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Planenschlitzer verurteilt

Vor Gericht Planenschlitzer verurteilt

Zu Freiheitsstrafen von acht und neun Monaten hat das Schöffengericht in Bückeburg zwei Planenschlitzer verurteilt. Einer muss die Haft verbüßen, der andere ist auf Bewährung freigekommen. Waren für 70.000 Euro hatten die Männer nachts an der Autobahnraststätte Auetal  (A2) aus einem Lastwagen gestohlen.

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AUETAL/BÜCKEBURG. In die Hände fielen ihnen auf der Autobahnraststätte vor allem hochwertige Kinderwagen. Zuvor sollen sie die Planen von 16 anderen Lkw aufgeschlitzt haben, ohne jedoch fündig zu werden. Drei Monate nach der Tat hat das Schöffengericht die Polen jetzt wegen schweren Diebstahls verurteilt.

Hilfe für die Oma

Ein 22-Jähriger kam auf Bewährung frei und durfte noch am selben Tag die Heimreise antreten. Er muss allerdings 800 Euro Geldauflage zahlen. Sein Motiv: „Ich wollte meiner Oma helfen.“ Den Angaben zufolge ist die Seniorin schwer krank und benötigt teure Medikamente. Widerlegen lässt sich diese Darstellung nicht. „Wenn Sie auch nur ein Kaugummi aus einem Supermarkt klauen, widerrufe ich die Bewährung“, gab Richter Dr. Dirk von Behren dem 22-Jährigen mit auf den Weg.  Gegen den zweiten Mann (31) verhängte das Gericht neun Monate Haft. Er soll zwar nur Schmiere gestanden haben, ist aber einschlägig vorbestraft. Zu einer Verurteilung wegen der aufgeschlitzten Planen an den 16 anderen Sattelzügen, die in der Anklageschrift von Staatsanwalt Ulf Kranitz ebenfalls aufgeführt sind, kam es nicht. Diese Verfahren wurden eingestellt, weil eine Bestrafung kaum weiter ins Gewicht gefallen wäre. Ohnehin hätten die Taten den Polen wohl nicht nachgewiesen werden können, weil es dafür keine stichhaltigen Beweise gab.

Kleinlaster gemietet

 Gegen die Angeklagten sprach vor allem das geplante Vorgehen. Zum Abtransport des Diebesgutes hatten die Männer in Polen extra einen Kleinlaster gemietet. Polizisten haben übrigens den Fahrer des polnischen Sattelzuges im Verdacht, mit den Planenschlitzern unter einer Decke zu stecken, wie ein Kriminalbeamter vor Gericht erklärte. Dagegen spricht, dass der Trucker in jener Nacht zum 24. März 2017 selbst die Polizei gerufen hatte. Beamte der Autobahnpolizei konnten den Kleinlaster vor dem Verlassen der Raststätte stoppen. „Beide Männer waren stark verschwitzt“, erinnert sich eine Polizistin. Sie und ihre Kollegen verglichen daraufhin die Ladungen von Sattelzug und Kleinlaster. Ergebnis: „Die gleichen Aufschriften und Verpackungen.“

2016 landesweit 750 Planenschlitzer unterwegs

 Planenschlitzer machen der Polizei und Justiz zunehmend Arbeit. Auf der Raststätte Auetal haben sie bereits mehrfach zugeschlagen. Landesweit waren Planenschlitzer 2016 nach einer Statistik des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen 750 Mal aktiv. Gegenüber 2015 entspricht dies einer Steigerung von sieben Prozent. Für 2017 erwartet das LKA eine weitere Zunahme.

 Nach einer Studie des Bundesamtes für Güterverkehr fahren Planenschlitzer mit einem Kleinlaster, bevorzugt mit seitlicher Schiebetür, neben die Sattelzüge. Zuerst schneiden sie einen kleinen Schlitz in die Plane, um einen Blick auf die Ladefläche werfen zu können. Winkt lohnende Beute, wird der Schlitz erweitert, um das Diebesgut schnell umladen zu können. Häufig bleiben die Täter unentdeckt. Der Lärmpegel am Rande von Autobahnen spielt ihnen in die Hände. ly

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