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Kein Recht auf Abtreibung am neuen Klinikum

Abbrüche ohne „medizinische Indikation“ rechtswidrig Kein Recht auf Abtreibung am neuen Klinikum

Abtreibungen ohne medizinische Notwenigkeit wird es in Schaumburg nicht mehr geben. Agaplesion als Betreiber des neuen Gesamt-Klinikums vertritt als Einrichtung der Evangelischen Kirche ein Leitbild, das sich dem „Schutz des Lebens“ verschreibt.

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Quelle: dpa

Landkreis. Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch mit „sozialer Indikation“ vornehmen lassen wollen, müssen sich ab April 2017 in die Kliniken der Nachbar-Landkreise begeben. Aber hat das einzige Klinikum eines Landkreises nicht „normale“ Abtreibungen anzubieten, als Teil der Grund- und Regelversorgung für die Bevölkerung? Gehört es nicht zum guten Recht von Frauen, sich innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate, nach einem Beratungsgespräch und drei Tagen Bedenkzeit, in ihrem Kreiskrankenhaus entsprechend behandelt zu lassen? „Nein“, sagt dazu Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises. „Es steht im Ermessen des Klinikums, ob es Schwangerschaftsabbrüche vornehmen will oder eben nicht. Da haben wir nicht mitzureden.“

Schwangerschaftsabbrüche ohne „medizinische Indikation“ sind rechtswidrig

Wer sich darüber wundert, dem ist nicht bewusst, dass Schwangerschaftsabbrüche ohne „medizinische Indikation“, also ohne die Gefahr schwerer körperlicher oder psychischer Schäden für die Schwangere, in Deutschland „rechtswidrig“ sind. Man verzichtet zwar von Staats wegen auf eine Strafverfolgung, solange die „Fristenregelung“ – Beratungsgespräch und 72 Stunden Bedenkzeit - eingehalten wird. Ein „Recht auf Abtreibung“ aber gibt es nicht, und weder Klinik-Konzerne, einzelne Ärzte oder Pflegepersonal können verpflichtet werden, solche Schwangerschaftsabbrüche anzubieten. „Und wir werden das auch nicht tun, denn das würde unseren ethischen Leitlinien grundsätzlich widersprechen“, sagt Klinikum-Geschäftsführerin Bettina Geißler-Nielsen.

Das inzwischen geschlossene Rintelner Kreiskrankenhaus bot Abtreibungen mit „sozialer Indikation“ an, in Stadthagen ist das noch bis April 2017 problemlos möglich. Durchschnittlich 100 Mal pro Jahr wurde und wird das von Frauen in Anspruch genommen, nachdem sie, wie das Gesetz es vorschreibt, das Pro und Contra im Gespräch mit einer der Schwangerenkonflikt-Beraterinnen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) abgewogen haben.

„Meiner Erfahrung nach macht sich keine Frau diese äußerst zwiespältige Entscheidung leicht“, sagt Awo-Geschäftsführerin Heidemarie Hanauske. „Umso problematischer ist es, dass man ihnen nicht die Möglichkeit gibt, ihr Vorhaben im Klinikum unseres Landkreises umzusetzen.“ Diese zusätzliche „Tabuisierung“ von hoher Stelle mache es den betroffenen Frauen noch schwerer.

Ethikkommission im Klinikum Schaumburg entscheidet

Klinikums-Geschäftsführerin Bettina Geißler-Nielsen sieht darin nichts Schlechtes. „Der Staat will es nicht einfach und setzt deshalb Hürden wie die Fristenregelung“, sagt sie. „Auch die Kostenträger finanzieren ja keine Abtreibungen nach sozialer Indikation.“ Es gäbe eben gute Gründe, dass niemand dazu gezwungen werden dürfe, Abtreibungen vorzunehmen, wenn das seinem Gewissen widerspricht. Frauen mit Abtreibungswunsch müssten sich rechtzeitig mit anderen Adressen in Kontakt setzen.

Sabine Lemster, Oberärztin in der Gynäkologie vom Klinikum Stadthagen, erklärt, man werde im neuen Klinikum Schwangerschaftsabbrüche zum Beispiel dann ausführen, wenn eine Schwangerschaft zu gefährlich für die Schwangere sei. Außerdem könne es manchmal medizinisch indiziert sein, dass die Geburt eines schwer körperlich oder geistig behinderten Kindes eine psychisch nicht zu bewältigende Belastung für die Frau darstelle. In solchen Extremfällen entscheidet eine extra dafür gegründete Ethikkommission im Klinikum Schaumburg über das weitere Vorgehen. Tatsache bleibt: Alle anderen Gründe für eine Abtreibung schließt das Agaplesion kategorisch aus. cok

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Politiker äußern sich

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