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Aus dem Landkreis Mehr als 80 Pflegestellen abgebaut
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Mehr als 80 Pflegestellen abgebaut
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00:37 20.04.2018
Betriebsbedingte Kündigungen gab es nicht am Klinikum Schaumburg. Doch befristete Verträge liefen aus und Stellen wurden nicht nachbesetzt. Im Jahr vor der Eröffnung wurden in dieser Weise mehr als 60 Stellen gestrichen.  Quelle: TOL/Archiv
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LANDKREIS/VEHLEN

Bis zuletzt hatte die Geschäftsführung des neuen Gesamtklinikums Schaumburg einen Personalabbau dementiert. Noch am 5. April sagte Geschäftsführer Dr. Achim Rogge im Gespräch mit dieser Zeitung: „In den drei Jahren war es immer Tenor, dass wir kein weißes Personal abbauen.“ Unter „weißem Personal“ versteht man Ärzte und Pfleger. Tatsächlich hat das neue Agaplesion-Klinikum Schaumburg aber innerhalb dieser drei Jahre mehr als 80 Stellen von Gesundheits- und Krankenpflegern abgebaut.

Das belegen Zahlen, die das Krankenhaus laut Gesetz veröffentlichen muss – und zwar in seinem jährlichen Qualitätsbericht. Pressesprecherin Nina Bernard bestätigte schriftlich die Authentizität der Zahlen. Von einem Personalabbau spricht sie nicht, sondern von einer „Anpassung“. Tatsächlich hat das Agaplesion-Klinikum Schaumburg heute 30 Prozent weniger Pflegestellen als noch 2015. Mitarbeiter klagen seit langer Zeit über unhaltbare Zustände. Doch die Geschäftsführung verwies immer darauf, dass „alle Planstellen besetzt“ seien.

Wie die Geschäftsführung des Agaplesion-Klinikums in einem Handout für Pressevertreter schrieb, hatte das Klinikum im Jahr 2017 182 Vollzeitstellen für examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger. Im März 2018 waren es etwa genau so viel (wir berichteten). Zahlen für 2016 und 2015 veröffentlichte das Unternehmen an dieser Stelle allerdings nicht. Denn diese widersprechen Rogges Behauptung, ein Personalabbau in der Pflege habe nicht stattgefunden. 2016 – also vor der Zusammenlegung der drei Krankenhäuser – gab es noch insgesamt 250 Stellen für Gesundheits- und Krankenpfleger. Im Jahr vor der Eröffnung wurden also mehr als 60 Stellen gestrichen. Auch im Jahr 2015 fand bereits ein Abbau statt – damals gab es in allen drei Krankenhäusern noch 261,64 Vollzeitstellen.

Auch Landrat sah keinen Stellenabbau

In den vergangenen Jahren wurde von der Klinikum-Geschäftsführung wiederholt: Einen Personalabbau bei Pflegern oder Ärzten werde es nicht geben. Auch Landrat Jörg Farr stimmte in dieses Lied ein. Anfang 2016 erklärte er nach Kritik der Gewerkschaft Verdi, dass das Medizin- und Personalkonzept für das Gesamtklinikum zeige, dass in Bereichen wie Medizin und Pflege alle Mitarbeiter gebraucht werden. Im gleichen Jahr wurden 60 Stellen abgebaut.

Laut Pressesprecherin Bernard gab es „bereits unterjährig in 2016 Fallzahlenrückgänge an allen drei Standorten“. Die aufgestellte Bettenanzahl sei daraufhin angepasst worden. Von ehemals 397 Betten habe die Geschäftsführung auf 359 aufgestellten Betten bis Ende 2016 reduziert. Gleichzeitig habe die Geschäftsführung im neuen Klinikum zur Unterstützung der examinierten Pflegekräfte weiteres Personal aus anderen Dienstarten eingestellt, etwa Stationssekretärinnen und Patiententransporteure.

Befristete Verträge ausgelaufen

Das Versprechen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde, hielt Geschäftsführer Achim Rogge ein. Stattdessen ließ man laut Pressesprecherin Bernard befristete Verträge auslaufen und besetzte Stellen nach Renteneintritt nicht nach, um auf die weniger zu versorgende Patientenzahl zu reagieren. Zudem sollen außerdem zahlreiche Mitarbeiter ein Altersteilzeitangebot bekommen haben.

Während Klinikum-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge sich auf die Position stellen kann, dass er als Geschäftsführer eines privatwirtschaftlichen Unternehmens die Öffentlichkeit nicht über alles informieren muss, wird die Frage der politischen Verantwortlichkeiten noch zu klären sein. Immerhin ist der Landkreis zehnprozentiger Eigentümer des Krankenhauses. Er kann damit zwar nicht an allen Punkten mitentscheiden, sollte aber über alle wesentlichen Entscheidungen zumindest informiert worden sein.

Das Klinikum gibt an, sich „glücklicherweise wieder auf Expansionskurs“ zu befinden: „Wir suchen für den Aufbau, zum Beispiel der Fachabteilung Urologie, neue Pflegekräfte und stellen grundsätzlich im sogenannten ,weißen Bereich‘ ein“, sagt Bernard. So seien im April sechs (examinierte) Gesundheits- und KrankenpflegerInnen eingestellt worden.

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