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Mit der Taschenlampe gegen Tannendiebe

Landkreis Mit der Taschenlampe gegen Tannendiebe

Die Zeiten, in denen gestresste Väter massenweise des Nachts mit der Axt in den Wald geschlichen sind, um sich einen Weihnachtsbaum zu klauen, sind nach Angaben von Kreisforstamtsleiter Lothar Seidel vorbei. Plantagenbetreiber Heinz-Dieter Hesterberg macht dagegen jedes Jahr schlechte Erfahrungen mit allzu wählerischen Kunden.

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Aus dem Schaumburger Forst werden nach Angaben des Kreisforstamtleiters Lothar Seidel praktisch keine Weihnachtsbäume mehr geklaut.

Quelle: dpa

Landkreis. „Es kommt in den Tagen vor Heiligabend schon mal vor, dass sich nachts jemand einen Baum bei uns klaut“, berichtet Hesterberg, der auf seinem Hof in Wölpinghausen Nordmanntannen, Blautannen und Fichten zum selber schlagen anbietet. „Das ist aber nicht die Menge, vielleicht vier bis fünf Bäume fehlen jedes Jahr.“

In den Wäldern des Kreisforstamtes werden nach Angaben von Seidel dagegen gar keine Tannen mehr illegal gefällt. „Der Geschmack der Leute hat sich gewandelt, die wild wachsenden Bäume genügen den Ansprüchen schon seit 20 Jahren nicht mehr“, erklärt Seidel.

Das Schaumburger Kreisforstamt setze seit Anfang der achtziger Jahre auf ökologische Waldwirtschaft. Das heißt: „Freiflächen, auf denen die Tannen mit viel Licht gleichmäßig und mit einem dichten Nadelwerk wachsen, gibt es praktisch nicht bei uns.“ Im Gegensatz zum heutigen Weihnachtsbaumstandard seien die Nadeln der wild wachsenden Tannen zu licht, zu hart und zu ungleichmäßig. Außerdem wollen laut Seidel die Leute keine Tannen mehr, die bei Trockenheit nadeln.

Bis Anfang der Achtziger sei auch in Schaumburg die Praxis der Läuterungen noch verbreitet gewesen: gezielter Kahlschlag, danach Aufforstung durch Monokulturen wie Fichten. „Das waren früher die klassischen Weihnachtsbäume. Und die wurden auch bei uns häufig illegal geschlagen, zumal die Leute wussten, wo sie die Fichtenwälder finden“, erzählt Seidel, der aus gutem Grund den Standort der Plantage verschweigt, auf der das Kreisforstamt neuerdings selbst Nordmanntannen für den Weihnachtsbaumverkauf angepflanzt hat. „Die ist gut versteckt an einer Stelle im Wald, an die man nicht so einfach mit dem Auto ranfahren kann.“

Dass der Trend zur Nordmanntanne ungebrochen ist, hat Seidel auch beim Weihnachtsbaumverkauf am Forsthaus Halt festgestellt. „Wir haben sowohl Fichten aus dem eigenen Wald als auch Nordmanntannen von einer Plantage angeboten. 90 Prozent der Besucher haben eine Nordmanntanne gekauft.“

Dass die Kunden von heute wählerisch sind, bekommt auch Heinz-Dieter Hesterberg zu spüren. Viel schlimmer als die Baumdiebe seien die Kunden, die in seiner Plantage einen Baum schlagen – und dann beim Rausgehen einen noch besseren entdecken. „Wir finden jedes Jahr etliche geschlagene Tannen, die einfach liegen gelassen wurden“, berichtet Hesterberg.

Sich gegen diese Praxis schützen kann der Hofbetreiber nicht. „Wir sitzen zum Kassieren am Ausgang und sehen nicht, was in der Plantage vor sich geht.“ Gegen verzweifelte Väter, die kurz vor Heiligabend auf Raubzug gehen, schieben Hesterberg und seine Mitarbeiter dagegen Nachtschicht mit der Taschenlampe. ber

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