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Personalnot am Klinikum Schaumburg?

Verdi sieht akute Unterbesetzung Personalnot am Klinikum Schaumburg?

„Wir steuern auf eine Katastrophe zu“, klagt eine Mitarbeiterin der Intensivstation. „Wir suchen händeringend Personal“, sagt ein Arzt. Auch die Gewerkschaft Verdi sieht die Personalsituation am neuen Klinikum kritisch. „Alle Planstellen sind besetzt“, sagt dagegen die Geschäftsführung. Was stimmt?

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Die Aussagen, ob im Klinikum Schaumburg Personalmangel herrscht, gehen weit auseinander. 

Quelle: rg

Landkreis.  Das Urteil von Gewerkschaften, Mitarbeitern, Patienten und Geschäftsführung fällt unterschiedlich aus. Öffentlich belastbare Zahlen gibt es nicht. Die Klinikum-Pressestelle verweist auf Betriebsinterna.

 Aus Sorge vor dienstrechtlichen Konsequenzen wollten sich Agaplesion-Mitarbeiter nur anonym zu Wort melden. Sie berichten überwiegend davon, dass die Personalsituation kritisch sei. Von Patienten erreichte die Redaktion sowohl positive wie auch negative Zuschriften. Die negativen Zuschriften thematisierten fast immer einen wahrgenommen, und teilweise von Schwestern und Ärzten auch so kommunizierten Personalmangel. Allerdings gibt es laut der Geschäftsführung des keinen Personalmangel.

Verdi hält die Lage für kritisch

 Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sylvia Milsch hat von den Mitarbeitern ein anderes Feedback bekommen. Sie war in den vergangenen Wochen mehrfach im Krankenhaus, hat sich nicht nur mit Gewerkschaftsmitgliedern unterhalten, sondern mit Dutzenden Mitarbeitern. Sie hält die momentane Lage für kritisch. Durch die Berichte von Beschäftigten entstehe bei ihr der Eindruck, dass an keiner Stelle ausreichend Personal vorhanden sei. „Wenn die Geschäftsführung alle Personalstellen besetzt hat, dann muss es wohl ein Problem mit den Personalstellen geben“, kontert sie.

 Ähnlich sieht es auch die Ärztegewerkschaft „Marburger Bund“ in Niedersachsen. Pressereferentin Stephanie Walter betont: „Planstellen bilden nicht die Stellenzahl ab, die für eine gute medizinische Versorgung geboten ist, sondern die Zahl, die für das Erreichen des vom Konzern vorgegeben wirtschaftlichen Ziels errechnet wurde.“

 Wie viele Ärzte in den vergangenen zweieinhalb Monaten das Klinikum verlassen haben, kann auch Walter nicht einschätzen. „Wir wissen aber aus persönlichen Gesprächen mit Mitgliedern, dass schon vor der Zusammenlegung Ärzte das Haus verlassen haben, weil sie mit der Personalpolitik unzufrieden waren.“

Klare Alarmsignale

 Auf welcher Station im neuen Klinikum Gewerkschaftssekretärin Milsch auch hinkam: „In allen Bereichen wurde mir mitgeteilt, dass das vorhandene Personal nicht ausreicht.“ Mit Planstellen könne die Geschäftsführung hin und her jonglieren. „Aber die Überlastung in der Schicht, die Überstunden, die spontanen Anrufe, um Leute aus ihrer Freizeit in den Dienst zu holen, das sind klare Alarmsignale.“ Dazu komme der hohe Krankenstand. Von bis zu 20 Prozent sprachen Mitarbeiter im vertraulichen Gespräch. Die Geschäftsführung erklärt: „Anfänglich hatten wir mit hohen Krankheitsständen zu kämpfen. Diese sind nun aber deutlich rückläufig.“

 Krankenstände vergrößern nicht nur die Personalnot, sondern sie können auch ihre Ursache in dem knappen Personalschlüsseln haben. Überarbeitung, ständiger Stress und hohe Belastung können zur körperlichen wie psychischen Belastungsprobe werden. Milsch berichtet von Pflegemitarbeitern, die mit Tränen in den Augen im Flur standen. „Sie waren so überarbeitet, so überlastet. Schon die normale Auslastung bringt Gesundheitspfleger an die Grenze.“ Wenn dann etwas außerhalb der Regel passiere, dann werden diese Grenzen überschritten.

Steigende Zahl an Gefährdungsmeldungen

 Ein weiteres Alarmzeichen: die Anzahl von Gefährdungsmeldungen. Krankenhausmitarbeiter sind angehalten eine solche Meldung abzugeben, wenn sie wegen Personalmangels oder aus anderen Gründen ihre Arbeit nicht mehr richtig ausführen können. „Wie ich gehört habe, steigt die Zahl der Gefährdungsanzeigen stark“, berichtet Milsch. Agaplesion gab dazu auf Anfrage keine Antwort.

 Gerade in der Nachtschicht sollen die Personalpläne noch enger gestrickt sein. Immer wieder müssen Gesundheitspfleger eine Station alleine betreuen. Nach Beschwerden hat Agaplesion wohl nachgesteuert, berichtet Milsch. „Dann wurden nachts einfach zwei Stationen zusammengelegt. So gab es statt einer Pflegefachkraft eben zwei.“ Nur diese beiden mussten dann auch alleine 70 Patienten pflegen.

 Öffentlich sind insgesamt 17 Stellenausschreibungen am Klinikum, gesucht werden ein Oberarzt, Fach- und Assistenzärzte, Pfleger sowie Medizinisch-Technisches Personal. Alle zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Das Klinikum erklärt, dass man weitere medizinische Entwicklungen plane. Für das aktuelle Patientenaufkommen sei man gerüstet. jak

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