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Aus dem Landkreis Kleine Übungen, große Wirkung
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Kleine Übungen, große Wirkung
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00:28 10.03.2018
Mit einfachen Übungen kann der Rücken im Büroalltag entlastet werden. Quelle: dpa
Landkreis

„Rücken Fit“, „Aktiv ab 60“, „Wirbelsäulengymnastik“ – die Bezeichnungen für die Fitnessangebote der Vereine klingen ziemlich unterschiedlich. Ob sie nun von der VT Rinteln, dem Post SV Stadthagen oder einem der zahlreichen anderen Schaumburger Sporvereine stammen: In der Regel verbergen sich dahinter ähnliche Trainingsmöglichkeiten, wie Silke Engelking vom VfL Bad Nenndorf erklärt. „Eigentlich sind das alles Bereiche, die früher unter dem Begriff ‚Gymnastik‘ liefen – nur anders verpackt“, sagt die Leiterin der dortigen Fitnesssparte. „Wir haben alle die gleiche Muskulatur, darum sind auch die Übungen zur Stärkung des Rückens letztlich die gleichen.“ Trotz kleiner Unterschiede je nach Alter und Können der Zielgruppe gehe es letztlich um dasselbe Ziel: „Die Menschen sollen beweglicher werden.“
Die Angebote und Übungen haben sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. „Früher war unser Training sehr statisch, heute ist es viel dynamischer“, sagt Engelking. Denn Übungen wie Körperdrehungen, Trampolin- und Seilspringen, Federn und Dehnen, die vor einiger Zeit eher verpönt waren, brächten positive Effekte mit sich. Das habe man mittlerweile erkannt. „Viele Bewegungseinschränkungen kommen von Verklebungen des muskulären Bindegewebes, den sogenannten Faszien“, so die Fitness-Fachfrau. Durch bestimmte Bewegungsmuster, wie die oben genannten, sei es möglich, diese aufzubrechen. „Es ist gut, dass wieder so viel erlaubt ist. Bei muskulären Dysbalancen, einer der häufigsten Ursachen für Bewegungseinschränkungen, müssen sich die Menschen einfach bewegen.“
Das ist Engelking zufolge die große Herausforderung: „Viele Menschen werden immer unbeweglicher und bekommen dadurch unter anderem Rückenprobleme. Fast 90 Prozent der entsprechenden Beschwerden sind heute muskulär bedingt, durch Verspannungen oder Ähnliches. Das liegt daran, dass wir einfach sehr viel sitzen.“ Doch haben viele Menschen dies mittlerweile offenbar auch selbst erkannt und wollen dem Entgegenwirken – am Beispiel VfL Bad Nenndorf lässt sich jedenfalls ein Trend ablesen.

Belastung im Büroalltag entgegenwirken

„Unser Kursangebot in dieser Sparte hat sich in den letzten 14 Jahren vervierfacht“, sagt Engelking. „Damals hieß es bei uns noch ‚Aerobic‘, zwischendurch war dann Zumba sehr populär. Inzwischen merken wir, dass viele eher auf die ruhige Schiene gehen.“ Die Beliebtheit von Sportarten wie Qi Gong oder Pilates führt Engelking besonders auf eine Tatsache zurück: „Sie verbinden Kräftigungs- mit Entspannungsübungen. Das Training läuft bewusster und langsamer ab und fördert dadurch zusätzlich die Körperwahrnehmung der Teilnehmer.“
Um der Belastung im Büroalltag entgegenzuwirken, bieten sich übrigens schon einfachere Bewegungsübungen an. „Es gibt viele Möglichkeiten, Bewegung in den Alltag zu integrieren“, sagt Natalie Lotzmann, Betriebsärztin und Themenbotschafterin Gesundheit bei der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). So können sich Arbeitnehmer vornehmen, bei bestimmten Tätigkeiten nicht zu sitzen. Wer beim Telefonieren aufsteht und mit den Zehen wippt, hilft Nacken und Rücken schon weiter. Ähnlich sinnvoll ist eine Runde ums Haus in der Mittagspause, auch gelegentliche Dehnübungen am Tisch oder Türrahmen lohnen sich. Damit das Sitzen nicht zum Problem wird, ist aber auch der Arbeitgeber gefragt: Er sollte möglichst ergonomische Büromöbel zur Verfügung stellen, sagt Lotzmann.

Tisch und Stuhl sollten in der Höhe verstellbar sein, Arm- und Rückenlehnen brauchen Flexibilität. Das erleichtert Arbeitnehmern das sogenannte dynamische Sitzen, also den häufigen Wechsel der Position – und verhindert so gefährliche Dauerbelastung. tro,dpa