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Mit Dickkopf fürs Kinderwohl

40 Jahre - 40 Köpfe Mit Dickkopf fürs Kinderwohl

Seit 40 Jahren berichten die Schaumburger Nachrichten über das Leben im Landkreis, fast ebenso lange kämpft Ursula Büthe für die Belange der Kinder in Schaumburg.

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Ursula Büthe zeigt eine Sonderseite über das von ihr angestoßene Modellprojekt „Kinder in Bewegung“ in den Schaumburger Nachrichten vom 16. August 2001.

Quelle: ber

Landkreis. Landkreis. Die Kreiskindergärtnerin ist seit 1980 im Amt und hat den tiefgreifenden Wandel in der Betreuungslandschaft maßgeblich mitgestaltet. Dabei ist Büthe immer ihrer Leitidee gefolgt, die durch ihre eigene Kindheit geprägt wurde.

Am 27. Dezember 1952 in einer Forsthütte im Deister, oberhalb von Bad Nenndorf, als jüngstes von vier Kindern geboren, genoss Büthe eine Kindheit mit viel Freiraum. „Mein Vater hat uns immer das Gefühl gegeben, dass er sich für unsere Meinung interessiert“, erzählt die 62-Jährige.
Während Büthe als Kreiskindergärtnerin die Betreuungsangebote in Schaumburg konzeptionell mit Leben gefüllt hat, waren ihre eigenen Erfahrungen mit dem Kindergarten von sehr kurzer Dauer. „Ich war genau einen Tag im Kindergarten. Dann habe ich zu meinem Vater gesagt: ,Ich will da nicht mehr hin.‘“ Die starren Regeln der Kindergärtnerinnen empfand die damals Vierjährige als unerträglich.

Noch heute bezeichnet sich Büthe als Freidenkerin. Während sie dafür in der Schule mit der Note befriedigend im Fach „Benehmen“ abgestraft wurde, war es auch ihr Dickkopf, die Dinge nicht als gegeben anzuerkennen, der sie auf ihrem beruflichen Werdegang weiter geführt hat. Nach dem Hauptschulabschluss arbeitete sie als Kinderpflegerin, holte nebenbei die Mittlere Reife nach und absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin, die ihr ein Studium an einer Fachhochschule ermöglichte – aber Büthe wollte zur Universität. Nach Probestudium und Kenntnisprüfung hatte sie auch dieses Hindernis aus dem Weg geräumt. Es folgte der Abschluss als Diplom-Pädagogin an der Leibniz Universität Hannover.

Dass die zweifache Mutter ihren beruflichen Weg gemacht hat, in Zeiten, als mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem die Karriere des Mannes gemeint war, habe sie auch ihrem zweiten Ehemann zu verdanken. „Er hat gesagt, ich solle studieren, weil ich die Klügere von uns beiden sei.“
Dass die Frauen heute nicht mehr vom Wohlwollen ihres Mannes abhängig sind, begrüßt Büthe. Denn auch sie, die nach einem Tag aus dem Kindergarten geflüchtet war, hat ihre Tochter aus zweiter Ehe in Fremdbetreuung gegeben. „Ich habe meine Aufgabe als Berufung empfunden. Den Elementarbereich weiterentwickeln zu können, hat mir sehr viel Freude gegeben, und das haben auch meine Kinder gespürt.“

Bis heute arbeitet Büthe unermüdlich daran, die Betreuung in den Kindergärten des Landkreises den Bedürfnissen der Kinder anzupassen. Wichtig sei dabei auch die Zusammenarbeit mit den Eltern. Deren Erwartungen haben sich nach Beobachtung von Büthe geändert. „Wenn wir früher gefragt haben, was sie sich für ihr Kind wünschen, haben sie geantwortet: ,Spielen, Freundschaften schließen, eine schöne Zeit haben.‘“ Heute sei die Angst der Eltern größer, „dass ihr Kind keinen guten Platz in unserer leistungsorientierten Gesellschaft findet.“

Für die Entwicklung im frühkindlichen Alter sei jedoch etwas ganz anderes entscheidend: Liebe. Damit der Übergang in eine Fremdbetreuung gelinge, müssten Erzieher und Eltern eine Partnerschaft zum Wohle des Kindes eingehen. Eine Voraussetzung sei die Bereitschaft der Eltern, loszulassen. „Wenn das Kind merkt, es darf sich nicht auf den Kindergarten oder die Krippe freuen, weil die Mama sonst traurig ist, funktioniert es nicht.“ Zum anderen sei es wichtig, dass in den Kitas Menschen arbeiten, die bindungsbereit sind. „Es ist nie falsch, wenn ein Kind doppelt geliebt wird.“ ber

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