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Aus dem Landkreis Orkan „Friederike“ fegt über Schaumburg
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Orkan „Friederike“ fegt über Schaumburg
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00:19 21.01.2018
Der Sturm hat einen mehr als 30 Meter hohen Baum im Kurpark Bad Nenndorf umgerissen. Quelle: gus
Landkreis

Auch eine Großveranstaltung mit 400 geladenen Gästen fiel dem Sturm zum Opfer: Die angespannte Wetterlage hatte die Leitung des Gesamtklinikums Vehlen nach Rücksprache mit dem Landkreis und dem Vorstand von Agaplesion dazu bewogen, aus Sicherheitsgründen für die anreisenden Gäste die Eröffnungsfeier kurzfristig abzusagen.

Der Sturm reißt das Dach eines Gewerbegebäudes im Lauenauer Ahornweg in voller Länge auf. nah

Geschäftsführer Achim Rogge erklärte: „Da wir einen Großteil unserer Gäste per Shuttle zur Feier bringen, möchten wir diese während der An- und Abfahrt zum Klinikum keiner Gefährdung aussetzen.“ Hinzu komme, dass einige Gäste eine weite Anreise gehabt hätten und dementsprechend Schwierigkeiten bei der Anreise entstanden wären. Die Sicherheit für die Gäste habe oberste Priorität. In Kürze wolle das Klinikum einen neuen Termin bekanntgeben.

Landkreissprecher Klaus Heimann unterstützte die Entscheidung: „Die rein vorsorglich getroffene Entscheidung des Klinikums ist auf jeden Fall richtig und nachvollziehbar.“ Außerdem wäre die Feuerwehr für den geplanten Shuttleservice verantwortlich gewesen. Die habe dann aber wegen des Sturms andere Aufgaben gehabt.

An einer Spielothek an der Krummen Straße in Stadthagen ist eine komplette Fensterfront zertrümmert. pr.

Auch die Schulleiter wurden am Donnerstag aufgrund der Vorhersagen und dem stärker werdenden Wind unruhig. Die IGS Schaumburg beendete den Unterricht nach der vierten Stunde, ebenso die Oberschule Am Schlosspark. In zahlreichen anderen Schulen im Landkreis war nach der sechsten Stunde Schluss.

Eltern können Kinder zu Hause lassen

„Schulleiter können selbst entscheiden, ob sie es für sinnvoll halten, den Unterricht einzustellen“, sagt Ralf Mahnert, Amtsleiter für Schule, Sport und Kultur beim Landkreis. Das sei ähnlich wie beim Hitzefrei. Auch die Eltern könnten an einem solchen Tag, ihre Kinder zu Hause lassen, wenn sie die Situation als zu gefährlich einstufen.

Mahnert schätzt, dass pro Schule zwischen zehn und 20 Kinder wegen des Sturms zu Hause geblieben sind. Im Schulamt seien zahlreiche Anrufe von Schulen aus dem Landkreis eingegangen, die nach den ersten Ausfällen anderer Schulen unsicher reagiert hätten. „Wir haben ihnen geraten, den Unterricht im normalen Rahmen stattfinden zu lassen“, berichtet Mahnert. Das Problem bei einem vorzeitigen Schulende sei die Buskapazität.

Rinteln und Obernkirchen besonders betroffen

 Der zuständige öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sei dazu angehalten, die regulären Fahrpläne einzuhalten. Es sei aber dafür gesorgt worden, dass so viele Busse wie möglich auf die Straßen kamen, um die Schüler nach Hause zu fahren. Für diejenigen, die in der Schule bleiben mussten, wurden Auffanggruppen eingerichtet – bis nach dem Ganztagsunterricht. Entspannt ging es an den Grundschulen zu. Dort fand der Unterricht bis zum Ende statt, schließlich könnten kleine Kinder nicht einfach nach Hause geschickt werden, meint Mahnert.

Vollsperrung auf der B65 in Richtung Bückeburg. Bäume sind auf die Fahrbahn gestürzt. tbh

Die Rettungsleitstelle des Landkreises arbeitete gestern unter Hochdruck. Mit 13 statt der üblichen vier bis sechs Mitarbeiter arbeiteten sie die 180 Einsätze für Schaumburg ab. Für den Bereich Nienburg kamen weitere 100 Einsätze hinzu. In Rinteln und Obernkirchen war besonders viel zu tun – hauptsächlich wegen umgestürzter Bäume und Dächer, die herunter gekommen waren. In zahlreichen Fällen war auch der Bauhof beteiligt und half den Feuerwehren bei der Beseitigung von Schutt.

B 65 eine halbe Stunde voll gesperrt

Geduld war gegen 14 Uhr auf der Bundesstraße 65 in Richtung Bückeburg gefragt. Die B 65 musste hinter der Abfahrt zur B 482 für eine halbe Stunde voll gesperrt werden, weil Bäume auf die Fahrbahn gestürzt waren.

Neben mehreren kleinen Einsätzen half die Polizei Bückeburg in Evesen an der Eveser Straße. Dort zersägten die Anwohner eine große umgestürzte Tanne. Auch zur Baustelle in Bückeburg, Herderstraße/Ecke Schulstraße mussten die Beamten ausrücken. Dort lösten sich Bauteile von einem Baugerüst und fielen auf den Gehweg und die Straße.

Große Probleme bereitete der Einsatz am Julianenweg. Dort stürzten von einem Privatgrundstück zwei Bäume um und begruben eine Straßenlaterne unter sich. Der Bauhof schaltete den Strom ab, um die Arbeiter bei der Beseitigung der Bäume nicht zu gefährden.

In Vehlen hat es das Bushäuschen erwischt. tbh

Keine Pause gab es auch für die Feuerwehr Vehlen. Während die Einsatzkräfte einen umgestürzten Baum an der Vehlener Straße in Stücke gesägt und von der Fahrbahn geräumt hatten, wartete bereits der nächste Einsatz. Der Sturm hatte ein Buswartehäuschen an der Schachtstraße umgeweht.

In der Samtgemeinde Rodenberg wurden der Feuerwehr 45 umgestürzte Bäume gemeldet. Einige stürzten auf Straßen und Wege, andere auf Dächer oder gegen Gebäude. Im Kurpark von Bad Nenndorf hat der Sturm einen mehr als 30 Meter hohen Baum entwurzelt. Dieser stürzte quer über die Parkstraße sowie dessen Gehwege. Der Kurpark wurde gesperrt. Wie lange das der Fall sein wird, wird erst heute nach der Schadensaufnahme geklärt.

Auf der L 442 bei Messenkamp ist ein Lastwagen in den Graben geweht. nah

Im Raum Lauenau hat es ebenfalls erhebliche Sturmschäden gegeben. Ein Ein-Achs-Anhänger wurde von der Straße auf ein benachbartes Feld geweht und kam rund 20 Meter entfernt auf der Seite zum Liegen.

Am Stadthäger Ostring muss die Polizei einen Baum wegräumen. rg

Auch vor Stadthagen machte das Orkantief nicht halt. In Vornhagen stürzte die provisorische Ampel auf die Kreuzung. Auf dem Ostring in Stadthagen kippten mehrere Bäume um. Der Schlossgarten wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Die Feuerwehrhelfer bauen die mobile Ampelanlage an der Kreuzung Vornhagen wieder auf. rg

Trotz der zahlreichen Ereignisse gab es laut der Einsatzkräfte keine Verletzten in Schaumburg. jemi, tbh

Den SN-Ticker mit allen Bildern und Infos zu den Auswirkungen des Sturmtiefs in Schaumburg zum Nachlesen gibt es hier.

Erinnerungen an Kyrill werden wach

Viele Bäume knicken um, als Kyrill über den Schaumburger Wald fegt. Archiv

 Der 18. Januar war schon einmal ein sehr stürmischer Tag – vor genau elf Jahren. Am 18. Januar 2007 fegte der Orkan Kyrill über Europa und hatte auch in Schaumburg eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Allein auf dem Bückeberg wurden rund 100 Hektar Wald zerstört.
Insgesamt zwei Jahre lang dauerten die Aufräumarbeiten im Wald, wobei schon im Frühjahr 2007 die ersten Aufforstungen vorgenommen wurden. In den drei Jahren nach dem Orkan habe man etwa 350 000 neuen Bäume gepflanzt, berichtet das Kreisforstamt. Die durch Kyrill verursachten Waldschäden beschäftigt das Kreisforstamt noch heute. Auch die Klosterrevierförsterei Obernkirchen beklagte große Schäden: 40 bis 50 Hektar Fläche fielen dem Sturm zum Opfer.  jemi

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Am 18. Januar ist es zehn Jahre her, dass der Orkan „Kyrill“ über weite Teile Europas hinweggefegt ist und auch im Schaumburger Land eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Die damals an unzähligen Gebäuden entstandenen Schäden sind zwar schon lange repariert und die von diesem Sturm verursachten Kahlschläge in den Wäldern wieder aufgeforstet, aber die Forstwirtschaft wird die Folgen dieser Unwetterkatastrophe noch Jahrzehnte lang beschäftigen.

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