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Aus dem Landkreis Tattoos: Kreative Körperkunst
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Tattoos: Kreative Körperkunst
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00:17 06.03.2018
Tattoos werden immer beliebter – nicht nur auf entsprechenden Messen wie der International Barcelona Tattoo Expo. Quelle: Matthias Oesterle/ZUMA Wire/dpa

Dem Tattoo-Fachmann Peter Keller zufolge lässt sich das gesundheitliche Risiko für die Haut gering halten. „Ich denke, Tattoos sind weder Fluch noch Segen. Die Menschen haben sich und ihre Körper schon immer geschmückt. Tattoos an sich sind nichts, was dem Körper schadet, auch wenn sie zunächst eine absichtliche Verletzung sind“, sagt Keller. Er spricht dabei aus langjähriger Erfahrung: Seit gut zehn Jahren betreibt er in Stadthagen das Tattoostudio „Incredible Ink“. Was er in dieser Zeit auch festgestellt hat: „Der Tattoomarkt hierzulande ist extrem groß.“

 Wie eine Statista-Umfrage aus dem vergangenen Jahr zeigt, hat mittlerweile jeder vierte Deutsche mindestens ein Tattoo. 21 weitere Prozent denken darüber nach, sich tätowieren zu lassen. Das sind eine ganze Menge – und nicht jeder ist sich vorher im Klaren über mögliche Risiken, die damit einhergehen. „Hinter dem Tätowieren steckt mehr, als man auf den ersten Blick denkt“, erklärt Keller.

Das gehe schon bei den unterschiedlichen Hauttypen los. „Darauf muss man sich ganz individuell einstellen können. Als erfahrener Tätowierer sieht man zwar oft schnell, wie die Haut beschaffen ist, manchmal gibt es aber auch Überraschungen“, erklärt der Profi. Letztlich sei es besonders wichtig, die Haut beim Stechprozess nicht zu überanspruchen und nicht zu tief zu stechen.

Heilung dauert bis zu einem halben Jahr

Die kleinen Hautverletzungen, die beim Tätowieren entstehen, sind Keller zufolge kein Problem. „Die Erstheilung ist in der Regel nach ein, zwei Wochen durch. Die gesamte Heilung dauert bei normalem Verlauf bis zu einem halben Jahr.“ Kleinere Rötungen und Schwellungen der entsprechenden Hautstellen klingen in der Regel von selbst wieder ab, auch mögliche Entzündungen lassen sich ganz normal behandeln. „Der Arzt sollte nur nicht vergessen, dass ein Tattoo darunter ist.“

 Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, kann und muss der Tätowierer schon im Vorfeld einiges tun – Stichwort Hygiene. Im Nachsorge-Gespräch gibt es dann weitere Aufkärung. Unmittelbar nach dem Stechen überklebt Keller das frische Kunstwerk mit einer speziellen Folie, wie sie im medizinischen Bereich sonst eher für Brandwunden genutzt wird.

Andere Tätowierer nutzen mitunter auch Frischhaltefolie. Der Stadthäger erklärt, warum er nicht darauf setzt: „Die medizinische Folie ist wie eine zweite Haut, sie ist atmungsaktiv und versorgt das Tattoo mit wichtigen Wirkstoffen für die Wundheilung.“ Frischhaltefolie dagegen biete zum Beispiel gute Bedingungen für die Bildung von Keimen.

Sehr hohe Standards

Cremes mit dem Wirkstoff Dexpanthenol, der vor allem von Bepanthen-Salbe bekannt ist, fördern die natürliche Wundheilung, unterstützen die Produktion neuer Hautzellen und beschleunigen die Bildung von neuem Hautgewebe. Nach den ersten Tagen und Wochen, wenn die Heilung schon fortgeschritten ist, sollte die tätowierte Stelle zweimal täglich mit PH-neutraler Seife gewaschen und mit unparfümierter Creme versorgt werden. „Es ist wichtig, dass man die strapazierte Haut nach dem Tätowieren wieder aufbaut“, erklärt Keller.

 Im internationalen Vergleich seien die gesetzlichen Standards in Deutschland beim Tätowieren heute sehr hoch, so Keller. „Das kommt letztlich natürlich den Kunden zugute.“ In der „Verordnung über Mittel zum Tätowieren einschließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen“, wie die Tätowiermittel-Verordnung im Rechtsdeutsch heißt, sind zum Schutz der Kunden Kennzeichnungs- sowie Mitteilungspflichten und verbotene Stoffe festgeschrieben.

Grundsätzlich ist bereits im Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) geregelt, dass – genau wie bei kosmetischen Mitteln – keine Tätowiermittel hergestellt oder in den Verkehr gebracht werden dürfen, welche „die Gesundheit des Menschen zu schädigen oder die den Verbraucher durch irreführende Bezeichnungen, Angaben oder Aufmachung täuschen können“, wie das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) schreibt.

 Vom Gesundheitsamt überwacht

Gewerblich gemeldete Tattoo-Studios werden von den Gesundheitsämtern überwacht. Allerdings sollte auch jeder selbst die Augen offen halten und sich bei der Studiowahl naheliegende Fragen stellen: Macht es einen sauberen Eindruck? Werde ich über Risiken und Nachbehandlung aufgeklärt? Werden meine Fragen kompetent beantwortet? Zudem sollte vor dem Tätowieren von beiden Seiten zumindest eine Einverständniserklärung unterzeichnet werden.

 Keller selbst wollte Tätowierer werden, seit er in jungen Jahren die Maschine seines älteren Bruders sah. „Das hat mich nie wieder losgelassen und ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Es ist für mich jedes Mal eine Ehre, auf dem Körper eines Menschen meine Spuren zu hinterlassen.“ Und seine eigenen Tattoos, die natürlich nicht fehlen dürfen, sind für Keller eine Art ganz persönliches „Notizheft“ – mit jedem Bild verbindet er Erinnerungen an die Zeit, zu der es entstanden ist.

 Was Keller aber auch klar sagt: „Tätowierer“ kann sich in Deutschland theoretisch jeder nennen. Eine gesetzlich geregelte Ausbildung gibt es hier nicht. „Alles, was ich mache, mache ich gewissenhaft – das Tätowieren ist ein ewiger Lernprozess. Vor allem die Vertrauensbasis ist darum extrem wichtig“, so der Fachmann. Diese müsse zunächst aufgebaut werden. „Tattoos bleiben handgemachte Kunst unter der Haut.“ tro

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