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Lobby-Problem: Berufsschulen gehen die Lehrer aus

Unterrichtsversorgung liegt bei unter 86 Prozent Lobby-Problem: Berufsschulen gehen die Lehrer aus

Den Berufsschulen gehen die Lehrer aus: Da kommt der Plan des Kultusministeriums, bis zum Jahr 2021 150 Stellen von den Berufsschulen abzuziehen, wie ein harter Faustschlag daher. Das empfindet auch der Schulleiter der BBS Stadthagen, Jürgen Steltner, so.

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Lehrermangel: An der BBS Stadthagen fehlen Pädagogen für die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer.

Quelle: rg

Stadthagen. Die Unterrichtsversorgung liege an seiner Schule bei rund 86 Prozent – das entspricht dem landesweiten Schnitt der Berufsschulen. „Lehrer fehlen an allen Ecken und Enden. Der Markt ist komplett leergefegt“, so Steltner.

 Zum Vergleich: An Gymnasien lag die durchschnittliche Versorgung laut einer Studie des Kultusministeriums im vergangenen Schuljahr bei 99,8 Prozent. „Wir haben ein Lobby-Problem“, klagt Steltner. Berufsschulen fielen häufig hinten rüber. Diesen Eindruck hat auch Schaumburgs Kreisrätin Katharina Augath. Sie vermutet, dass Berufsschulen weniger beachtet werden, weil es kaum Eltern gebe, die sich für die Schüler einsetzen und bei Schwierigkeiten und Unterrichtsausfall auf die Barrikaden gehen. Das sei an den Grundschulen oder Gymnasien dagegen absolut üblich. Hinzu komme, dass die Schüler über 18 Jahre alt und damit volljährig seien.

Bedarf vor allem in den technischen Bereichen und der Naturwissenschaft

 Das Problem der fehlenden Lehrer betrifft nicht nur die beiden Schulen in Schaumburg, sondern ist ein landesweites Phänomen. An Steltners Schule fehlen besonders Lehrer in den technischen Bereichen und der Naturwissenschaft. Die in diesen Fächern ausgebildeten Lehrer könnten sich derzeit die Schulen aussuchen, weil sie so gefragt sind, meint Steltner. Er spricht sich aus diesem Grund für eine staatliche Steuerung der Studienplätze aus.

 Wegen der fehlenden Lehrer auf dem Arbeitsmarkt sind die Berufsschulen immer häufiger auf Seiteneinsteiger aus der Wirtschaft angewiesen. Doch zum einen fehlt den fachlich zwar sehr gut ausgebildeten Quereinsteigern die pädagogische Ausbildung. Somit setzt häufig nach einigen Monaten die Erkenntnis ein, dass der Zugang zu den Schülern fehlt. Zum anderen spricht gegen das Lehrer-Dasein aus Sicht der Quereinsteiger, dass sie als Lehrer meist weniger verdienen als in der freien Wirtschaft.

 Auch der Rintelner BBS-Schulleiter Herbert Habenicht ist mit der Situation für die Berufsschulen in Niedersachsen unzufrieden. An seiner Schule liegt die Unterrichtsversorgung sogar unter dem Landesdurchschnitt von 86 Prozent. Es gebe einfach zu wenig Stellenzuweisungen vom Land. Habenicht ärgert die Vorgehensweise des Landes. „Ich sehe da eine Diskrepanz.“ Immer wieder sei das duale System in den vergangenen Jahren gelobt worden. Doch er ist davon überzeugt, dass das Land Niedersachsen mehr dafür tun könnte – oder besser machen müsste, um es tatsächlich erfolgreich zu gestalten.

 Lob hat er indes für die heimische Industrie- und Handelskammer und die Kreishandwerkerschaft übrig. „Von dieser Seite bekommen wir viel Unterstützung.“ Doch Lehrer könnten sie eben auch nicht schaffen. Aus Habenichts Sicht ist der Alltag an seiner Schule nur zu leisten, weil sein Kollegium „über das normale Maß hinaus arbeitet und viele Überstunden macht“. An der BBS Rinteln fehlen insbesondere Englisch-Lehrer. Das Fach könne nicht in vollem Umfang besetzt werden. Aber auch die Fächer Deutsch und Politik leiden unter dem Lehrermangel. „Die Berufsschulen sind das Stiefkind, egal welche Partei regiert“, so Habenicht.  jemi

Lehrer werden

Wegen der besonderen Bedarfslage für einige Unterrichtsfächer an den Berufsschulen steht der Weg in den niedersächsischen Schuldienst nicht nur Lehrern mit einer Lehramtsausbildung offen, sondern auch Bewerbern, die ein anderes Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen haben. So klappt der Quereinstieg: Der favorisierte Weg über den Vorbereitungsdienst ist nur für bestimmte Fächer und Studienabschlüsse möglich. Durch das erfolgreiche Ablegen der Staatsprüfung am Ende des Vorbereitungsdienstes wird die Lehrbefähigung erworben. Hierdurch bestehen im Bewerbungs- und Auswahlverfahren für den Schuldienst gleichrangige Einstellungschancen zu den Lehrkräften mit dem klassischen Weg der Lehramtsausbildung.

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