Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Landeskirche trennt sich von Geisler

Landkreis / Befreiungsschlag Landeskirche trennt sich von Geisler

„Jetzt ist endlich ein Neuanfang möglich“, sagt Dr. Karl-Hinrich Manzke, und die Erleichterung ist dem Bischof in jeder Silbe deutlich anzumerken. Nach sechsjährigem Ringen ist der Landeskirche Schaumburg-Lippe der überfällige Befreiungsschlag geglückt, an den viele schon längst nicht mehr geglaubt hatten.

Voriger Artikel
SuedLink-Stromtrasse durch Schaumburg?
Nächster Artikel
Workshop: Gottesdienst kreativ gestalten

Bis es zur dauerhaften Übernahme durch den neuen Dienstherrn kommt, bleibt Kirchenamtspräsident Sebastian Geisler formal Beschäftigter der Schaumburg-Lippischen Landeskirche.

Quelle: rg

Von Marc Fügmann

Landkreis. Seit gestern ist der umstrittene Kirchenamtspräsident Sebastian Geisler de facto von seinen Leitungsaufgaben entbunden. Wie Bischof Manzke auf Anfrage der Schaumburger Nachrichten bestätigte, hat der 41-Jährige einer Abordnung an die hannoversche Landeskirche zugestimmt. Ein gemeinsam ausgearbeiteter Vertrag entsprechenden Inhalts wurde von allen beteiligten Parteien unterschrieben.

 Die Vereinbarung sieht vor, dass Geisler mit sofortiger Wirkung zunächst für die Dauer eines Jahres an die große Nachbarkirche überstellt beziehungsweise abgeordnet wird, wie es im Kirchenrecht heißt. Das Ganze habe den „Zweck einer sich daran anschließenden Versetzung“, so Manzke.

 Bedeutet: Geisler soll ab 1. Oktober 2015 dauerhaft zur hannoverschen Landeskirche wechseln. Dort wird er sich dem Vernehmen nach um die anstehende Neuorganisation der Rechnungsprüfung kümmern.

 Bis es zur dauerhaften Übernahme durch den neuen Dienstherrn kommt, bleibt der Jurist formal Beschäftigter der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, bekommt also weiterhin sein Gehalt aus Bückeburg. Doch auch nach Ablauf des Abordnungsjahres muss er in seiner neuen Funktion keine finanziellen Einbußen hinnehmen.

 Zwar will sich Manzke zu Details nicht äußern. Nach SN-Informationen gibt es jedoch eine Übereinkunft, wonach die heimische Landeskirche dauerhaft die Differenz zwischen alter und neuer Besoldung trägt. Für die Landeskirche ist eine solche Regelung zwar kostspielig, gleichwohl längst nicht so teuer wie eine Abfindung, die im Falle einer weniger einvernehmlichen Trennung fällig geworden wäre. Geisler selbst war für eine Stellungnahme gestern Abend nicht erreichbar.

 Er steht seit 1. April 2008 in Diensten der Schaumburg-Lippischen Landeskirche. Praktisch vom ersten Tag an gab es Spannungen, die im Laufe der Zeit immer weiter zugenommen haben.
 Das hat offenbar mehrere Ursachen: Als der vierfache Familienvater den Chefposten im Bückeburger Kirchenamt übernahm, war er mit gerade einmal 35 Jahren für eine solche Aufgabe noch ausgesprochen jung. Mit Kirchenverwaltung hatte er bis dahin keine Erfahrungen gemacht. 1973 im sächsischen Freiberg geboren, arbeitete er im Anschluss an sein Studium zunächst als Referent im Innenministerium des Freistaats und später als Rechtsanwalt in Frankfurt/Main.

 Weil er sich auch nach drei Jahren im Amt fachlich noch schwer tat, schickte ihn sein Arbeitgeber 2011 für insgesamt ein Jahr zur Hospitation in benachbarte Kirchenverwaltungen. In Hannover und Dortmund sollte er sich das nötige Wissen aneignen.

 Dass die Schwierigkeiten nach seiner Rückkehr nicht ausgeräumt waren, dürfte vermutlich auch mit Defiziten anderer Art zusammenhängen. Das Arbeitsklima im Landeskirchenamt gilt – zurückhaltend formuliert – als stark belastet. „Unerträglich“, klagen einzelne Mitarbeiter. Geisler habe nie den richtigen Zugang zu ihnen gefunden und obendrein große Probleme mit der Selbstwahrnehmung gehabt.
 Unzählige, unter Federführung Manzkes unternommene Versuche, das zerbrochene Porzellan zu kitten, scheiterten. Ebenso wie eine schon zu einem früheren Zeitpunkt ins Visier genommene Option der Trennung.

 Manzke mag all das nicht kommentieren, er will jetzt nur noch nach vorn blicken. „Ich bin froh und dankbar, dass sich eine Perspektive auftut, die für alle Beteiligten die beste Lösung darstellt“, sagt der Landesbischof. Freilich nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass ihm „das Problem 2009 bei meinem Amtsantritt vor die Füße gelegt worden ist“. Geisler war noch unter seinem Vorgänger, dem früheren Landesbischof Jürgen Johannesdotter, eingestellt worden.

 Interimsweise wird ab nun Harald Weidenmüller die Geschäfte des Kirchenamtspräsidenten wahrnehmen. Der ehrenamtliche Stellvertreter Geislers war bereits während dessen Hospitation eingesprungen. Mittelfristig dürfte sich die Landeskirche dann aber nach einem neuen Juristen umsehen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg