Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Landesbischof kämpft um Oma Marie
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Landesbischof kämpft um Oma Marie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 20.04.2015
Quelle: dpa
Landkreis (ssr)

Der Offene Brief wird durch die sehr persönlich gehaltene Anrede „Liebe Marie“ eingeleitet. Eingangs äußert der Bischof dann uneingeschränktes Verständnis für die Verärgerung der Großmutter. „Ich kann verstehen, dass Sie über die Äußerungen von Pastor Cochlovius wie Sie schreiben ,sprachlos und traurig‘ sind.“

Anschließend erteilt der Landesbischof den Aussagen von Cochlovius eine klare Absage: „Homosexualität ist aus Sicht der Landeskirche weder Sünde noch muss sie geheilt werden.“ Denn Oma Marie habe völlig Recht, schreibt Meister: „Wir glauben an den Gott, der alle (!) Menschen geschaffen hat und gleichermaßen liebt.“

Das alles stehe „klar und deutlich“ in der Gottesdienstordnung der Landeskirche für Segnungen von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft. Darin heiße es unter anderem: „Als Kirche begrüßen wir, wenn in gleichgeschlechtlicher Beziehung lebende Menschen eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen und diese unter Gottes Wort und Segen stellen“. Und: „In der Gemeinde Jesu Christi sind Unterschiede von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung aufgehoben.“

Der Landesbischof betont, dass „die weitaus überwiegende Mehrheit unserer Pastorinnen und Pastoren diese Ansicht teilt“. Trotzdem müsse die Kirche „akzeptieren, dass einzelne Pastorinnen und Pastoren die Bibel anders interpretieren und deshalb zur Homosexualität eine andere Meinung haben“. Dies dürfe „jedoch niemals dazu führen, dass homosexuelle Menschen ausgegrenzt oder diskriminiert werden“, versichert der Landesbischof Oma Marie. Das Liebesgebot der Bibel habe absoluten Vorrang, „wie der Apostel Paulus sagt: ,Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt‘ “.

Vor dem Hintergrund seiner Ausführungen kämpft Meister um die Mitgliedschaft von Oma Marie in der Kirche. „Ich bedauere sehr, dass Sie aus unserer Kirche ausgetreten sind“, heißt es in dem Schreiben eingangs bedauernd. Und am Ende appelliert der Landesbischof an die Großmutter: „Ich würde mich freuen, wenn Sie wieder in die evangelische Kirche eintreten würden!"

Mehr zum Thema
Aus dem Landkreis Ralf Meister schreibt Offenen Brief - Landesbischof kämpft um Oma Marie

Der hannoversche Landesbischof kämpft um Oma Marie (Nachname der Redaktion bekannt). In einem Offenen Brief hat sich Ralf Meister an die 84-jährige Großmutter zweier schwuler Enkel gewandt, die aus Protest gegen die Äußerungen des Hohnhorster Pastors Gero Cochlovius zur Homosexualität aus der Kirche ausgetreten war. Der Geistliche hatte Homosexualität als Sünde bezeichnet.

20.04.2015
Der Norden Nach Eklat um Schwulenfeindlichkeit - Bischof stärkt kämpferischer Oma den Rücken

Nach dem Eklat um schwulenfeindliche Äußerungen eines Pastors im Kreis Schaumburg hat sich Hannovers Landesbischof Ralf Meister von der Position distanziert. "Homosexualität ist weder Sünde noch muss sie geheilt werden", erklärte er in einem Brief an eine Seniorin, die wegen ihrer homosexuellen Enkel aus der Kirche ausgetreten war.

17.04.2015

Mit so viel Rummel hat die 84-jährige Marie (Nachname der Redaktion bekannt) nicht gerechnet. Im Fernsehen hörte sie die Aussagen des Hohnhorster Pastors Gero Cochlovius, dem zufolge Homosexuelle ihre Neigung nicht ausleben sollten, weil das Gottes Willen widerspreche. Die Großmutter zweier schwuler Enkel schrieb daraufhin an die Kirche, verkündete ihren Austritt. Die Enkel stellten den Brief bei Facebook ein. Die Resonanz, so berichtet Marie im Exklusiv-Gespräch mit den SN, sei „überwältigend“ gewesen.

19.04.2015