie rechtlichen Einsprüchen im letzten Moment nicht vollzogen wurden.

Die Zahl der freiwilligen Ausreisen ist mit 28 zwischen Januar und August deutlich zurückgegangen. Im vergangenen Jahr waren es bis Ende Oktober mehr 200 gewesen. Hauptsächlich handelte es sich um Menschen aus den Balkanstaaten.

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