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Kein Kavaliersdelikt

Landkreis / Ernte Kein Kavaliersdelikt

Deutschland, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Viele Städte sind zerstört, die Wirtschaft liegt am Boden und der Hunger treibt die Menschen aufs Land, um ihre letzten Habseligkeiten bei den Bauern gegen Nahrung zu tauschen.

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Kartoffeln sind ein beliebtes Ziel beim „Stoppeln“.

Quelle: js

Landkreis (js). Doch selbst jene, die nichts mehr zu tauschen hatten, wagten sich auf die Felder und suchten kurz nach der Ernte nach liegen gebliebenen Kartoffeln oder Rüben, die der Bauer übersehen hatte – sie „stoppelten“. Über 65 Jahre später sollte man meinen, dass dies keiner mehr nötig hat. Doch das Phänomen ist in Schaumburg aktueller denn je.

Karl Walter Brüggenwirth vom Obsthof Brüggenwirth in Hohnhorst sagt: „Ich beobachte nach der Kartoffelernte immer wieder Leute, die auf meinen Feldern nach der Ernte nach Resten suchen.“ Er sieht die Sache aber relativ gelassen: „Meist holen sich die Leute ja nur ein paar Kartoffeln und verschwinden wieder. Und wegen der wenigen Erdäpfel, die die Maschine liegen lässt, muss ich keinen Konkurs anmelden.“ Ein wenig ärgere er sich aber schon, da die Stoppeler nicht bei ihm im Laden einkaufen und somit eine, wenn auch kleine, Einnahmequelle verloren geht.

Landwirt Volker Antholz von der „Wilhelm Schweer Volker & Anita Antholz Gbr“ in Bad Nenndorf mache weniger der geringe wirtschaftliche Schaden, als vielmehr die Art und Weise zu schaffen, mit der viele Stoppeler auftreten: „Gelinde gesagt, der Respekt vor fremdem Eigentum scheint stark eingeschränkt.“ Die Leute würden nicht begreifen, dass sie auf fremden Boden Diebstahl begehen. „Ich gehe doch auch nicht zu VW und nehme dort vom Rand des Firmengeländes Reifen weg, weil die ja genug davon haben“, erklärt Antholz. Sofern man ihn fragt, habe er mit dem Stoppeln allerdings kein großes Problem. Für einen kleinen Obolus können die Stoppeler dann hinaus aufs Feld. „Doch ein relativ großer Prozentsatz schert sich wenig um Höflichkeiten.“

Viele würden gar während der Ernte hinter der Maschine herlaufen. „Abgesehen von der Dreistigkeit ist es sehr gefährlich, da der Fahrer nach hinten nur eingeschränkte Sicht hat.“ In solchen Momenten sieht er sich gezwungen, die Stoppeler recht rüde des Feldes zu verweisen, da es viele „einfach nicht anders begreifen“.

Obstbauer Christoph Wedeking aus Lüdersfeld geht noch einen Schritt weiter: „Wir bringen jeden Fall zur Anzeige.“ Ihm sei klar, dass diese wegen Minderwertigkeit wieder fallen gelassen werden, aber es gehe ums Prinzip und die abschreckende Wirkung. Seine Selbstpflückanlagen auf den Erdbeerfeldern seien jeden Tag von 8 bis 18 Uhr geöffnet, „da kann es nicht sein, dass die Leute nach 20 Uhr aufs Feld nebenan gehen und Erdbeeren klauen“, so Wedeking.

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