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Raum in der Herberge!

Zu Weihnachten Raum in der Herberge!

Viele werden in diesem Jahr die biblische Weihnachtsgeschichte mit besonderer Aufmerksamkeit hören. Die Erzählung von der Geburt des Kindes unterwegs – in einer Notunterkunft – wird viele sehr direkt ansprechen.

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Wenn dann berichtet wird, dass die Eltern, Maria und Josef, sich mit dem Kind bald nach der Geburt auf die Flucht nach Ägypten begeben, um vor dem Zugriff eines autoritären Staatschefs sicher zu sein, stehen uns Bilder aus diesem Jahr deutlich vor Augen.

 Wir haben es gesehen und erlebt, dass der Mensch nicht dort schon zu Hause ist, wo er halbwegs genug zu essen hat. Wir haben es erlebt, dass Menschen aus unterschiedlichen Völkern politisches Handeln ihrer Herrscher, das ihnen die Würde nimmt und sie auf willenlose Wesen reduzieren möchte, nicht ertragen können und lieber alles verlassen. Und wir erleben mit Staunen, dass über Grenzen von Zuständigkeiten hinweg Menschen in Deutschland bereit sind, den Flüchtlingen unserer Tage Obdach zu geben und zu helfen. Wer es nicht mehr glaubte, dass der Mensch zu mehr berufen ist als zum Arbeiten und Konsumieren, dem ist das in diesem Jahr sehr deutlich neu in Erinnerung gerufen worden.

 Die Erfahrungen dieses Jahres 2015 sind aber viel mehr als eine Mahnung und moralische Aufforderung an uns. Wie überhaupt die Religion, zumal die christliche, mehr ist als eine Ansammlung moralischer Appelle und Versuche, Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden. Wir können mehr als dankbar dafür sein, in einem Land zu wohnen, in dem Menschenrechte geschützt werden und in dem wir sicher leben können. Die Ereignisse dieses Jahres verdeutlichen: Es ist lebenswichtig, für den inneren Zusammenhalt in unserem Land einzutreten, Menschenrechte zu schützen, auch durch die Pflege der eigenen Kultur und der Religion. Die Bewahrung von Recht und Freiheit fallen nicht vom Himmel, sondern erfordern Engagement und Einsatz von uns allen.

 Die meisten Flüchtlinge kommen aus Ländern, in denen politische Ordnung und das Recht zusammengebrochen sind. Keiner schützt dort mehr die Würde des Menschen. Gleichgültige Selbstzufriedenheit und eine reine Anspruchshaltung, das zeigen die Ereignisse dieses Jahres auch, wären eine große Selbstgefährdung in einem reichen Land wie dem unseren.

 Einer der großen Denker am Beginn der Geschichte Europas, der Kirchenvater Augustin, hat einmal gesagt: „Gott hat uns Menschen zu ihm hin geschaffen; und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Gott.“ Weihnachten berühren sich Himmel und Erde wieder und werden füreinander geöffnet. Gott und Menschen kommen wieder zusammen. So haben wir allen Anlass, das Weihnachtsfest am Ende dieses Jahres mit froher Erwartung zu feiern.

Von Karl-Hinrich Manzke

Landesbischof der Landeskirche Schaumburg- Lippe

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