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Landkreis

Landratswahl: 70 Prozent unentschlossen


Klaus-Dieter Drewes oder Jörg Farr? Sieben von zehn wahlberechtigten Schaumburgern sind noch unentschlossen, wen sie zum nächsten Landrat wählen wollen – oder ob sie am 31. Oktober überhaupt zur Wahl gehen. Das hat eine SN-Umfrage ergeben.

Wer wird es am 31. Oktober schaffen, als Landrat ins Kreishaus einzuziehen – Jörg Farr (links) oder Klaus-Dieter Drewes? Derzeit sind noch fast 70 Prozent der Wahlberechtigten in Schaumburg unentschlossen, wen von beiden sie auf diesen Posten wählen sollen – oder ob sie überhaupt zur Wahl gehen.

Kreis Schaumburg. 551 zufällig ausgewählten wahlberechtigten Befragten ist in den vergangenen drei Wochen in zwei voneinander unabhängigen Durchgängen telefonisch folgende Frage gestellt worden: „Wen wünschen Sie sich als nächsten Landrat für Schaumburg: Klaus-Dieter Drewes oder Jörg Farr oder sind Sie noch unentschlossen?“ Die Resultate fielen in beiden Teildurchgängen nahezu identisch aus und führten in der Summe zu folgendem Ergebis:
Eine riesengroße Mehrheit von 69,1 Prozent zeigte sich unentschlossen. Diese Anwort kann zweierlei bedeuten. Entweder dass die Befragten von dieser Wahl gar nichts wissen und/oder dass sie mit den Namen der Kandidaten nichts anfangen können. Oder aber sie sind darüber zwar im Bilde, haben sich hingegen noch nicht für den einen oder anderen entschieden. Die Voten derer, die für einen Namen plädiert haben, fallen auf beide Kandidaten annähernd zu gleichen Teilen: Für Farr plädierten 16,7 Prozent, für Drewes 14,2 Prozent.
Der hohe Anteil von 70 Prozent Unentschlossenen legt offenkundig folgenden Schluss nahe: Für die Wahrnehmung der Wahl überhaupt muss noch genauso getrommelt werden, wie das die beiden Kandidaten für die Steigerung ihres eigenen Bekanntheitsgrades offenbar tun müssen. Auf Anfrage räumten das Drewes wie Farr grundsätzlich ein. Die Gespräche mit den Kandidaten fanden ohne deren Wissen um diese Umfrage statt, deren Ergebnis am späten gestrigen Abend bekannt wurde. „Es muss viel dafür getan werden, dass es zu einer vernünftigen Wahlbeteiligung kommt“, sagte Farr. Und Drewes bezeichnete es als „Herausforderung, die Bekanntheit zu erhöhen“.
Zwar seien die Vorbereitungen bereits im Gange, die heiße Phase des Wahlkampfes beginne aber erst direkt nach den Sommerferien Mitte August, bekundeten sowohl CDU-Bewerber Drewes (52, Hagenburg), im Hauptberuf Dozent an der Sparkassenakademie Hannover, als auch der für die SPD kandidierende parteilose Kreiskämmerer Jörg Farr (47, Obernkirchen).
Für den Wahlkampf vor Ort plant Farr nach eigenen Angaben viele Gespräche und Veranstaltungen, etwa „mit Wirtschaftsverbänden, Handwerkerschaft, Gewerkschaften, Sozialverbänden, Landwirtschaft, Naturschützern, Feuerwehr und Sportverbänden“. In allen zwölf Kommunen des Kreises werde er „mit örtlicher Politik, Verwaltung, insbesondere auch mit Verbänden und Vereinen und den Bürgern Gespräche führen“. Die Veranstaltungen werden laut Farr „in netter Atmosphäre stattfinden, Freiluftveranstaltungen bei hoffentlich schönem Wetter“. Geplant seien auch Treffs mit kulturellem Charakter und Radtouren. Bei alldem werde er vor allem „auf meine Erfahrung und Kompetenz und meine inhaltlichen Ziele und Schwerpunkte setzen“, betonte Farr.
„Es ist mir gottgegeben, einfach unkompliziert auf Menschen zuzugehen, das fällt mir wirklich leicht“, bekennt Drewes. Sehr viele persönliche Gespräche zu führen, inklusive „Klinkenputzen“, werde daher ein zentrales Wahlkampfmittel für ihn sein. Darüber hinaus solle es vor Ort viele eher gesellige Veranstaltungen geben – etwa Sommerfeste, Stammtische, Wanderungen ums Dorf oder Grillfeten. In einem „gesunden Maß“ kämen themenzentrierte Info-Veranstaltungen dazu, teils im Rahmen der „Bürger-Dialoge“ der CDU-Kreistagsfraktion. Auch mit prominenten Gästen will der CDU-Kandidat aufwarten – zugesagt hätten bislang Christian Wulff, David McAllister und Strauß-Tochter Marianne Hohlmeier.
Was wie gesteuert aussieht, ist wohl purer Zufall: Beide Kandidaten sammeln jeweils exakt zwölf Wochen Resturlaub an. Diese wollen sie ab August einsetzen, also direkt nach den Sommerferien die heiße Phase des Wahlkampfs eröffnen. Weder Farr noch Drewes werden beruflich dafür freigestellt, sie müssen ihre Freizeit einsetzen. Stefan Rothe

Inhalte: Soziales im Fokus
Inhaltlich will Jörg Farr im Bereich Sozialpolitik Akzente setzen: „Der Landkreis muss sozial und die diesem Ziel dienenden bewährten Strukturen müssen erhalten bleiben.“ Im Auge hat der Kreiskämmerer auch die Finanzlage: „Ich stehe für eine Haushaltskonsolidierung mit Augenmaß.“ Ein weiteres Stichwort ist die aktive Wirtschaftsförderung: „Die Arbeitsplätze sind ein Schlüssel.“ Zudem sind für ihn der Erhalt und die Familienfreundlichkeit des Kreises sowie die demographische Entwicklung Themen.
Klaus-Dieter Drewes will sich während des Wahlkampfes mit sozialen Themen, dem demographischen Wandel und der Verwaltungsstruktur beschäftigen. „Die interkommunale Zusammenarbeit ist sehr wichtig, da müssen wir nach vorne kommen“, erklärt der CDU-Kandidat. Im sozialen Bereich wolle er das Kindergarten-, das Schul- und das Seniorenangebot in den Mittelpunkt rücken. ssr

Stichwort Amtsbonus:
„Dass ich Entwicklungen und Ziele dieser Kreisverwaltung kenne, sehe ich schon als Vorteil“, sagte Kreiskämmerer Jörg Farr zum Thema Amtsbonus. Das sei „nicht zu unterschätzen“. Dem Wähler bleibe es überlassen, dies zu gewichten. Dass er von Amts wegen eng an der Seite des amtierenden Landrats Heinz-Gerhard Schöttelndreier arbeite, sieht er als „Schulterschluss – wir sind thematisch nahe beeinander“. Selbstverständlich trete er als Kandidat aber öffentlich „verstärkt persönlich auf“. Etliches am Verwaltungshandeln sei zudem „Sache des Kämmerers“, so Farr, etwa die anti-zyklischen Investitionsprogramme der jüngeren Vergangenheit.
Einerseits sei es „sicher ein gewisser Vorteil, wenn man als Kandidat im Kreishaus seinen Dienstsitz hat“, sagte Klaus-Dieter Drewes mit Blick auf Farr. Den eigentlichen Amtsbonus freilich habe Schöttelndreier, „und der wird sich absolut nicht übertragen lassen“. Im Wahlkampf werde er „ganz auf die Person Drewes“ setzen, sagte der CDU-Kandidat, der Dozent an der Sparkassenbakademie in Hannover ist: „Ich höre viele Menschen, die finden, eine Veränderung von außen bekäme diesem Amt mal ganz gut.“ ssr

Internet: Auftritte in Arbeit
Eine weitgehende Neugestaltung des schon seit seiner ersten Kandidatur existierenden Internet-Auftritts lässt Klaus-Dieter Drewes seit einigen Wochen bearbeiten. Dabei helfen ihm Mitglieder der Jungen Union und ein externer Profi. Eine erste Freischaltung von Neuerungen hat es gerade gegeben, weitere Schritte sollen bald folgen. Die Adresse: www.klaus-dieter-drewes.de.
Jörg Farr hatte bisher keine eigene Internet-Seite. Eine solche bereitet er nach eigenem Bekunden nun vor. Die ersten Seiten seien fertig, sagte er auf Anfrage. Freigeschaltet sei aber noch nichts. Die Veröffentlichung des Auftritts sei für Mitte April geplant. ssr

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