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Leser erkunden mit den SN Berlin

Besuch im BND und Bundestag Leser erkunden mit den SN Berlin

Der freundliche junge Mann, der sich bei der Begrüßung als Marcus Söderblom vorgestellt hat, lässt die Katze erst kurz vor der Verabschiedung aus dem Sack. „Natürlich ist das nicht mein richtiger Name, sondern Teil der Legende.“ So bezeichnen Agenten ihre zur Tarnung erfundene Biographie. Spätestens jetzt werden die 25 Gäste aus Schaumburg daran erinnert, wer hier hinter diesen hohen Mauern residiert. Der Besuch beim Bundesnachrichtendienst – er ist nur einer der Höhepunkte der dreitägigen SN-Leserreise ins politische Berlin.

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Referatsleiterin Birgit Mysegades erklärt die Arbeit der niedersächsischen „Botschaft“ in der Hauptstadt.

Landkreis/Berlin. Dabei hatte „Herr Söderblom“ kurz zuvor noch versichert, die Arbeit des BND habe so gar nichts gemein mit dem, was man in James-Bond-Filmen sehe. Daher bezeichne sich die Behörde selbst auch nicht als Geheim-, sondern als Nachrichtendienst.

Die insgesamt etwa 6500 Mitarbeiter sammeln täglich rund um den Globus Hunderte von Informationen über politisch, militärisch oder wirtschaftlich relevante Entwicklungen und versorgen damit vor allem die Bundesregierung. Seit der Snowdon-Affäre und dem Bekanntwerden von Spähaktionen gegen „befreundete“ Dienste habe sich der BND mehr Transparenz auf die Fahnen geschrieben, versichert „Herr Söderblom“. In diesem Zuge habe man die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert und begonnen, sich für interessierte Besucher zu öffnen. Zumindest ein bisschen...

Das Programm, das den Teilnehmern auf dieser zweiten Leserreise der Schaumburger Nachrichten geboten wird, wartet mit reichlich spannenden Begegnungen auf. Gleich nach der Ankunft geht es ins Schloss Bellevue, dem repräsentativen Amtssitz von Bundespräsident Joachim Gauck. Hier werden regelmäßig gekrönte und gewählte Häupter mit militärischen Ehren empfangen – darunter zuletzt auch US-Präsident Barack Obama und die Queen. Der Hausherr lässt sich an diesem Tag nicht blicken – er befindet sich mit seiner Lebensgefährtin im Sommerurlaub. Dafür bekommen die SN-Leser die festlichen Banketträume zu sehen, wo bei Staatsempfängen standesgemäß getafelt wird. Vergleichsweise nüchtern erscheint dagegen das benachbarte Bundespräsidialamt, wo der 180-köpfige Stab dem ersten Mann im Staate zuarbeitet.

Sie sind die politischen Beobachter, die den Mächtigen auf die Finger schauen: die Hauptstadt-Journalisten des Redaktion-Netzwerk Deutschland (RND). Hier entsteht jeden Tag ein Großteil der überregionalen Berichterstattung für rund 30 Tageszeitungen, darunter auch die Schaumburger Nachrichten. Beim Ortstermin im siebten Stock des Hauses der Bundespressekonferenz stehen die Korrespondenten Dieter Wonka und Udo Röbel den SN-Lesern bereitwillig Rede und Antwort, erzählen, wie ihre oft exklusiven Geschichten entstehen und den Weg ins Blatt finden.

Es sind Geschichten über einflussreiche Politiker wie etwa David McAllister. Der ehemalige Ministerpräsident wirkt später bei der Begegnung in der niedersächsischen Landesvertretung etwas lädiert. „Er ist beim Putzen von der Wand gefallen“, sagt Birgit Mysegades schmunzelnd und deutet auf eine Delle im Bilderrahmen. McAllisters Konterfei hängt dort neben denen seiner neun Vorgängern in der „Ahnengalerie“ der Landesväter. Der amtierende Regierungschef Stephan Weil fehlt noch in der Reihe.

„Wir sind so etwas wie die Botschaft Niedersachsens in Berlin“, erklärt Referatsleiterin Mysegades ihren aufmerksamen Zuhörern. Zu den Aufgaben der Vertretung gehöre unter anderem das Mitwirken an Bundesratsinitiativen. Darüber hinaus begrüße man jedes Jahr rund 42000 Besucher in den Räumlichkeiten – allein 3000 kommen zum beliebten Sommerfest.

Zum anschließenden Mittagessen müssen die SN-Leser dann in die gegenüberliegende hessische Botschaft ausweichen, wo es deftige Hausmannskost gibt – in der Vertretung Niedersachsens bleibt ferienbedingt die Küche kalt.

Zu den vielen spannenden Gesprächspartnern, die die Schaumburger während ihres Aufenthalts in Berlin treffen, zählt auch der heimische Abgeordnete Maik Beermann. Der lässt es sich nicht nehmen, seine Gäste persönlich durch den Bundestag zu führen. Anschließend plaudert er in vertrauter Runde freimütig aus seinem Parlamentarierleben.

Etwa, dass ihm am ersten Arbeitstag in Berlin das Herz in die Hose gerutscht sei, weil er seinen Namen nicht gleich auf der Liste der neuen Abgeordneten fand. Dass ihm dann aber keine Geringere als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen einen Sitzplatz an ihrer Seite angeboten hat. Oder auch, dass er in seiner ersten Plenarsitzung vom Saalordner höflich, aber bestimmt gebeten worden sei, künftig auf das Mitbringen eigener Wasserflaschen zu verzichten. „Ich habe seitdem viel gelernt“, sagt Beermann, der sich längst routiniert im Politikbetrieb bewegt und selbstbewusst agiert. „Beim Gesetz zum Fracking-Verbot gehörte ich zu den wenigen bei uns, die mit den Grünen gestimmt haben“, berichtet der CDU-Politiker. „Aus Überzeugung.“

Schon etwas länger in Berlin ist Eva Högl. Die gebürtige Osnabrückerin hat als Vorsitzende des Edathy-Untersuchungsausschusses einen besonderen Bezug zum Schaumburger Wahlkreis. Ihr oblag die politische Aufklärung der Kinderporno-Affäre um den ehemaligen SPD-Abgeordneten. „Das muss ich nicht noch mal haben“,bekennt sie offen. Schließlich seien sie beide bis dahin zwar keine Freunde, aber doch Weggefährten innerhalb der SPD gewesen. Högl berichtet der Gruppe im Anschluss an deren Besuch im Finanzministerium, wie sie die aufregenden Ereignisse, die beinahe eine Regierungskrise ausgelöst hätten, erlebt hat.

Einmal mehr auf dieser Reise verlassen die beeindruckten SN-Leser danach den Raum mit der Erkenntnis, nun Dinge zu wissen, die sie sonst wohl niemals erfahren hätten. Manches davon steht nicht einmal in der Zeitung. mf

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