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Internet-Mobbing hat vorerst ein Ende

Zwei Jahre Haft für 52-Jährigen Internet-Mobbing hat vorerst ein Ende

Nichts ahnend verlässt der Angeklagte den Gerichtssaal. Auf dem Flur warten bereits vier Polizisten. Eine Beamtin eröffnet dem völlig verdutzten 52-Jährigen, dass er verhaftet ist. Bereits vor einiger Zeit ist eine achtmonatige Haftstrafe rechtskräftig geworden, die nun vollstreckt werden soll. Später klicken Handschellen.

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Symbolbild

Quelle: dpa

LANDKREIS/BÜCKEBURG.  Seit etwa fünf Jahren terrorisiert der Schaumburger nun andere Menschen mit Mails oder Einträgen auf eigenen Seiten im Internet. Seine frühere Lebensgefährtin beleidigt er in diesen Hasstiraden beispielsweise als „Dorfschlampe“, deren Anwalt als „Hurensohn“. Jetzt hat der Spuk ein Ende.
Vor der Verhaftung hatte die zuständige Strafkammer am Bückeburger Landgericht drei Berufungsverfahren zusammengefasst und den Angeklagten zu zwei Jahren Haft verurteilt. Es ging um 23 einzelne Fälle von Beleidigung, zweimal in Tateinheit mit Bedrohung. „An Bewährung ist nicht im Entferntesten zu denken“, erklärte Richter Thorsten Garbe. „Sogar im Gefängnis hat der Angeklagte schon gesessen. Wir gehen davon aus, dass er weitermacht.“

Schon geschehen: In einem Schreiben neueren Datums beschimpft der Internet-Mobber sogar die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz, obwohl diese „nun wirklich gar nichts damit zu tun hat“, so der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum.

Abgesehen hat es der Angeklagte besonders auf seine Ex. Er wirft der Frau vor, sie habe ihm „Wohnung und Firma geklaut“. Beweise dafür bleibt der Schaumburger schuldig. Und selbst wenn es so wäre: „Es gibt ihm nicht das Recht, Leute zu beleidigen“, betont Richter Garbe.

Anwalt bezeichnet Täter als "Zeitbombe"

Falls das jüngste Urteil rechtskräftig wird, könnte dem 52-Jährigen laut Garbe die Ausweisung in dessen Heimatland drohen. Damit müssen Ausländer rechnen, deren Aufenthalt in Deutschland die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet. Besonders schwer wiegt das Ausweisungsinteresse, wenn der jeweilige Ausländer zu einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren verurteilt worden ist. So steht es im Aufenthaltsgesetz.

Fest steht, dass die Opfer des Mannes aufatmen würden. Ein Schaumburger Rechtsanwalt, seit Jahren im Visier des Internet-Mobbers, hat anfangs noch gelacht über den Inhalt der Mails, verfasst in holprigem Deutsch. Heute lacht er nicht mehr. „Ich fühle mich als Opfer“, sagt der Jurist. Sein Haus hat er mit Kameras ausgestattet. Den Täter bezeichnet der Anwalt als „Zeitbombe“, der er „schutzlos ausgeliefert“ sei.

Ein Staatsanwalt, den der 52-Jährige ebenfalls wüst beschimpft hat („Hab’ Geduld, Du Hurensohn“), fühlt sich bedroht und hat bereits mehrere Strafanzeigen erstattet. „Die Beleidigungen haben ein Ausmaß angenommen, das mich als Dienstvorgesetzter veranlasst hat, den Kollegen zu schützen“, berichtet Behördenleiter Martin Appelbaum.
Dies sind nur zwei Opfer von vielen. Vor seiner Ex hat der Schaumburger sogar schon mit einem Messer rumgefuchtelt. Mails mit beleidigendem Inhalt verschickte er gern an einen größeren Personenkreis oder Behörden. Posts auf seinen Seiten im Internet, zum Beispiel bei Facebook („Gott kennt Gnade, ich nicht“), waren für alle Nutzer zugänglich.
Statt ein Schlusswort zu halten, übergibt der Angeklagte dem Richter öffentlich ein Briefchen mit einem weißen Pulver – angeblich Kokain. Warum? Das bleibt sein Geheimnis. ly

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