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Aus dem Landkreis Neue Hoffnung im Agrarministerium
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Neue Hoffnung im Agrarministerium
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00:17 04.01.2018
Quelle: pr.
LANDKREIS

Während ihr Vorgänger Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) bei den meisten Landwirten einen schweren Stand hatte, wird der Münderanerin, deren Familie einen eigenen Milchviehbetrieb in Beber (Bad Münder) hat, mehr Sachverstand zugetraut.

Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann hat selbst Milchvieh und freut sich, dass „jemand aus der Region“ und mit Erfahrung den Posten übernommen hat. „Dabei hatte ich nicht ernsthaft daran geglaubt, dass sie es wird.“ Nun hofft der 53-Jährige, dass sich das Bild der Landwirte auch in der Öffentlichkeit wieder verbessert: „Ich habe immer das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu stehen.“ Landwirte würden für alles zum „Sündenbock“ gemacht, sei es das Insektensterben, Glyphosat- und Pestizideinsatz, so der Bauer aus Meinsen-Warber, der es schade findet, dass „uns nicht mehr zugestanden wird, unsere Arbeit mit bestem Gewissen zu machen“.

Vorwürfe gegen Ex-Minister

Der Kreislandwirt wirft dem Ex-Minister schwere Fehler vor, die dazu geführt hätten, dass immer mehr kleine und mittlere Betriebe aufgegeben hätten – 2000 in der vierjährigen Amtszeit. Meyer hatte nach dem rot-grünen Wahlsieg 2013 in Hannover das Landwirtschaftsressort übernommen. Seine Karriere war von Höhen und Tiefen geprägt. Schon zu seiner Einführung von der Agrarindustrie als „Bauernschreck“ bezeichnet, entwickelte sich durch die Skandale im Agrarbereich jedoch auch zum Hoffnungsträger einer kriselnden Branche.

Von Otte-Kinast erwartet Wilharm-Lohmann, dass „sie mit Augenmaß rangeht“. Den nötigen Sachverstand besitze sie ja im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der laut des Kreislandwirts durch sein Grünen-Parteibuch auch noch „ideologisch geprägt“ war. „Die Arbeit der Bauern muss wieder honoriert werden, denn eins ist klar: Durch den großen Druck – schließlich muss der Betrieb auch wirtschaftlich sein – geht die Liebe zum Tier den Bach runter.“

Auch Wilharm-Lohmanns Vorgänger, Cord Lattwesen, schätzt Otte-Kinast sehr. Er kennt die Münderanerin persönlich und ist sich sicher: „Sie wird das ordentlich machen.“ Als Hauptvorteil sieht der Hohnhorster, dass die 53-Jährige die Befindlichkeiten der Landwirte kennt. Allerdings würden ihr Gegner sicherlich auch vorhalten, „Klientelpolitik zu betreiben. Dadurch wird es für sie nicht einfacher“. Lattwesen wünscht ihr Glück „und ein gutes Händchen“.

Wieder auf Augenhöhe diskutieren

Wie Wilharm-Lohmann sieht auch Lattwesen ihre erste Aufgabe darin, den Berufsstand wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. „Nach einem Minister, der uns selbst als Umweltverschmutzer und Tierquäler tituliert hat.“ Ihn habe das stark belastet, zumal es gang und gäbe geworden sei, „uns runterzuputzen“. Er hoffe, dass man in Zukunft wieder auf Augenhöhe an einen Tisch kommen und diskutieren könne. Nach diesem ersten Schritt gebe es für Otte-Kinast noch genug zu tun, sagt Lattwesen mit Blick auf ein neues EU-Förderprogramm.

Weniger kritisch geht Öko-Landwirt Christian Meier mit dem Ex-Minister Meyer ins Gericht: „Ich war mit seiner Arbeit zufrieden.“ Gerade für Bio-Bauern habe Meyer viel getan, indem die Öko-Prämien in seiner Amtszeit erhöht wurden, sagt der Bauer aus Heuerßen. Damit sollten alle honoriert werden, die sich verpflichtet haben, Natur- und Umweltauflagen zu erfüllen, also beispielsweise auf mineralische Dünger und chemischen Pflanzenschutz zu verzichten. „Obwohl Niedersachsen sich mit dem Prädikat Agrarland Nummer 1 schmückt, waren die Beihilfen die niedrigsten im gesamten Land“, kritisiert Meier.

In einem ihrer ersten öffentlichen Statements habe die neue Agrarministerin erklärt, die Politik ihres Vorgängers nicht komplett umwerfen zu wollen und die Öko-Prämie beizubehalten, was Meier ihr hoch anrechnet. Dass Meyer bei seiner Zunft so im Verruf stand, Er wirft seinen Kollegen vor, dem Grünen-Minister aufgrund seiner Parteizugehörigkeit nicht mehr zugehört zu haben.“ col