Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Kritik an geplantem Reformationstag
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Kritik an geplantem Reformationstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:20 17.05.2018
Die Landesregierung debattiert derzeit über den Gesetzesentwurf zum neuen Feiertag. Es gibt aber viele kritische Stimmen. Quelle: dpa
Anzeige
Landkreis

Im Juni soll der Landtag endgültig über einen neuen Feiertag entscheiden – dabei wird es wohl auf den Reformationstag (31. Oktober) hinauslaufen. In dieser Woche hat der Landtag erstmals den Gesetzentwurf besprochen. Auch wenn die Freude bei Arbeitnehmern über einen weiteren freien Tag groß ist, gibt es Kritik an diesem speziellen Datum. Vor allem die Grünen-Landtagsfraktion spricht sich für einen säkularen Tag aus, weil der Reformationstag als Feiertag die Gesellschaft spalte. Auch in Schaumburg wird die Idee kritisch gesehen.

So hat beispielsweise die Jüdische Gemeinde Bad Nenndorf starke Bedenken, wie die stellvertretende Vorsitzende Ludmilla Nekrasova im SN-Gespräch erklärt: „Schließlich war Luther alles andere als ein Freund der Juden.“ Sie plädiert für einen Tag, der nicht religiös bezogen ist. Ihrer Meinung nach sei der von den Grünen ins Spiel gebrachte Weltfrauentag eine gute Lösung.

Nicht nur ein arbeitsfreier Tag

Der Schaumburger SPD-Landtagsabgeordnete Karsten Becker hingegen möchte den Reformationstag nicht als Feiertag für Martin Luther verstanden wissen, sondern als einen Tag, der die Reformation aufgreift und damit religionsübergreifend ist. „Die Reformation hat wichtige Impulse für die gesellschaftliche Entwicklung im Hinblick auf Kultur und Zusammenleben gegeben.“

Becker macht keinen Hehl daraus, dass er den Reformationsfeiertag als gute Wahl ansieht. Der SPD-Landtagsabgeordnete argumentiert, dass ein Feiertag ja nicht nur die Zielsetzung eines arbeitsfreien Tages habe, sondern auch eine darüber hinausgehende Zweckbestimmung. Nämlich als „Gedenken eines bestimmten geschichtlichen Ereignisses“. Er bezweifle, dass dies mit einem weltlichen Tag gelingen könne. Becker gehört dem Innenausschuss an, der das weitere Vorgehen bis zur Verabschiedung des Gesetzes vorbereitet.

Katholische Kirche ist gegen Reformationstag

Die katholische Kirche in Niedersachsen hat sich indes gegen den Reformationstag als Feiertag ausgesprochen. Stattdessen bevorzugen die Katholiken in einer offiziellen Stellungnahme den Buß- und Bettag. Der kommissarische Dechant Weserbergland Stephan Uchtmann weist darauf hin, dass die bisherigen Feiertage reine Christusfeste darstellen und dementsprechend einen biblischen Bezug haben. Der Buß- und Bettag gehöre da im Übrigen auch nicht zu. Das habe die Landesregierung bei der Auswahl des Reformationstages außer Acht gelassen.

Uchtmann ist der Meinung, dass ein neuer Feiertag kein Ideenfest sein sollte. „Keine Frage, wir haben das Jubiläum zur Reformation sehr schön und angemessen gefeiert“, so Uchtmann. Nichtsdestoweniger sei ein Schnellschuss zur Bestimmung dieses neuen Feiertages der falsche Weg.

„Für die Arbeitnehmer ist ein zusätzlicher Feiertag sicher eine gute Sache. Gerade mit Blick auf das Ungleichgewicht, das zu den anderen Bundesländern im Süden besteht.“ Der Pfarrer findet den Europatag am 9. Mai oder den Weltfrauentag am 8. März durchaus sinnvoll und geeignet, um als Feiertag installiert zu werden. Das seien Tage mit „einem gesellschaftlichen Konsens“. col, jemi

Anzeige