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Profitiert Pegida vom Terror in Paris?

Schaumburger fürchten Rückenwind für Fremdenhass Profitiert Pegida vom Terror in Paris?

Schaumburg ist geschockt: Die Ereignisse um den Terroranschlag auf Journalisten des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Frankreich berühren auch hier die Menschen. Zu Betroffenheit und Angst vor Anschlägen kommt die Befürchtung, dass die Morde Intoleranz und Hass auf Muslime Wind in die Segel blasen könnten.

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Landkreis. „Das ist blanker Terrorismus, von dem Muslime sich distanzieren“, ist Landrat Jörg Farr (SPD) überzeugt. „ Es ist daher wichtig, dass dieses Verbrechen nicht instrumentalisiert und gegen Muslime, Ausländer und Migranten gerichtet wird.“ Für die Zukunft wünscht der Landrat sich, der Austausch zwischen den Kulturen im Landkreis möge noch verstärkt werden.
Ähnlich urteilt der Stadthäger Bürgermeister Oliver Theiß. (parteilos) Selbstredend, sagt er: „Ich bin schockiert.“ Es handele sich um eine weltweite Bedrohung, „wir in Deutschland“ seien „auf keinen Fall sicher“. Er ergänzt aber auch: „Es ist durchaus zu befürchten, dass die Vorgänge der Pegida-Bewegung zusätzlichen Zulauf bescheren.“
„Das war ein feiger und hinterhältiger Angriff“, zeigt sich auch der Nenndorfer Samtgemeindebürgermeister Mike Schmidt (CDU) betroffen. Er sei jedoch „der Überzeugung, dass Muslime und Christen in Europa eigentlich friedlich zusammenleben“.
Schmidts Rodenberger Amtskollege Georg Hudalla (CDU) sieht „das tolerante Miteinander in Gefahr“. Zudem stelle es die gesamte Gesellschaftsordnung infrage, „wenn man erst Angst hat, etwas frei auszusprechen“.
Der hiesige Europa-Abgeordnete Burkhard Balz (CDU) warnt vor Verallgemeinerungen: „Wir müssen insbesondere im europäischen Raum in diesen Stunden ganz besonders wachsam sein und dürfen nicht den Fehler machen, den Islam mit Terrorismus und Fanatikern gleichzusetzen.“
In dieses Horn stößt auch der Schaumburger Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU): „Es muss jetzt darauf geachtet werden, dass diese feigen und barbarischen Anschläge keine Welle des Fremdenhasses auslösen.“
Kirchenvertreter wie der Pastor der Stadthäger Martini-Gemeinde, Hartmut Spier, pflichten bei: „Jeder Fanatismus ist zu verurteilen.“ Die Vorgänge in Frankreich seien „Wasser auf die Mühlen von Pegida“.
Spiers Kollege in der Martini-Gemeinde, Jörg Böversen, ist nach eigenen Angaben „schockiert wie alle“. Und: „Erschrocken sind auch alle Muslime, die ich kenne.“
Einige im Landkreis haben auch Kontakte nach Frankreich – zum Beispiel Yolande Guidou, bei der Kreisverwaltung zuständig für die Partnerschaft mit der Stadt Soissons nördlich von Paris. „Ich habe mit Kollegen dort telefoniert“, berichtete sie gestern, als die beiden Geiselnahmen noch nicht beendet waren. „Die Schüler dürfen die Schule nicht verlassen, müssen von den Eltern abgeholt werden. Es ist beängstigend.“
Die Pollhägerin Veronique Berg stammt aus dem Nachbarland. „Dieser Hass auf unschuldige Menschen macht mich sprachlos“, sagt sie über die Ereignisse in ihrer Heimat.
Auch der Stadthäger Pierre Castagnet ist gebürtiger Franzose. Er mahnt die Medien zu Verantwortung. Zwar finde er es gut, wenn die sich „keine Knebel verpassen lassen“. Er gibt aber auch zu bedenken, dass die Täter durch die Verbreitung in der Presse genau die Aufmerksamkeit bekommen, die sie wollen.
Das Ratsgymnasium in Stadthagen hat die Flaggen auf Halbmast gesetzt. „Wenn es um Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Fanatismus geht, betrifft das die ganze Welt“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Angelika Hasemann. Ratsschüler hätten in Gesprächen über die Morde in Frankreich „erkannt, dass es dabei nicht um Moslems geht, sondern um Terrorismus.“
Recht so, denkt Burak Buruk, Fußballspieler beim VfL Bückeburg. „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, sagt er. Die Täter seien für ihn keine Muslime, sondern Terrorristen.
Matthias Hinse, Sprecher des Vereins „Wir für soziale Gerechtigkeit“, ist mit einer Muslimin liiert. „Sie verachtet diese Tat genauso sehr, wie ich“, sagt der Lindhorster. Karikaturen von Mohammed finde sie jedoch unangebracht. So gehe es vielen Muslimen, habe Hinse festgestellt. Religion sei für sie „kein Thema, über das man Witze macht“.
Die stellvertretende Vorsitzende von „Bad Nenndorf ist bunt“, Sigrid Bade, gibt sich kämpferisch. Sie hätten die Ereignisse dazu bewegt, am Montag zur Demonstration gegen den Pegida-Ableger Hagida in Hannover zu gehen. Denn: „Niemand von denen soll sagen: Seht ihr, wir hatten recht.“
 tbh, mak, ssr, sk, gus, kle, jcp

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