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Plötzliche Wende in tiefster Nacht

Landkreis Plötzliche Wende in tiefster Nacht

Da waren’s plötzlich drei. Was keiner so recht auf dem Schirm hatte, ist in der Nacht zum Montag doch noch eingetreten. Neben Sebastian Edathy (SPD) und Katja Keul (Grüne) zieht als Dritter im hiesigen Wahlkreis der CDU-Politiker Maik Beermann in den Bundestag ein.

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Der Wahlkampf hat sich für ihn dann doch noch gelohnt: Zwar konnte Maik Beermann (rechts, an einem Wahlstand der CDU in Bückeburg) das Direktmandat nicht erreichen, er zieht jedoch über die Landesliste in den Deutschen Bundestag ein.

Quelle: bus

Von Stefan Rothe

Landkreis. Als die überraschende Nachricht kam, hatte sich der 31-jährige Beermann nach eigenem Bekunden bereits schlafen gelegt. Nach dem „so spannenden wie anstrengenden“ Wahlabend, der ihm eine nur ganz knappe Niederlage gegen Edathy beschert hatte. Und zwar in dem Bewusstsein, dass es mit einem Einzug in den Bundestag nicht klappen würde: „Das war doch absolut illusorisch.“

 Doch dann die Wende: Um 2.56 Uhr in der Nacht zum Montag versuchte die CDU-Landesgeschäftsstelle, bei Beermann anzurufen. Aber zu dieser Zeit hatte der Wendenbosteler seine Telefone schon auf leise gestellt. „Die Anspannung am Wahlabend bis in die Nacht hinein war sehr groß“, erzählte Beermann, „da hatte ich dann irgendwann die nötige Bettschwere.“ Doch gegen 4.30 Uhr sei er plötzlich aufgewacht und habe die überraschende wie freudige Nachricht als Email auf seinem Smartphone gelesen. Sofort habe sich riesige Vorfreude eingestellt. Den ganzen Tag über standen die Telefone nicht still, viele Gratulationen erreichten ihn, erste Termine mussten abgestimmt werden.

 Abgesagt hat Beermann hingegen einen zweitägigen Urlaub. Diese Pause hatte er einlegen wollen, bevor er am Mittwoch seinen Dienst in der Sparkasse wieder angetreten hätte. Doch nun kam alles ganz anders: am Montagnachmittag die Fahrt nach Berlin zusammen mit Axel Knoerig, der zum zweiten Mal das Direktmandat für die CDU im Wahlkreis Nienburg-Diepholz holte. Am heutigen Dienstag dann die erste Teilnahme an einer Sitzung der CDU-Bundestagsfraktion.

 Beermanns Platz 25 auf der CDU-Landesliste schien auch für politisch Eingeweihte zuvor so gut wie keine Chance auf den Einzug in das Bundesparlament zu gewähren. Doch gleich mehrere Faktoren waren dafür ausschlaggebend, dass es für Beermann am Ende doch gereicht hat. Das Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag, der immens hohe Abstand zur SPD bei den Zweitstimmen und die hier höhere Wahlbeteiligung im Vergleich zu den ostdeutschen Bundesländern – all das hat dazu geführt, dass die CDU-Landesliste ungewöhnlich weit „gezogen“ hat. Damit gehört der Wahlkreis Nienburg-Schaumburg zu den extrem wenigen Wahlkreisen bundesweit, die gleich durch drei Abgeordnete in Berlin vertreten sind.

 „Große Freude“ äußerte der Schaumburger CDU-Chef Klaus-Dieter Drewes über den Erfolg Beermanns. „Er hat sich so intensiv in den Wahlkampf reingekniet, er hat es wirklich verdient.“ Ganz besonders auf die Fahnen geschrieben habe sich Beermann, „als Brückenglied nach Berlin viel auf der kommunalen Ebene präsent zu sein mit allem was dazu gehört“. Genau das sei man gerade vom SPD-Abgeordneten Edathy bisher nicht so gewohnt, fügte Drewes hinzu.

 Der Schaumburger SPD-Parteichef Karsten Becker findet es „vorteilhaft“, dass der Landkreis nun drei Abgeordnete in Berlin hat. „Insbesondere weil zwei einer Regierungsfraktion angehören dürften.“ Was die Arbeit im Wahlkreis und die Wahrnehmung der Interessen der hiesigen Bürger angehe, „hat Edathy eine Messlatte gelegt, bei der andere sich erst bemühen müssen, an diese heranzureichen“, merkte Becker an.

 Immer schon habe sie sich „als Mittlerin zwischen Wahlkreis und Berlin gesehen“, sagte die Grüne Keul. Sie sei „genauso hier vor Ort wie in Berlin präsent, daran ändert sich nichts, egal wieviele Abgeordnete hier sonst noch unterwegs sind“, reagierte sie gelassen.

SPD „wäre nur der Wurmfortsatz“

Landkreis. Der SPD-Ortsverein Nienstädt und die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen im SPD-Unterbezirk Schaumburg (AfA) haben sich am Montag vehement gegen eine Große Koalition ausgesprochen.

Alleine „darüber nachzudenken“, erachtet die Nienstädter SPD in einer Pressenotiz als „extrem kontraproduktiv“. Denn unter den gegebenen Voraussetzungen könne die SPD ihre politischen Ziele in einer Großen Koalition „niemals umsetzen und für mehr Gerechtigkeit in dieser Gesellschaft sorgen“. Für die SPD selbst wäre es nach Überzeugung der Nienstädter Genossen „eine Zerreißprobe“. Nach der letzten Großen Koalition habe die SPD „um die 20 Prozent Wählerschaft kämpfen müssen“. Dieser Zustand sei wieder zu befürchten, „denn die Partei der Linken würde als Oppositionsführer deutlich an Stärke gewinnen“, heißt es in der Notiz.

Durch das eindeutige Wahlergebnis wäre die SPD in einer Großen Koalition „nur der Wurmfortsatz der Regierung Merkel“, ließ der hiesige AfA-Vorsitzende Matthias Schrade verlauten. Das Ergebnis der Wahl sei für die SPD „eine deutliche Aufforderung der Wählerschaft, in die Opposition zu gehen und diese als Volkspartei anzuführen“. Notwendig sei eine klare Profilschärfung der SPD sowie „eine unvoreingenommene Aufarbeitung der Agenda 2010 und deren Auswirkungen“. Schrade sieht die Notwendigkeit eines inhaltlichen und personellen Neuanfangs auf Bundesebene im Interssse der Demokratie und der SPD“.  ssr

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