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Neue Heimat Schaumburg

Haupt- und Ehrenamtliche beim 2. Schaumburger Tag des Bürgerschaftlichen Engagements Neue Heimat Schaumburg

Kann Schaumburg für die Tausenden von Menschen eine neue Heimat werden - und wenn ja, wie? Dieser Frage sind Haupt- und Ehrenamtliche beim 2. Schaumburger Tag des Bürgerschaftlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe im Landkreis nachgegangen.

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Karl-Hinrich Manzke (links) und Olaf Strübing vom Flüchtlingsrat diskutieren die Perspektiven von Flüchtlingen.

Quelle: col

LANDKREIS. . Karl-Hinrich Manzke ist überzeugt, dass es dafür einen langen Atem braucht. Gemeinsam mit Olaf Strübing vom Flüchtlingsrat Niedersachsen hat der Landesbischof der Schaumburg-Lippischen Landeskirche Entwicklungen und Perspektiven für Neuzugewanderte dargestellt. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten der Awo-Kreisverband, das Diakonische Werk der Landeskirche und der Landkreis.
Manzke blickte als erstes nach Afghanistan und den Anschlag auf die Deutsche Botschaft in Kabul, in der er selbst häufig zu Besuch gewesen sei. Könne vor diesem Hintergrund verantwortet werden, weiterhin Menschen in dieses Land zurückzuschicken? Strübing erläuterte, dass durch die teilweise Zerstörung der Botschaft Rückführungen dorthin aktuell aus logistischen Gründen nicht möglich seien. In diesem Jahr seien aus Niedersachsen bisher zwei Afghanen abgeschoben worden, dies seien jedoch besonders gelagerte Einzelfälle, etwa Straftäter.
Allerdings sinke die Anerkennungsquote seit 2015 (77 Prozent) immer weiter: von 60 Prozent im Jahr 2016 auf aktuell 46 Prozent. Dies gehe darauf zurück, dass das Bundesinnenministerium Kabul und Masar-e Scharif als sicher und damit als „inländische Fluchtalternative“ eingeschätzt hat. „Wir fordern einen Abschiebestopp nach Afghanistan wie in Schleswig-Holstein“, so Strübing.
Kritik äußerte er auch an der Vorgehensweise, immer mehr Syrern nur subsidiären Schutz statt die Anerkennung nach der Genfer Flüchtlingskonvention zu erteilen: Von 99,7 Prozent (2015) auf aktuell 35 Prozent. Damit verhindere der Bund, dass die Menschen ihre Familien nachholen. Strübings Tipp: „Versuchen sie den Klageweg, dafür gibt es beispielsweise bei ProAsyl Rechtsbeihilfe.“
Der Experte vom Flüchtlingsrat warnte ausdrücklich davor, wieder die gleichen Fehler zu machen wie bei den Gastarbeitern. „Heute würden wir von einer schlechten Bleibeperspektive sprechen und damit grandios falsch liegen, genauso wie bei den Wirtschaftsflüchtlingen in den achtziger und neunziger Jahren.“ Flüchtlingen, denen eine schlechte Bleibeperspektive attestiert werde, werden Integrationskurse verweigert, sie dürfen nicht arbeiten und nach einer aktuellen Gesetzesänderung jetzt auch bis zu zwei Jahre in einer Erstaufnahmeeinrichtung „festgehalten werden“. Es fände keine Einzelfallprüfung statt.
Manzke erinnerte daran, wie die politische Reaktion auf die hohe Zahl der Flüchtlinge Deutschland Respekt eingebracht habe, „nachdem wir uns lange auf Schengen ausgeruht haben“. Für Strübing ist aber nach der Willkommenskultur Anfang 2015 die „Stimmung gekippt, Pegida kam auf und die AfD wurde immer stärker, kam in jeden Landtag, der neu gewählt wurde“. Seiner Meinung nach ist die Gesellschaft gespalten. „Aber die Veranstaltung heute zeigt ja, dass es auch die andere Seite noch gibt.“ Und auch die Arbeitsagenturen und Jobbörsen täten viel, um Flüchtlingen Arbeitsmaßnahmen zu verschaffen.
Auch die Landkreise, Polizei und THW hätten viel geleistet, ergänzte Manzke, bevor er die Teilnehmer in die einzelnen Workshops entließ. Marina Starke von der VHS Schaumburg gab Hilfestellung bei der Gestaltung von Sprachlernangeboten. Außerdem gab es Informationen zu Projekten im Rahmen der Arbeitsmarktintegration, Antworten auf die Frage, welche Möglichkeiten es bei drohender Abschiebung gibt (Stichwort Härtefallkommission) sowie emotionale Unterstützung von Ehrenamtlichen, wenn Abschiede von den Flüchtlingen anstehen. col

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