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Klinikum Minden befragt Tote

Landkreis / Angehörige verärgert Klinikum Minden befragt Tote

„Wie geht es Ihnen gesundheitlich?“ Astrid Kalkusch kann keine Antwort mehr auf diese Frage geben, auch darauf nicht, ob sie zufrieden mit dem Aufenthalt im Klinikum Minden gewesen ist. Die Auhägerin ist vor rund acht Wochen eben dort gestorben.

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Nicht nur Josef Kalkusch, sondern auch andere Angehörige reagieren betroffen und verärgert auf das Schreiben des Klinikums.

Quelle: jpw

Von Jan Peter Wiborg

Landkreis.  Aus Minden bekam sie nun Post, sie sollte per umfangreichem Fragebogen an einer Patientenbefragung zur Qualitätsverbesserung teilnehmen. Ihr Mann Josef Kalkusch, scheidender Pastor in Sachsenhagen, reagierte verärgert und betroffen auf das Schreiben. Die Befragung hat sich an rund 3500 ehemalige Patienten gerichtet. Ein Kliniksprecher bestätigte darunter Briefe, die an Verstorbene gesendet wurden.

„Meine Frau ist im Klinikum Minden gestorben“, sagte Kalkusch. „Das sollte dort eigentlich in den Daten vermerkt sein. Dieses Verhalten fügt sich als weiterer Mosaikstein in das, was wir beim Klinikaufenthalt meiner Frau als Uzulänglichkeiten erlebt und auch an zuständiger Stelle als Beschwerde vorgetragen hatten “
Kalkusch geht offen mit seiner Trauer um, postete den Sachverhalt auf seiner Facebook-Seite.

Vom „papiernen Vorschlaghammer mitten in die Magengrube“ über „Deutsche Bürokratie und „Dienst nach Vorschrift ohne nachzudenken“ bis zu „fiese Nummer vom Krankenhaus“ reichten sie Kommentare. Pastorenkollegen reagierten mit „Unglaublich“ aber auch mit: „Leider kann derlei passieren, wie wir bei der Kirche ja wissen“.

„Aufgrund des hohen Datenaufkommens und der Komplexität der Datenauswertung“ sei es „nicht trennscharf zu verhindern gewesen, dass auch Verstorbene diesen Fragebogen erhalten hätten, sagte Steffen Ellerhoff, Pressesprecher der Mühlenkreis-Kliniken, zu denen das Johannes Wesling Klinikum in Minden gehört. In manchen Fällen sei dies als pietätlos verstanden worden. Die meisten Angehörigen hätten aber „neben ihrer Trauer auch großes Verständnis für den Sinn und Zweck der Befragung“ gehabt, sagte Ellerhoff. Bei Beschwerden äußere die Klinik ihr Bedauern: „Es ist nicht unsere Absicht, die Angehörigen in ihrer Trauer zu verletzen.“

Die meist telefonischen Rückmeldungen würden telefonisch systematisch erfasst, und: „wir setzen uns mit den Betreffenden individuell zusammen“., erläuterte der Pressesprecher. Außerdem erhielten sie kein weiteres Schreiben in dieser Angelegenheit. Kalkusch hat sich aus Verärgerung bisher noch nicht bei der Klinik gemeldet. So erwartet ihn möglicherweise noch ein weiterer Brief, der an seine Frau gerichtet ist. Dieses werden alle ehemaligen Patienten in einigen Wochen bekommen, die den zugesandten Fragebogen noch nicht ausgefüllt haben.

+++ Kommentar von Jan Peter Wiborg +++

Unsensibel: Bei aller Zustimmung für Patientenbefragungen, die zentrale Frage der Qualität eines Krankenhauses beginnt oder endet nicht bei dem Auftrag, medizinische und pflegerische Versorgung weiterzuentwickeln. Sie beinhaltet auch ein professionelles Management mit einer kompetenten Verwaltung.

Für versierte IT-Fachleute dürfen 3500 Fragebögen auch bei der Komplexität der Daten kein Problem bedeuten, die Adressen daraufhin abzugleichen, in welchem Zustand ein Patient die Klinik verlassen hat. Betroffene empfinden es als unsensibel und pietätlos, was die Klinik produziert.

Ein einzelner Lapsus kann passieren, dass aber die Serie sehenden Auges in Kauf genommen wird, ist nicht nur ärgerlich und qualitativ schlecht, es ist auch aus wirtschaftlicher Sicht unklug: Was ein IT-Spezialist innerhalb von wenigen Arbeitsstunden im Vorfeld hätte vermeiden können, muss jetzt mit erheblichem Mehraufwand bearbeitet werden.

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