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Aus dem Landkreis Mehr Bewerber als Plätze
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Mehr Bewerber als Plätze
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16:25 01.11.2018
Matthias Voges (von rechts), Kornelia Kurth und Detlef Rauhut schauen den Auszubildenden Fahrzeuglackierern Theresa Weiß und Azad Abdulalrahman über die Schulter. Quelle: la
Landkreis

Der 29-jährige Syrer Azad Abdulalrahman ist 2015 aus Aleppo geflüchtet und hat in Rolfshagen ein neues Zuhause gefunden. Er lernte Deutsch, absolvierte ein Praktikum bei der Autolackiererei Rauhut in Rehren und konnte dort am 1. August dieses Jahres seine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer beginnen.

„Azad ist bestens integriert, engagiert und bei den Kollegen sehr bliebt“, sagt Detlef Rauhut. „Auch wenn es noch leichte Schwierigkeiten mit der Sprache gibt, was sich vor allem im Berichtsheft zeigt, bin ich froh, dass wir ihm hier die Möglichkeit der Ausbildung bieten können.“ Rauhut ist Experte für den Ausbildungsmarkt der Handwerker – so jedenfalls nennt ihn Cornelia Kurth, Leiterin der Arbeitsagenturen in Rinteln und Stadthagen. Gemeinsam mit Matthias Voges, Berufsberater und stellvertretender Teamleiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Hameln, hat Kurth die Autolackiererei Rauhut im Auetaler Gewerbegebiet in Rehren besucht und die Bilanz des Ausbildungsstellenmarktes 2017/2018 präsentiert. Sie stellte dabei auch fest, dass die Integration von Geflüchteten in den Ausbildungsmarkt nicht immer reibungslos funktioniert.

Die allgemeinen Zahlen in Schaumburg gehen derweil gegen den Trend, stellte Kurth fest. Im Landkreis gebe es mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Fast überall sonst würden Auszubildende, vor allem für Handwerksberufe gesucht.

Die meisten finden ihre Stelle selbst

Im gerade abgelaufenen Ausbildungsmarktjahr haben sich 1302 junge Schaumburger suchend gemeldet. Gleichzeitig gibt es 893 gemeldete Stellen. Ohne Ausbildungsplatz blieben vier Bewerber, 28 Stellen konnten nicht besetzt werden. Im gesamten Agenturbezirk Hameln kamen 3111 Bewerber auf 2718 Ausbildungsplätze. 34 junge Menschen blieben unversorgt und 78 Stellen offen.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um die potenziellen Auszubildenden und Ausbildungsplätze, die der Agentur für Arbeit gemeldet wurden. „Der größere Anteil findet selbst Ausbildungsplätze“, erklärte Voges. „Aber beraten werden alle Jugendlichen von uns.“ Das geschehe im Rahmen des Schulunterrichts und beim Besuch der Schüler im Berufsinformationszentrum. „Ein Vorteil, sich bei der Agentur für Arbeit zu melden ist, dass die Bewerbungskosten und die Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen übernommen werden“, wirbt Kurth.

Ein Problem in der Nachwuchsförderung, vor allem für das Handwerk, sieht Kurth darin, dass inzwischen 50 Prozent aller Schüler das Gymnasium oder die Oberstufe der IGS besuchen. „Mit dem Abitur wandern sie dann ab und fangen irgendwo ein Studium an.“ Viele scheiterten aber oder bemerkten, dass das Studium doch nicht das Richtige für sie ist. Nach zwei oder drei Jahren stünden sie dann „vor dem Nichts“.

Dabei, sagt Rauhut, habe „das Handwerk so viel zu bieten“. Wer sein Abitur nicht oder schlecht beendet habe, könne eine duale Ausbildung absolvieren, die Meisterschule besuchen und sich dann selbstständig machen oder einen Betrieb übernehmen.

„Bei rückläufigen Schülerzahlen muss das Handwerk Werbung für sich und seine Ausbildungsplätze machen“, räumte Rauhut ein. „Entsprechende Messen wie in Rinteln und Stadthagen sind dafür sehr gut geeignet.“ Dort könnten direkte Kontakte geknüpft werden. Häufig würden aus Gesprächen Praktika und dann sogar Ausbildungsverträge resultieren.
2020 steht eine Besonderheit auf dem Ausbildungsmarkt an. Durch die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren entfällt dann nahezu ein kompletter Jahrgang an Abiturienten – das bedeutet eine Chance für Auszubildende und Engpässe für Ausbildungsbetriebe. Die Agentur für Arbeit empfiehlt diesen daher, bereits ein Jahr früher, also 2019, zusätzliche Ausbildungsstellen zu schaffen, denn 2020 werden erheblich weniger höherqualifizierte Bewerber zur Verfügung stehen.