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„Ökologischer Unsinn“

Landkreis „Ökologischer Unsinn“

Nach dem Wegfall der Brenntage rätseln nicht nur private Grundstückseigentümer darüber, wie sie ihre verhältnismäßig geringen Gartenabfälle entsorgen sollen. Auch Landwirte wie Hartmut Brunkhorst aus Schöttlingen, der tonnenweise Grünabfälle entsorgen muss, haben Probleme damit.

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Sterbehilfe – ja oder nein?

Der Grünschnitt soll bei der Abfallwirtschaft entsorgt werden.

Quelle: Archiv

Landkreis. Für die Landwirte hat mit dem 1. Oktober die Zeit des Heckenschnitts begonnen. Das heißt, dass die Gewächse zwischen Feldern und Wiesen zurückgeschnitten werden. Bis zum 28. Februar haben die Landwirte dafür Zeit. Dann beginnt wieder die Brut- und Schonzeit – vor allem Vögel nutzen Hecken als Nistplätze.

 „Wir schneiden dieses Jahr etwa einen Kilometer Hecke“, sagt Brunkhorst. Das entspräche ungefähr 100 Kubikmetern – etwa 50 Tonnen – Grünschnitt.

 Den Wegfall der Brenntage hält er für „ökologischen Unsinn“, wie der Landwirt sagt. Denn bei einer Verbrennung würde ebenso viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt wie bei einer Kompostierung. Doch wenn der sperrige Heckenschnitt zu den großen Kompostierungsanlagen der Abfallwirtschaft gefahren werden muss, würden unnötig Fahrzeugabgase in die Luft gepustet. „Bei dieser Menge Grünschnitt sind das einige hundert Liter Diesel.“ Die durch die Entsorgung bei der Abfallwirtschaft und die Fahrten dorthin entstehenden Kosten seien weitere negative Aspekte. Daher wünscht sich Brunkhorst, dass es für Landwirte eine Ausnahmegenehmigung zur Verbrennung des Grünschnitts geben sollte.

 Ausnahmegenehmigungen dieser Art können beim Landkreis Schaumburg beantragt werden, teilt der zuständige Dezernatsleiter Fritz Klebe mit. Jeder Antrag müsse dann im Einzelfall entschieden werden. „Doch wir wollen da nicht pingelig sein“, fügt er hinzu. Insgesamt sieben informelle Anfragen seien ihm bis dato bekannt.

 Der Landkreis bedaure, dass nach dem Wegfall der Brenntage die Landesregierung noch keine alternative rechtskräftige Lösung erarbeitet habe, sagt der Dezernatsleiter. Erst im Frühjahr soll eine Pflanzenabfallverordnung die Möglichkeiten der Grünschnittentsorgung regeln. Bis dahin müsse das Schnittgut bei den Abfallwirtschaftsbetrieben zu den marktüblichen Preisen angeliefert werden. So wird in Schaumburg der Grünschnitt für 54,74 Euro pro Tonne beim Biokompostwerk Wiehagen entsorgt.

 Auch die Schaumburg umgebenden Landkreise haben nach dem Wegfall der Brenntage noch keine Alternative für die Entsorgung der großen Mengen an Heckenschnitt der Landwirte. Auch sie verweisen auf die Abfallwirtschafts-Unternehmen. Allerdings, so beteuern die Sprecher der Landkreise, sei ihnen bisher keine Kritik von Landwirten wegen Entsorgungsproblemen bezüglich des Heckenschnitts bekannt.

 Im Landkreis Nienburg wird der Grünschnitt für eine Gebühr von 45 Euro pro Tonne Schnittgut angenommen. Zudem könnten Landwirte ebenfalls Ausnahmeanträge stellen. Diesen würden jedoch nur stattgegeben, wenn die Dringlichkeit – zum Beispiel durch einen Schädlingsbefall des Schnittguts – bewiesen werden könnte, teilt die stellvertretende Pressesprecherin des Landkreises, Aurelia Wendt, mit.

 Der Landkreis Minden-Lübbecke berechnet für die Annahme einer Tonne Grünschnitt 50 Euro. Im Landkreis Lippe werden ebenfalls 50 Euro pro Tonne Grünabfall verlangt. Die Region Hannover nimmt die sogenannten Garten- und Parkabfälle für 43,90 Euro pro Tonne, beziehungsweise für 8,80 Euro pro Kubikmeter, entgegen. Im Landkreis Hameln-Pyrmont wird der Grünabfall für zwölf Euro pro Kubikmeter angenommen. on

KOMMENTAR: Brenntage nicht verteufeln

von Babette Jakobs

Hartmut Brunkhorst hat völlig nachvollziehbare Argumente und Recht, wenn er für die Landwirte Brenntage einfordert. Zwar ist Verbrennen durch die Rußentwicklung ökologisch wohl nicht ganz gleichzusetzen mit der Kompostierung, es spart aber, wie er sagt, fossile Brennstoffe, weil die Biomasse dort umgewandelt wird, wo sie anfällt.
Landwirte tragen viel zur Qualität der Kulturlandschaft bei, aber auch jeder Grundbesitzer, der ein Apfelbäumchen pflanzt. Bäume, Sträucher und Hecken sorgen für Klimaverbesserung, garantieren die Artenvielfalt und den Landschaftsschutz. Insofern dienen alle, die für Biodiversität und Landschaftspflege sorgen, dem Allgemeinwohl. Dafür sollten sie nicht auch noch mit hohem Aufwand und Kosten bestraft werden. Denn Grünschnitt ist kein Müll wie Plastik oder Blechdosen.
Man sollte die Brenntage nicht verteufeln. Als 2004 die Schaumburger Kommunen die neue Brennverordnung des Landes umsetzten, ist zugegebenermaßen vieles uneinheitlich und auch schiefgelaufen. Kontrollen fehlten. In Wohngebieten fühlten sich Anwohner häufig belästigt. Eine angemessene, einheitliche Regelung, die den praktischen Anforderungen der Landwirte sowie der Siedlungsstruktur Rechnung trägt, wäre aber sicher zu machen. Und sinnvoll.

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