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„Junge Leute wollen gecastet werden“

Unbesetzte Lehrstellen „Junge Leute wollen gecastet werden“

33 Ausbildungsstellen blieben in diesem Jahr in Schaumburg unbesetzt, 17 Bewerber haben keinen Ausbildungsplatz bekommen.

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RINTELN/LANDKREIS. Das sind weniger als im Vorjahr (58 unbesetzte Stellen bei 19 unversorgten Bewerbern). 968 Stellen wurden in diesem Jahr besetzt, bei 1351 Bewerbern.

Eine Statistik, die Cornelia Kurth von der Agentur für Arbeit zufrieden stimmt: Die Nachfrage der Betriebe nach Azubis sei gestiegen (34 Stellen mehr als im Vorjahr). Damit sei die Zahl bereits im vierten Jahr in Folge gestiegen. Auch junge Menschen melden sich auf konstant hohem Niveau für den Ausbildungsmarkt. Dies erklärt die Agentur dadurch, dass das Interesse an dualen Berufsausbildungen gestiegen ist. „Wir sind in einer guten Lage“, bilanziert Kurth.

Die Zahlen könnten sich außerdem noch ändern: Die Agentur für Arbeit erhebt ihre Zahlen für das Ausbildungsjahr am 30. September. Die Betriebe aber stellen teilweise noch bis Jahresende ein.

Zu unreif

Die 17 Bewerber, die ohne Ausbildungsstelle geblieben sind, kann Kurth erklären: Es müsse nicht unbedingt sein, dass diejenigen keine Ausbildung finden. Viele bewerben sich bereits in jungen Jahren, sind aber noch etwas zu unreif und werden von den Unternehmen angeraten, noch ein Jahr lang die Berufsschule zu besuchen und sich dann wieder zu bewerben. „Alle haben einen Plan B“, sagt Kurth, die sich als Leiterin der Geschäftsstellen Rinteln und Stadthagen viel mit der Situation junger Menschen beschäftigt.

Doch: Die Auszubildenden haben sich deutlich verändert, wie beim Pressegespräch am Freitag herauszuhören ist. Viele zögern die Entscheidung, als was sie später arbeiten wollen, heraus, besuchen jahrelang die Berufsschule oder fangen ein Studium an und brechen es wieder ab.

„Sie glauben, dass sie einen Beruf 40 Jahre lang machen müssen, wenn sie eine Ausbildung anfangen“, sagt Kurth. „Aber das ist nicht so!“ Ganz im Gegenteil: Es sei von Vorteil, erst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren oder sich fortzubilden.

Doch junge Erwachsene würden heutzutage allein von ihren Eltern immer wieder hören: Abitur muss gemacht werden. Und dann, als Folge: Wer Abi gemacht habt, geht studieren, es soll nicht vergebens gewesen sein.

Überzogene Erwartungen

Das sei aber nicht für jeden der richtige Weg, betont Matthias Voges, der als Berufsberater der Agentur für Arbeit zahlreiche Gespräche mit Jugendlichen führt. Man muss sich überlegen: Was will ich an einer Universität? Was will ich mit dem, was ich studiere, später machen? Wer bezahlt mich dafür? Studiengänge, die das Wort „Design“ beinhalten, seien derzeit etwa hoch im Kurs. „Aber oft verbirgt sich dahinter etwas ganz anderes als das, was sich die jungen Leute vorstellen“, so Kurth.

Im Bewerbungsgespräch säßen junge Erwachsene oft mit überzogenen Erwartungen: Da werde von „Work-Life-Balance“ gesprochen, bevor der Bewerber sich richtig vorgestellt hat. „Viele wollen vom Unternehmen gecastet werden“, erzählt Kurth. „Sich selber zu verkaufen, das ist unbeliebt.“

Das kann Werner Broska, Personalleiter beim metallverarbeitenden Unternehmen Stüken, nur bestätigen. Mittlerweile sei es selbstverständlich, dass frisch eingestellte Azubis auch Kurse in Sachen Pünktlichkeit, Smalltalk oder Umgang mit Drogen besuchten. „Wir müssen nachholen, was von Eltern und Schule versäumt wurde“, so Broska.

Stüken hat über 800 Mitarbeiter und derzeit 44 Auszubildende. Auch Plätze im dualen Studium bietet das Rintelner Unternehmen an; dies ist eine Berufsausbildung verbunden mit einem Studium.

Doch: Junge Erwachsene müssten sich sehr genau im Klaren darüber sein, was ein duales Studium bedeutet. „Wir nehmen nur die Besten“, so Broska. Ein duales Studium sei für zwei Jahre eine Doppelbelastung durch Ausbildung und Studium. Lieber bleibe eine Stelle hier unbesetzt, als das sie unpassend besetzt werde, eben weil die Ansprüche so hoch sind.

Was Broska bedauert: Technische Berufe seien weniger beliebt. Auf wenige Stellen im kaufmännischen Bereich würden sich deutlich mehr Menschen bewerben. „Dabei haben Techniker die besten Chancen“, sagt Broska. mld

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