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Dezentrale Flüchtlingsunterbringung Langsam wird es eng

Mit der dezentralen Flüchtlingsunterbringung will der Landkreis Schaumburg die Integration der Asylbewerber erleichtern und eine Ghettoisierung verhindern. Doch angesichts der immer größeren Menschenströme aus Syrien, Afrika und Co. stößt das „Leverkusener Modell“ an seine Grenzen.

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Quelle: dpa/Symbolbild

Landkreis. Aktuell sind in Schaumburg 920 Flüchtlinge untergebracht. Wöchentlich 20 Neuankömmlinge erwartet der Landkreis in diesem Jahr. „Ich gehe aber davon aus, dass wir diese Prognose nach oben korrigieren müssen“, meint Erster Kreisrat Klaus Heimann. Eine Einschätzung, die auch der Pressesprecher des Niedersächsischen Innenministeriums bestätigt. Matthias Eichler: „Es ist derzeit allerdings noch unklar, wie sich die Situation im Kosovo auswirkt.“ Dennoch will der Landkreis daran festhalten, die Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen. „Bisher haben wir es immer noch hinbekommen“, erklärt Heimann. „Auch wenn wir an unsere Grenzen geraten.“

 Im vergangenen Jahr hatte der Landkreis seinen Kurs korrigiert und in Ergänzung zur dezentralen Unterbringung Gemeinschaftsunterkünfte für die Erstorientierung geschaffen. „Angesichts der relativ kurzfristigen Zuweisungen ist es wichtig, schnell reagieren zu können. Wir bekommen zwar in der Regel eine Woche vorher von der Landesaufnahmestelle in Braunschweig Bescheid, wieviele Flüchtlinge bei uns eintreffen, in Ausnahmefällen erfahren wir das aber erst zwei Tage vorher“, berichtet Heimann. Zwar sei der Landkreis bestrebt, Wohnungen auf Vorrat anzumieten, „das gelingt uns aber kaum. Teilweise hatten wir überhaupt keinen Puffer.“

 Die Kosten für die Flüchtlinge – Unterhalt, Sozialarbeit, Unterkunft etc. – übernimmt der Landkreis, der vom Land Niedersachsen eine Pauschale erstattet bekommt: jährlich 6195 Euro pro Person. Heimann: „Das reicht aber nicht aus. Bis zu 50 Prozent der Kosten müssen wir selbst tragen.“

 Die Rahmenbedingungen für die Flüchtlingswohnungen sind im Asylbewerberleistungsgesetz klar definiert, sowohl was die Quadratmeterzahl als auch was die Kosten pro Person betrifft. „Aber es wird schwieriger, entsprechenden Wohnraum in Schaumburg zu finden“, berichtet Heidemarie Hanauske, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt Schaumburg, die sich um die Flüchtlingssozialarbeit im Landkreis kümmert.

 Auch Hanauske ist von der Notwendigkeit der Übergangsgemeinschaftsunterkünfte überzeugt. „Es hat sich gezeigt, dass sich die rein dezentrale Unterbringung nicht durchsetzen lässt. Außerdem haben wir in den Übergangsquartieren Büros für die Sozialarbeiter, sind als Ansprechpartner vor Ort, auch die Sprachkurse sind dort angedockt.“

 Zumal der Landkreis auch bei den Gemeinschaftsunterkünften darauf achte, sie auf mehrere Standorte zu verteilen und mit maximal 40 Personen zu belegen. „Wir haben die leer stehende Förderschule in Rinteln umgebaut. Außerdem dienen das Heim am Bahnhofsweg in Rinteln sowie das ehemalige Pflegeheim in Bad Eilsen als Gemeinschaftsunterkünfte“, berichtet Heimann.

 Hanauske betont allerdings, dass mittelfristig die dezentrale Unterbringung für die Integration der Flüchtlinge von zentraler Bedeutung sei. „Eine Ghettoisierung bringt soziale Probleme mit sich.“ Bei Konflikten versuchen die Sozialarbeiter, zwischen Asylbewerbern und Nachbarn zu vermitteln. „Jemandem, der aus einem Land kommt, in dem es keine Mülltrennung, keine Zentralheizung und kein Schneeschieben gibt, müssen wir einfach bestimmte Dinge erklären.“ Bisher habe es aber keine Widerstände aus der Bevölkerung gegeben, berichtet Hanauske. Auch nach Angaben von Heimann hat es noch keine gravierenden Probleme zwischen Flüchtlingen und Nachbarn gegeben.

 Awo-Flüchtlingssozialarbeiterin Susanne Schulz hat festgestellt, dass das Klima für Flüchtlinge im Vergleich zu den neunziger Jahren freundlicher geworden ist. „Auch die Vermieter sind viel offener dafür, an Asylbewerber zu vermieten.“ Erst in der vergangenen Woche haben laut Schulz zwei Familien aus Eritrea privat eine Wohnung in Stadthagen gefunden. „Nur für Einzelpersonen und sehr große Familien ist es schwierig. Single-Wohnungen zu Jobcenter-Konditionen sind heiß umkämpft.“

 Wer eine Unterkunft bereitstellen möchte, kann sich an das Kreis-Sozialamt wenden. ber,sk

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