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Kaum Interesse für Klinikum-Chef

Landkreis Kaum Interesse für Klinikum-Chef

„Mit uns spricht ja keiner, wir werden ja nicht gefragt.“ Diese Kritik der Krankenhaus-Bediensteten ist in den vergangenen Wochen hitziger Debatten um Gehaltsverzicht und Zukunft des Standortes Rinteln immer wieder laut geworden. Wenn dann aber der Chef persönlich ganz offensiv den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern sucht und auch den offenen Konflikt nicht scheut – ja, dann kommt kaum keiner.

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Klinikum-Geschäftsführer Christian von der Becke stellt sich den Fragen der Mitarbeiter – doch kaum jemand kommt. Zu den engagierten Fragestellern gehören Brigitte Möller (rechts) und Brigitte Meier. crs

Kreis Schaumburg. Diese Erfahrung hat Klinikum-Geschäftsführer Christian von der Becke gestern Nachmittag machen müssen: Ins Foyer des Krankenhauses Rinteln hatte er Angestellte, Patienten, Politiker und Bürger zu einem persönlichen Austausch eingeladen – und von den rund 320 Mitarbeitern tauchte gerade mal ein knappes Dutzend auf.
Die allerdings hatten es in sich. Wut, Enttäuschung, Angst, Frust, Sorge um den Arbeitsplatz: Zum Ventil für allzu viele aufgestaute Emotionen geriet das Gespräch, zwischenzeitlich kam der Geschäftsführer kaum zu Wort. „Wir sitzen doch alle in einem Boot“, suchte von der Becke den sichtlich emotionalen Mitarbeitern seine eigene Position mit einem Bild zu verdeutlichen. Während ProDiako am Ufer stehe und zusehe, wie das Boot Krankenhaus in stürmischer See unterwegs sei, versuche er als Steuermann die nächsten Stromschnellen zu umschiffen: „Wir müssen uns was überlegen, wir müssen gemeinsam kämpfen – und dazu gehört selbstverständlich auch, dass ich genauso wie jeder andere Mitarbeiter auf Gehalt verzichten würde.“
Eine große Aufgabe für von der Becke zeichnete sich gestern Nachmittag klar ab: Die jahrzehntelang gepflegten Gräben zwischen Stadthagen und Rinteln scheinen in diesen Tagen tiefer denn je zu sein. „Sie sind ein kleiner Träumer, wenn Sie denken, dass die drei Häuser zusammenwachsen können“, nahm Carmen Haß kein Blatt vor den Mund. Zu systematisch sei der Standort Rinteln in den vergangenen zwei Jahren heruntergemacht worden, kritisierte die medizinisch-technische Röntgenassistentin einseitige Schuldzuweisungen am Defizit des Klinikums: „Wir in Rinteln sind immer an allem schuld, darauf haben wir keine Lust mehr!“
Die Fehler der Vergangenheit kritisierten etliche Mitarbeiter. „Man stieß auf taube Ohren“, prangerte Brigitte Meier als Sekretärin in der chirurgischen Ambulanz an, dass die „Millionen-Abfindung“ für Chefarzt Welter durchaus vermeidbar gewesen sei. Auch Antonio Totaro vom technischen Dienst des Krankenhauses ärgerte sich: „Man hätte eher gegensteuern müssen, man hätte die Ärzte ans Krankenhaus binden müssen“, verlieh Totaro seiner Verzweiflung angesichts einer mangelnden Perspektive des Krankenhaus-Standortes Rinteln Ausdruck. „Jetzt ist der Ruf eh kaputt, jetzt kommt keiner mehr.“ „Stinksauer“ zeigte sich auch Brigitte Möller, seit 38 Jahren im Klinikum beschäftigt: „Ich sehe eine unheimliche Stagnation im Projekt Radiologie“, konstatierte die Leiterin der Röntgenabteilung. „Dabei haben wir das schönere Krankenhaus“, hob sie mit einem Seitenhieb auf die „Bruchbude Stadthagen“ hervor.
Drittes großes Thema: Könnte man auf den vermeintlich teureren Neubau nicht zugunsten einer Investition in die bestehenden Standorte verzichten? „Landrat Schöttelndreier will auf Biegen und Brechen ein neues Haus“, schimpfte Totaro. „Dann soll er doch hier investieren, mehr Ärzte einstellen – und in zwei, drei Jahren ist Rinteln wieder im grünen Bereich.“ „Nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie dürfen sich auch nicht ignorant den Realitäten verschließen“, stellte von der Becke klar, dass der nicht vom Landkreis zu finanzierende Neubau von der desolaten Lage des Klinikums völlig unabhängig sei: „Der Landkreis hat mehr als 40 Millionen Euro Defizit in den vergangenen zehn Jahren getragen, aber irgendwann ist die Kasse leer – es kann so nicht weitergehen.“
Und, schließlich, kommt die große Frage: „Wenn Rinteln geschlossen wird, wo sollen dann die Patienten hin?“ Er weigere sich, diesen Gedanken weiter voranzutreiben – da hofft von der Becke vor der Personalversammlung heute Abend und den Sondierungsgesprächen in der kommenden Woche noch auf eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. „Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass 320 Arbeitsplätze vernichtet werden.“
Heute Vormittag stellt sich der Geschäftsführer ein weiteres Mal den Fragen: Von 9 bis 11 Uhr steht Christian von der Becke im Foyer des Krankenhauses Stadthagen Rede und Antwort, im Anschluss besteht im Besprechungsraum Gelegenheit zu Gesprächen unter vier Augen. crs

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