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Mehr Fälle häuslicher Gewalt gemeldet

Landkreis / Soziales Mehr Fälle häuslicher Gewalt gemeldet

Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt, die der Beratungs- und Interventionsstelle „Biss“ gemeldet werden, nimmt zu. Um diesem Beratungsbedarf auch im Sinne der Betroffenen gerecht zu werden, hat der Landkreis jetzt die finanziellen Mittel aufgestockt, sodass die Beratungszeit von 13 auf 22 Wochenstunden erhöht wurde.

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Erster Kontakt über das Telefon: Gabriele Dransfeld berät Opfer häuslicher Gewalt. © kil

Landkreis (kil). Die „Biss“ besteht seit 2002 (Am Sonnenbrink 13, Stadthagen). Finanziert wird die Einrichtung vom Land Niedersachsen und dem Landkreis Schaumburg. Gabriele Dransfeld, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Sozialpädagogin, kümmert sich um die Beratung von Opfern häuslicher Gewalt.
Nach Angaben von Heidemarie Hanauske, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt Schaumburg – dem zuständigen Träger der Beratungsstelle – hat sich die Zahl der Beratungen seit 2006 fast verdoppelt. Laut Statistik gab es in 2010 insgesamt 201 Vorgänge – davon 179 Polizeimeldungen und 22 Selbstmeldungen.

Die Zahl der betroffenen Kinder betrug 172. Zum Vergleich: In 2006 waren es 106 Vorgänge und 154 betroffene Kinder. Im laufenden Jahr hat es bereits 99 Beratungen gegeben. Dabei sei nicht zwangsläufig die Zahl der Opfer gestiegen, sondern vielmehr die Bereitschaft, sich beraten zu lassen, betonte Hanauske.

Wenn Dransfeld die Protokolle der Polizei erhält, nimmt sie telefonisch Kontakt mit den Betroffenen auf. „Nur eine Handvoll“ lehnen ihr zufolge eine Beratung ab. Durch die höhere Stundenzahl könne sie „nachhaltiger“ arbeiten. Bisher bekamen die Betroffenen, die telefonisch nicht zu erreichen waren, nach kurzer Zeit einen Brief. „Der Rücklauf auf die Briefe war sehr gering.“ Jetzt habe sie mehr Zeit, persönlich in Kontakt zu treten. Erst kürzlich sei eine Frau bei der Beratungsstelle aufgetaucht. „Früher wäre ich gar nicht hier gewesen. Jetzt konnte ich gleich intervenieren“, schildert sie.

„Über 90 Prozent der Opfer sind Frauen“, sagt Dransfeld. Meist handele es sich um Gewalt in Partnerschaften, aber es komme auch vor, dass zum Beispiel der Sohn die Mutter schlage. Auch Gewalt im sozialen und ökonomischen Sinne – beispielsweise die permanente Kontrolle des Partners – falle zum Teil in die Zuständigkeit der „Biss“.
Manche Opfer meldeten sich gleich nach dem ersten Gewaltakt, oftmals sei die Situation aber bereist eskaliert und die Frauen kämen mit gebrochener Nase und starken seelischen Belastungen zur „Biss“.

Wie erfolgreich die Beratung auf langfristige Sicht tatsächlich sei, ließe sich derzeit nicht sagen. Eine große Baustelle bildet für Dransfeld die Situation der betroffenen Kinder. Diese müssten ihrer Meinung nach noch stärker vor häuslicher Gewalt geschützt werden.

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