92 Stimmen für Farr, 11 Stimmen für Braaksma, eine Enthaltung: Das eindeutige Ergebnis der SPD-Kandidatenkür dürfte keinen der 104 Delegierten wirklich überrascht haben. Insgesamt 18 SPD-Untergliederungen hatten Farr vorgeschlagen, lediglich eine einzige Braaksma – der Ortsverein Altenhagen II/Messenkamp, dessen Vorsitzender er selber ist.
Entsprechend war auch die Beteiligung der Genossen an der Wahlkreiskonferenz nicht berauschend.Mehr als jeder Achte blieb der Abstimmung von vornherein fern. Und Bedarf zur Aussprache gab es nach der wochenlangen Ochsentour beider Kandidaten durch die Vereine und Verbände dieses Landkreises schon gar nicht mehr: „Wir wissen doch schon alles, macht weiter,“ rief SPD-Urgestein Jürgen Evers dem Podium nach der Vorstellung der Kandidaten zu.
Als das Ergebnis der Wahl bekannt gegeben wurde, brandete Applaus im Saal auf. Zu den ersten Gratulanten zählte außer Schaumburgs SPD-Chef Karsten Becker und dem Landtagsabgeordneten Heiner Bartling auch ein sichtlich gerührter Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier, der seinen langjährigen Weggefährten aus dem Kreishaus umarmte und auf Nachfrage erleichtert bekannte: „Ja, ich bin glücklich.“
„Ein bisschen gerührt“ zeigte sich auch Farr nach der Abstimmung und bedankte sich bei den Genossen für das klare Votum. „Ich nehme das als Ansporn, dass wir alle gemeinsam einen engagierten Wahlkampf führen.“ In seiner Kurzvorstellung hatte der Parteilose zuvor seine langjährige Erfahrung und Qualifikation in den Vordergrund gerückt und sich zudem mehrmals auf „gemeinsame sozialdemokratische Grundwerte“ berufen.
Und unter anhaltendem Applaus betonte er: „Ich bekenne mich zu dieser SPD, und ich möchte gerne mit euch unser Schaumburger Land weiterentwickeln.“ Ausdrücklich bedankte sich Farr bei seinem Kontrahenten für einen fairen Wahlkampf: „Es war immer eine faire und sachliche Auseinandersetzung – und bei rund 20 gemeinsamen Veranstaltungen haben wir auch persönlich zueinander gefunden.“
„Elf Stimmen – das ist nicht die dollste Nummer, aber es ist auch nicht schlecht,“ zeigte sich Braaksma nach der Entscheidung zwar enttäuscht, aber nicht entmutigt: „Es war richtig, dass ich kandidiert habe.“ In seiner Kurzvorstellung hatte er sich noch ein letztes Mal kämpferisch gegeben – und in Abgrenzung zu Farr seine Volksnähe („ich bin Mitglied in sieben Vereinen – das sind alles potenzielle Wähler“) und seinen Parteizugehörigkeit betont. Seine letzten Worte auf dem Podium: „Vielen Dank. Euer Genosse.“
Vor dem Landrats-Zimmer stünden nach der Amtszeit von Heinz-Gerhard Schöttelndreier große Schuhe, hatte SPD-Chef Karsten Becker betont. Aus diesem Grund habe sich die SPD die Kandidatenfindung nicht leicht gemacht, betonte Becker. „Wir wollten das nicht einer mehr oder weniger zufälligen Entscheidungsfindung im Rahmen einer zweistündigen Veranstaltung überlassen.“
Heute Abend nominieren Schaumburgs Christdemokraten im Bückeburger Ratskeller Farrs Gegenkandidaten: Für 19 Uhr sind alle CDU-Mitglieder zu einer Urwahl eingeladen. Bislang einziger Bewerber ist der CDU-Kreisvorsitzende Klaus-Dieter Drewes. crs
SN-Online.de Anmeldung
