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Aus dem Landkreis „Nicht ohne meinen Anwalt...“
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis „Nicht ohne meinen Anwalt...“
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17:31 03.04.2012
Wer als Angeklagter vor Gericht steht, muss in der Regel auch einen Anwalt dabei haben. Quelle: rg
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Am Amtsgericht Stadthagen kommt es daher nicht selten vor, dass ein Angeklagter seinen Prozess ohne einen Verteidiger bestreitet, erklärt Gudrun van Lessen, Direktorin des Amtsgerichts. Der Grund dafür: Häufig handele es sich um „relativ einfach Fälle“ – wie zum Beispiel Ladendiebstahl.

 Doch nicht in jedem Fall darf sich ein Angeklagter selbst verteidigen. In der deutschen Strafprozessordnung ist genau geregelt, wann ein Beklagter vor Gericht von einem Anwalt vertreten werden muss. Unter anderem hängt dies von den drohenden Konsequenzen ab. Ein Verteidiger wird beispielsweise dann angeordnet, wenn nach dem Gesetz mehr als ein Jahr Freiheitsstrafe droht, wenn das Urteil zu einem Berufsverbot führen könnte oder wenn sich der Angeklagte schlichtweg nicht selbst äußern kann, so van Lessen.

 Entsprechend kann es beim Landgericht Bückeburg überhaupt nicht vorkommen, dass ein Angeklagter ohne einen Verteidiger dasteht, erklärt Birgit Brüninghaus, Pressesprecherin des Landgerichts. Außer beim Berufungsgericht werden dort nämlich nur Fälle verhandelt, bei denen die drohende Strafe bei mindestens vier Jahren Haft liegt. „Wenn der Angeklagte selbst noch keinen Anwalt hat, wird er zunächst vom Gericht aufgefordert, innerhalb einer Frist einen zu benennen.“ Tue er das nicht, müsse das Gericht aus einer Liste der im Umland registrierten Anwälte einen Pflichtverteidiger für ihn aussuchen. Bei der Wahl werde sowohl die Spezialisierung des Anwalts berücksichtigt, also ob dieser sich mit Strafrecht beschäftige, als auch der Wohnort des Angeklagten, damit die Entfernung zwischen Anwalt und Mandant nicht zu groß werde. „In der Regel benennen die Betroffenen aber selbst einen Anwalt.“ Dass das Gericht einen aussuchen müsse, kommt ihrer Erfahrung nach eher selten vor.

 Wenn sich der Angeklagte keinen Pflichtverteidiger leisten könne, schildert van Lessen, übernimmt die Gebühren zunächst die Landeskasse. Diese hole sich das Geld aber später vom Angeklagten zurück.

 Der Ausgang eines Prozesses ist „selbstverständlich nicht vom Anwalt abhängig“, kommentiert van Lessen die Frage, ob Angeklagte ohne Anwalt häufiger verurteilt werden. Dass ein Anwalt möglicherweise aber Beweismittel auftut oder Akzente setzt, die sonst nicht dargelegt würden, sei ebenfalls logisch. Deshalb verzichte man schließlich auch nur in unkomplizierten Fällen auf eine Verteidigung.

 Bei Jugendlichen sei die Kostenregelung etwas anders, „damit sich die jungen Leute nicht gleich einen Haufen Schulden zulegen“. Das bedeutet, dass die Gebühren beim Jugendrecht entsprechend eher übernommen werden.

 Auffällig sei, dass der Anteil der Verteidigungsbeiordnungen angestiegen sei. Das hängt van Lessen zufolge damit zusammen, dass die Gesetzesgebung viel komplexer geworden ist. Allein der Bereich der Internetkriminalität sei ein ziemlich kompliziertes Feld. Auch die Richter bedürften daher in manchen Dingen einer Nachschulung.

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