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Merkel-Bonus

Bundestagswahl / Kommentar Merkel-Bonus

Der Wähler, das unbekannte Wesen. Wie kann es sein, dass wochenlang in Umfragen alles präsentiert wird, aber der Begriff „Absolute Mehrheit“ nicht einmal auftaucht? Und doch wird das, was bisher im Bundestag für nahezu unmöglich gehalten wurde, bis in den späten Abend hinein in den Wahldiagrammen präsentiert: eine absolute Mehrheit für die CDU in Berlin.

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von Uwe Graells

Der Merkel-Bonus macht’s möglich. Adenauer-Zeiten ein halbes Jahrhundert nach „dem Alten“. Die Sehnsucht, in der Krise auf die sichere Karte zu setzen, lässt alle bisher gewohnten Parteibindungen fast zur Makulatur werden - mit Auswirkungen bis auf die kommunale Ebene.

 SPD-Platzhirsch Sebastian Edathy muss bei seinem fünften Einzug in den Bundestag bis zum letzten Wahlbezirk zittern, um den CDU-Neuling Maik Beermann in Schach zu halten. Sozi-Urgestein Reiner Brombach geht bei seiner letzten Bürgermeisterwahl in Bückeburg trotz jahrelangen Amtsbonusses mit ganzen 77 Stimmen Vorsprung als Sieger hervor. Knapper geht`s kaum. Die rote Hochburg Schaumburg hat mächtig gewackelt. Der Grund dafür sitzt in Berlin und heißt Angela Merkel.

 Das sollten sich alle Beteiligten in den nächsten Jahren immer wieder in Erinnerung rufen. Die CDU in Schaumburg ist gut beraten, nicht zu lange zu frohlocken. Das gute Resultat von Beermann beim Kampf um das Mandat in Berlin und auch das fast überragende Ergebnis von Axel Wohlgemuth im Duell mit Brombach haben nur wenig bis gar nichts mit deren Fähigkeiten oder Inhalten zu tun. Sie segelten schlichtweg im Merkel-Fahrwasser mit. Letztlich haben beide verloren und müssen beim nächsten Urnengang wieder als Herausforderer antreten.

 Für die SPD ist das Ergebnis ein Denkzettel. Seit Jahrzehnten sind Wahlen in Schaumburg für die Genossen mehr oder weniger Selbstläufer - von der Landtagswahl 2003 einmal abgesehen. Die Zeiten sind allmählich vorbei. Die CDU liegt bei den Zweitstimmen deutlich vorne. Edahty hat sich bei den Erststimmen gerade noch gerettet, obwohl er sogar leicht zulegen konnte. Trotz seiner bundesweiten Bekanntheit als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses, seiner mittlerweile 15 Jahre als Abgeordneter und trotz seiner mehr als 60 Wahlkampfauftritte mit Polit-Prominenz aus Land und Bund hätte Edathy beinahe vor dem Scherbenhaufen seiner poltischen Karriere gestanden. Brombach hat sich ebenso knapp noch zum letzten Mal auf seinen Bürgermeisterstuhl gerettet.

 Das Ergebnis sollten die Akteure mit Demut zur Kenntnis nehmen. Respekt vor dem Mandat und dem Amt und ein entsprechender Einsatz über die gesamte Wahlperiode sind die Garanten, um bei Wahlen nicht ausschließlich vom Bundes- oder Landestrend abhängig zu sein.

 Auch wenn Merkel zum letzten Mal zum Zugpferd wurde, müssen die Parteien eines von gestern lernen: Jahrzehntelange Gepflogenheiten zählen kaum noch. Die FDP ist verschwunden. Die SPD ist bundesweit nur für 26 Prozent gut. Die Grünen brechen ein. Und auch in Schaumburg gilt: Der Wähler ist mehr denn je ein unbekanntes Wesen.

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