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Jedem sein persönliches Schätzchen

Lesen als Berufung Jedem sein persönliches Schätzchen

Bücher lesen ist out? Von wegen: Anlässlich der Frankfurter Buchmesse verraten hiesige Buchhändler, warum sie an die Zukunft ihrer Branche glauben.

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Thilo Fuhrmann ist seit Februar 2016 neuer Inhaber der Hofbuchhandlung Frommhold in Bückeburg. Sein gesamtes Leben war bisher durch Bücher geprägt.

Quelle: hil

Landkreis. In diesen Tagen feiert sich die Branche bei der Frankfurter Buchmesse.Am Wochenende sind auch Privat-Leute eingeladen, sich die Neuerscheinungen anzuschauen und Prominente aus ihren Werken lesen zu hören. Wobei nach aktuellen Studien immer weniger Menschen noch zum Buch greifen: Gaben 2010 noch 14,5 Millionen Menschen an, mehrmals wöchentlich zu lesen, waren es 2014 nur noch 12,8 Millionen, Tendenz sinkend. Die heimischen Buchhändler sehen sich dennoch nicht als aussterbenden Berufszweig – im Gegenteil.

"Wir können jedes Buch bestellen"

Bereits in dritter Generation führt Hans-Jürgen Schmidt die Buchhandlung Schmidt in Stadthagen. Vor elf Jahren hat er den Betrieb übernommen, aber bereits von klein auf haben Bücher sein Leben bestimmt. Und klagen wolle er nicht, auch wenn das in der Branche gerne mal gemacht werde. „Uns geht es ja noch besser als vielen anderen im Einzelhandel. Immerhin können wir per se jedes Buch, das der Kunde wünscht, bestellen. Das sieht in einem Modegeschäft mit einer Hose wohl anders aus. Da haben es die Händler schwerer.“ Zudem sei die Buchpreisbindung eine große Hilfe, „auch für die Kunden, wenn ich das mit dem europäischen Ausland vergleiche, wo es die Bindung nicht gibt“.

Aktuell laufe der Buchhandel sehr gut, weil „wir in diesem Herbst Glück haben mit den vielen Neuerscheinungen“. Rund 90000 Neuerscheinungen gibt es jährlich auf dem Buchmarkt. Schade sei, dass der diesjährige Literaturnobelpreis so an den Buchhandlungen vorbeilaufe. Mit dem Musiker Bob Dylan könne man nicht wie in der Vergangenheit einen Aufbau mit allen Büchern des Preisträgers bringen. Dafür werde sicherlich „Widerfahrnis“ von Bodo Kirchhof, der am Montag mit dem Buchpreis 2016 ausgezeichnet wurde, ein Verkaufsschlager – „sofern es wieder lieferbar ist“.

Richtige „Megaseller“, wie Schmidt sagt, seien das vergangene Woche erschienene neue Buch von Nele Neuhaus (Im Wald) sowie die fünfte Fortsetzung von Simon Becketts Krimi-Reihe um den Forensiker David Hunter (Totenfang). Und natürlich sei auch Harry Potter ein Renner. Nach seiner persönlichen Empfehlung gefragt, muss Schmidt nicht lange überlegen: Leon de Winters „Geronimo“, in dem es um die Jagd auf Osama Bin Laden geht.

Nicht die Augen vor der Realität verschließen

Von einem „negativen Trend“ spricht hingegen Thilo Fuhrmann, seit Februar 2016 Inhaber der Hofbuchhandlung Frommhold in Bückeburg. „Obwohl es immer noch viele Buchbegeisterte gibt, darf man die Augen vor der Realität nicht verschließen. Die sozialen Medien bestimmen unseren Lebensalltag, je nachdem, wie der persönliche Lebensweg aussieht, mehr oder weniger stark. Das Verhältnis zum Buch geht uns dabei langsam verloren.“

Fuhrmann weiß, wovon er spricht, denn er ist seit frühester Jugend mit Büchern vertraut. Zunächst im väterlichen Betrieb, dann im eigenen Buchhandel. Der Bücherumsatz nimmt kontinuierlich ab und die Leser werden weniger. Das heißt für den 59-jährigen Familienvater aber noch lange nicht, dass das Lesen der Vergangenheit angehört. „Es freut mich zu sehen, dass sehr viele junge Eltern mit ihren Kindern den Weg zu uns in die Buchhandlung finden. Sie nehmen sich Zeit, stöbern und informieren sich, welche Bücher meine Kolleginnen und ich empfehlen.“

Nach der Sommerflaute geht es bergauf

Auch für Maren Borchers, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung in Bad Nenndorf, ist die persönliche Beratung der Kunden der größte Vorsprung zu Angeboten im Internet. „Bei uns hat jeder seine persönlichen Schätzchen. Das kann uns keiner abgreifen, deswegen sind wir da.“ Nach der Sommerflaute gehe es jetzt wieder bergauf. Das nasskalte Wetter lade auch mehr zum Lesen auf dem Sofa ein. Sie habe zuletzt gern Charlotte Link und Joachim Meyerhoff gelesen – in gedruckter Version. Auch ihre Kunden griffen mehrheitlich noch zum gedruckten Buch, E-Books bestelle sie auf Wunsch zwar auch, dies sei allerdings eher die Ausnahme. Deutschlandweit stagniert der Markt für digitale Bücher, bei der Altersgruppe ab 65 Jahren liegt er bei nur sieben Prozent.

Vor neun Jahren hat sich die 43-Jährige selbstständig gemacht, und ihr Resümee bis heute: „Es läuft toll, ich kann mich nicht beklagen“ Sie habe nie etwas anderes machen wollen und sei froh, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

Die gleiche Leidenschaft empfindet Fuhrmann: „Bücher können uns fesseln, packen und begeistern. Unser Auftrag ist es, dies zu kommunizieren, den Menschen wieder Appetit auf das Lesen zu machen und den Funken der Begeisterung überspringen zu lassen.“ hil, col

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