Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Aus dem Landkreis Manzke verteidigt Klinikum-Träger
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Manzke verteidigt Klinikum-Träger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 11.11.2016
Der Standpunkt des Agaplesion-Konzerns wird vom Landesbischof verteidigt. Quelle: dpa
Anzeige
Landkreis

„Ich halte das rechtlich und ethisch für richtig", sagt Manzke. Auch sein Vorgänger, Jürgen Johannesdotter, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Krankenhauses Bethel in Bückeburg, steht hinter diesem Grundsatz, denen sich die evangelischen Landeskirchen in Deutschland verschrieben haben.

Das vom kirchlichen Agaplesion-Konzern getragene Klinikum bewegt sich laut Manzke ganz bewusst im Spannungsfeld zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Mutter und dem Schutz des ungeborenen Lebens. Hier verfolge das Klinikum die Leitlinie einer höchsten Sorgfalt der Abwägung. „Mir ist ein Krankenhaus lieber, dass diese Sorgfalt als Leitlinie hat und alles tut, um das Leben zu schützen, als ein Träger, der da gar kein Problem sieht“, betont der Landesbischof.

Schutz des Lebens

Das Klinikum biete den Schwangeren, die einen Abbruch aufgrund einer sozialen Indikation vornehmen lassen wollen und den rechtlich vorgeschriebenen Beratungsgang hinter sich haben, eine zusätzliche Beratung durch den behandelnden Arzt und eine mit dem Klinikum kooperierende Beratungsstelle an. „Hierbei wird auf die Frau kein Druck ausgeübt“, hebt Manzke hervor. Gleichwohl werde bei der Beratung „versucht, alles zu tun, was für den Schutz des Lebens getan werden kann“.

Landesbischof i.R. Johannesdotter betont aber auch, dass es sich hierbei nicht um ein „fundamentalistisches Verbot von Abtreibung“ handelt. Zu der Beratung gehöre eben auch, den Frauen zu sagen, wo ein Schwangerschaftsabbruch möglich ist: „Es wird niemand in seiner Hilflosigkeit allein gelassen.“

Es gehe bei der Linie des Klinikums „nicht um kalte Prinzipien“, sondern stets um eine sorgfältige Abwägung im Einzelfall, so Manzke. Wenn der Arzt nach reiflicher Überlegung mit Blick auf die Schwangere jedoch zu der Entscheidung komme, „dass keine wirkliche Gewissensprüfung zu sehen ist“ oder dass „auch im sehr weit gefassten Sinne keine medizinische Indikation vorliegt“, sei es richtig, wenn er vom Krankenhausträger die Möglichkeit bekomme, den Eingriff nicht vorzunehmen.

Übereiltes Urteil

Der Landesbischof betonte, wer die Haltung des Klinikums „als rückständig oder mittelalterlich bezeichnet, der urteilt übereilt“. Der Schutz des Lebens stehe als ein wichtiges Element im Grundrechtskatalog der Verfassung. Die Rechtslage verlange mit Blick auf einen Schwangerschaftsabbruch ausdrücklich eine sorgfältige Prüfung und Abwägung. Diesem Auftrag stelle sich das Klinikum Schaumburg mit seiner Grundlinie.

Dass sich die Politik nun überrascht gezeigt hat, erstaunt Johannesdotter. Es sei zwar nie konkret thematisiert worden, weil Fragen wie die Kosten im Vordergrund standen, „verheimlicht wurde es jedoch nicht“. Zudem hätte jeder, der sich ein wenig mit dem Agaplesion-Konzern beschäftigt habe, den Standpunkt zur Frage des Schwangerschaftsabbruchs kennen können. col, ssr

Mehr zum Thema
Aus dem Landkreis Keine Abbrüche aufgrund sozialer Indikation - Abtreibungs-Tabu empört die Politik

Hektische Betriebsamkeit hinter den Kulissen der kommunalpolitischen Bühne. „Wir haben das nicht gewusst“, so der breite Tenor unter Kreis- und Stadtpolitikern. Stein des Anstoßes ist, dass am neuen Klinikum Schaumburg keine Abtreibung aufgrund sozialer Indikation angeboten wird. Und das, obwohl solche Schwangerschaftsabbrüche bisher in Rinteln und Stadthagen durchaus möglich waren.

10.11.2016

Die Haltung von Agaplesion zum Thema Abtreibung schlägt hohe Wellen. Die Politiker des Landkreises wussten offenbar von nichts. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gunter Feuerbach bezeichnet die Haltung von Agaplesion als „unglücklich und wenig zeitgemäß“.

10.11.2016
Aus dem Landkreis Abbrüche ohne „medizinische Indikation“ rechtswidrig - Kein Recht auf Abtreibung am neuen Klinikum

Abtreibungen ohne medizinische Notwenigkeit wird es in Schaumburg nicht mehr geben. Agaplesion als Betreiber des neuen Gesamt-Klinikums vertritt als Einrichtung der Evangelischen Kirche ein Leitbild, das sich dem „Schutz des Lebens“ verschreibt.

09.11.2016
Anzeige