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Nur knapp die Hälfte wird recycelt

Müll in Schaumburg Nur knapp die Hälfte wird recycelt

Etwas mehr als die Hälfte der Verpackungen, die die Schaumburger fleißig in die gelben Wertstoffsäcke tun, wird nicht recycelt, sondern verbrannt. Damit liegt der Landkreis mit rund 53 Prozent Verbrennungsanteil genau im Bundesschnitt

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In der Zentraldeponie Sachsenhagen werden Kunstoffe aus dem Restmüll heraussortiert.

Quelle: RG

Landkreis. Das hat Detlef Könemann, Leiter des Geschäftsbereiches Wirtschaft und Finanzen bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (AWS), auf Anfrage bestätigt.

Insgesamt 5615 Tonnen Wertstoffe haben die Schaumburger im Jahr 2016 in gelben Säcken gesammelt. Das sind etwa 7,5 Prozent am gesamten Abfallaufkommen und 36 Kilogramm pro Person. Mit letztgenanntem Wert liegt Schaumburg knapp unter dem Bundesschnitt. Die Zunahme des Verpackungsmülls ist hier nur gering, wie Könemann vorrechnet: „Wir stellen keinen Verpackungswahn fest, die Steigerung beträgt für die letzten zehn Jahre nur 4,7 Prozent.“

Könemann betont, dass die AWS lediglich für das Einsammeln der gelben Säcke und den Transport zu Sortieranlagen zuständig ist. Das Sortieren und die weitere Verwendung obliegt den Auftrag nehmenden Firmen, die die Sortieranlagen betreiben. In der AWS-eigenen Zentraldeponie in Sachsenhagen gibt es keine spezielle Sortieranlage für den Inhalt der gelben Säcke. „Bei der geringen Menge wäre das viel zu teuer.“

Dass nur knapp die Hälfte der in Schaumburg gesammelten Wertstoffe dem Recyling zugeführt wird, hat nach Kenntnis von Könemann zwei Gründe: Zum einen können Sortieranlagen nur zu einem gewissen Anteil Wertstoffe herausziehen, die sich qualitätsmäßig für eine Wiederverwertung eignen. Viele der Wertstoffe sind nämlich so genannte Verbund- oder Kombistoffe. Das erste sind etwa Milchtüten, die außen aus Papier und innen aus einer Aluminiumschicht bestehen, die eine untrennbare Verbindung eingehen. Kombistoffe sind beispielsweise Joghurtbecher, deren Deckel aus Aluminium sind. Beides können Sortieranlagen nicht ausreichend trennen, wie der Experte erläutert.

Dazu kommt, dass die gelben Säcke in den Müllfahrzeugen gepresst werden. Auch dieser gequetschte Zustand erschwert das akkurate Aussortieren. „Das ist zwar unglücklich“, räumt Könemann ein, „aber eine lose Abfuhr würde die Zahl der Fahrten vervielfachen und damit völlig unwirtschaftlich sein.“ Dies zeige beispielhaft den Spagat, den die Abfallwirtschaft grundsätzlich zu leisten habe: „Je ökologischer die Entsorgung, desto höher die Müllgebühren – da gilt es immer den goldenen Mittelweg zu finden.“

Die Wirtschaftlichkeit ist denn auch der zweite Grund für die Tatsache, dass 53 Prozent der Wertstoffe nicht recycelt werden. Denn für die Betreiber der Sortieranlagen ist es laut Könemann je nach Marktlage oft so, dass die Weitergabe zur Verbrennung günstiger ist als die zum Wiederverwerten.

Detlef Könemann: Stoffe werden nicht vernichtet

Wie der AWS-Mitarbeiter betont, handelt es sich bei der Verbrennung eher um eine thermische Verwertung. „Dass Wertstoffe verbrannt werden, um sie zu vernichten, diese Zeiten sind lange vorbei.“ Vielmehr landet dieser Anteil der Wertstoffe zum Beispiel in Müll-Heizkraftwerken, die Strom oder Fernwärme produzieren. Weitere Anteile werden bei der Zementherstellung verwertet. Ein weiteres Beispiel der thermischen Verwertung ist die Herstellung von heißem Dampf für die Produktion in größeren Papierfabriken. „Diese Wertstoffe ersetzen also fossile Brennstoffe, eine sehr sinnvolle Angelegenheit“, unterstreicht Könemann.

In Sachsenhagen werden diese Art Ersatzbrennstoffe aus dem Hausmüll aussortiert, in dem auch Kunststoffe landen. Diese liefert die AWS überwiegend an das Dampfheiz-Kraftwerk einer Papierfabrik in Witzenhausen bei Kassel.

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