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Mehr Finanzkontrolleure braucht das Land

Schwarzarbeit in Schaumburg Mehr Finanzkontrolleure braucht das Land

Durch die Einführung des branchenübergreifenden Mindestlohns bekommt die Schwarzarbeit einen Schub – das befürchten zumindest Experten. Besonders betroffen sind demnach die Baubranche sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe.

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Vor allem die Baubranche soll von Schwarzarbeit betroffen sein. Experten befürchten einen Anstieg durch die Einführung des branchenübergreifenden Mindestlohns.

Quelle: dpa

Landkreis. Der Vorsitzende der Schaumburger Kreishandwerkerschaft hält das für Unsinn. Fritz Pape: „Das in unserer Branche Schwarzarbeit ein Thema ist, lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber das hat nichts mit der Einführung des Mindestlohns zu tun.“ Im Handwerk bekomme fast jeder Arbeitnehmer schon seit Jahren weit mehr als 8,50 Euro die Stunde. „Ausnahme ist das Friseurhandwerk. Dort werden die Preise für einen Haarschnitt steigen.“ Ansonsten betreffe die Schwarzarbeit im Handwerk vor allem die Nachbarschaftshilfe, „wenn der Nachbarn jemanden kennt, der Dachdecker ist“.

Dagegen sei das Hotel- und Gaststättengewerbe durch die Einführung des Mindestlohns durchaus betroffen, wie Klaus Pittack vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) einräumt. Der Vorsitzende der Schaumburger Kreisverbandes erwartet, dass „die Schwarzarbeit in allen Berufsfeldern ansteigen wird, auch in der Gastronomie“. Allerdings werde die Branche sehr stark kontrolliert, Verstöße seien angesichts hoher Geldstrafen „gefährlich“.

Pittack vermutet, dass viele Gaststätten außerhalb der Stoßzeiten mittags und abends ihre Lokale schließen werden. Und einige Stellen seien in Zeiten des Mindestlohns gar nicht mehr finanzierbar. „Ich kann einem Nachtportier, der nur rumsitzt, keine 8,50 Euro die Stunde bezahlen. Das Gleiche gilt für Arbeitskräfte, die den Geschirrspüler einräumen oder den Hof fegen.“

Viele Besitzer von Gaststätten werden sich in Zukunft selbst stärker in den Betrieb einbringen, prognostiziert Pittack, der vom branchenübergreifenden Mindestlohn nichts hält. „Es ist besser, wenn die Wirtschaft das selbst regelt. Das hat uns die Fleischindustrie eingebrockt, in der die Arbeitskräfte bei Subunternehmen angestellt sind und wie Sklaven gehalten werden.“

Ob die Schwarzarbeit durch den Mindestlohn tatsächlich gefördert wird, wagt bei den zuständigen Kontrollbehörden niemand zu sagen. Beim Finanzamt in Stadthagen hat man bisher keine Häufung der Fälle beobachtet, es sei auch keine Systematik zu erkennen. Allerdings sei der Mindestlohn noch zu neu, um eine wirkliche Aussage treffen zu können.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit in Hildesheim, die auch für Schaumburg zuständig ist, hat ebenfalls noch keinen Anstieg der Schattenwirtschaft festgestellt. „Belastbare Zahlen liegen uns erst frühestens März vor“, sagt Pressesprecher Frank Mauritz. Allerdings sei die „Übertragung der Prüfaufgabe zur Kontrolle des allgemeinen Mindestlohns mit höheren Personal- und Sachkosten verbunden“.

Bis 2019 stelle die Zollverwaltung insgesamt 1600 zusätzliche Zöllner ein. Besonders im Blick haben die Finanzkontrolleure dabei den Dienstleistungssektor, so Mauritz. Aber: „Schwarzarbeit gibt es überall dort, wo Menschen für ihre Arbeit bezahlt werden.“ ber

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