Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 10 ° heiter

Navigation:
Milchbauern droht der Ruin

Preisverfall für Milch Milchbauern droht der Ruin

Das Rekordtief des Milchpreises könnte auch für Schaumburger Bauern verheerende Auswirkungen haben. Kreislandwirt Cord Lattwesen rechnet damit, dass bald einige Betriebe ihre Reserven aufgezehrt haben und aufgeben müssen. „Die Situation ist äußerst dramatisch.“

Voriger Artikel
Staus und Baustellen am Dienstag, 17. Mai
Nächster Artikel
Mehr Promille an Feiertagen?

Milchkühe sind für Schaumburger Landwirte derzeit keine Goldesel.

Quelle: dpa

Landkreis. Bei dem derzeitigen Preis von 20 Cent pro Liter mache ein durchschnittlicher Betrieb mit 90 Kühen täglich 300 Euro Verlust, rechnet Lattwesen vor – also mehr als 100000 Euro pro Jahr. „Dass hält man nur durch, wenn man entsprechende Rücklagen hat.“ Um überleben zu könne, brauche ein Milchbauer eigentlich einen Literpreis von 35 Cent.

 Die Ursachen sind aus Sicht des Kreislandwirtes vielfältig. Der Wegfall der Milchquote sei nur ein kleiner Faktor. Bis zu ihrer Abschaffung im vergangenen Jahr hatte die Milchquote die Produktion in Europa reguliert. Landwirte, die mehr produzierten, als ihnen laut Quote zustand, mussten eine Strafe zahlen.

 Deutlich schlimmer sei das Handelsembargo gegen Russland. „Die Holländer haben große Mengen nach Russland exportiert, da dort die Milchproduktion nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion immer noch brach liegt. Durch das Einfuhrverbot haben sich die Holländer einen neuen Markt gesucht: Deutschland“, erklärt Lattwesen.

 Erschwerend hinzu komme die Wirtschaftskrise in China, auch wenn das Reich der Mitte als Exportmarkt für deutsche Bauern immer noch eine untergeordnete Rolle spiele. „Bisher haben Länder wie Australien und Neuseeland viel für den chinesischen Markt produziert. Durch die Wirtschaftskrise exportieren sie ihre Milchprodukte in andere Regionen, unter anderem Europa“, so Lattwesen.

 Insgesamt sei durch diese Faktoren ein Überangebot an Milchprodukten hierzulande die Folge. Und dieses Überangebot treffe auf eine geringe Zahl an Abnehmern, beklagt Lattwesen. „Es gibt in Deutschland 120 Molkereien. Dem gegenüber sind es vier Discounter, die 80 Prozent der Milchprodukte aufkaufen.“ Angesichts dieser Marktmacht von Aldi und Co sei es für die großen Supermarktketten leicht, die Preise zu diktieren.

 Der einzige Ausweg aus der Abwärtsspirale ist nach Einschätzung des Kreislandwirtes, wenn die Milchproduktion zurückgeht. Im Klartext: „Es werden Landwirte aufgeben müssen.“ Zumindest etwas Entlastung könnte aus Sicht von Lattwesen auch die Aufhebung des Handelsverbotes mit Russland schaffen.

 Die USA zahlen den Landwirten einen Risikoausgleich

 Die versprochenen Hilfsprogramme seien dagegen nur vollmundige Versprechen. „Damit wird Landwirten, denen das Wasser bis zum Hals steht, nicht geholfen“, meint Lattwesen. Die Auflage, den Kredit nach vier Jahren zurückzuzahlen, sei für die meisten Bauern nicht zu erfüllen.

 Aus Sicht des Kreislandwirtes zeige sich nun, dass es ein europäischer Irrglaube war, sich durch fairen Handel auf dem Weltmarkt behaupten zu können. Denn während in der EU sämtliche Marktschutzmechanismen fast vollständig abgebaut worden seien, gebe es in anderen Ländern weiterhin Agrarhilfen. Als Beispiel nennt Lattwesen den Risikoausgleich, den die USA Landwirten zahlen, wenn ihr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent schrumpft.

 Zwar gebe es auch in Deutschland noch eine Mindestpreisgarantie auf die Milch. „Aber die liegt bei 19 Cent pro Liter. Auf dem Niveau hilft uns keine Intervention mehr.“

 Für wie viele Schaumburger Bauern die Lage aussichtslos ist, vermag Lattwesen nicht einzuschätzen. Ihr Vorteil sei, dass sie meist nicht nur auf Milchviehhaltung, sondern auch auf Ackerbau setzen. „Unsere Landwirte sind breiter aufgestellt.“

 Der Geschäftsführer des Landvolkes Weserbergland sieht die Situation jedoch ebenfalls dramatisch. Friedhelm Stock: „Wer die laufenden Fixkosten nicht aus Milcherlösen bezahlen kann, wird über kurz oder lang aufgeben müssen.“ ber

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr