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Rintelner fährt Flüchtlinge von Passau zu den Notaufnahmezentren

Grenzgänger Rintelner fährt Flüchtlinge von Passau zu den Notaufnahmezentren

 „Sie sitzen kaum im Bus, dann schlafen sie ein.“ Thomas Sasse, Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerk (THW) aus Rinteln, hat eine Woche lang Busse mit Flüchtlingen von Passau aus zu den Verteilzentren in ganz Deutschland gefahren.

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Thomas Sasse (rechts) mit seinen Kollegen vor einem THW-Bus. pr

Landkreis. Zwischen 1000 bis 1200 Flüchtlinge mögen es gewesen sein, schätzt er. Gezählt hat er sie nicht. Es sind Dimensionen wie bei Katastropheneinsätzen.
Mit drei Kollegen steuerte Sasse, der auch Berufskraftfahrer ist, die THW-Busse unter anderem nach Lingen, Papenburg, Trier, zur Landesaufnahmestelle in Lebach (Kreis Saarlouis) und nach Berlin. Und nach Feldkirchen, das jeder aus den TV-Nachrichten kennt: Dicht an dicht steht dort ein Zelt neben dem anderen. Es ist, als befände man sich in einer riesigen Beduinenstadt.

Die THW-Busfahrer, schildert Sasse, seien per E-Mail in ihrer Unterkunft verständigt worden, wenn ihr Einsatz gebraucht wurde. „Das war auch mitten in der Nacht.“ Eben dann, wenn sich wieder Flüchtlinge am Grenzübergang drängten und die Bundespolizei die Busse orderte.
Wohin es ging, habe man ebenfalls per E-Mail erfahren, die Flüchtlinge erst, wenn sie bereits im Bus gesessen haben. Bei längeren Fahrten hätten Studenten vorher noch an alle Tüten mit Eessen und Getränken verteilt.

Wer alles in seinen Bussen gesessen hat? Sasse weiß es nicht. Die Bundespolizisten, die die Flüchtlinge in die Busse geleiteten, erfassten, wie viele Frauen, Männer und Kinder eingestiegen sind. „Das war dann auch unser Beförderungsschein,“ sagt der Rintelner. Geöffnet wurde nur die hintere Tür, Fahrer und Beifahrer saßen durch eine Sitzreihe von den Flüchtlingen getrennt. Aus Sicherheitsgründen sagt Sasse, keiner der Flüchtlinge war ja schon ärztlich untersucht worden. Zu längeren Gesprächen mit den Flüchtlingen sei es ohnehin nie gekommen: „Die waren froh im Bus zu sitzen, müde und fertig.“ Unterwegs wurde nicht auf Raststätten, sondern auf Parkplätzen mit Sanitäranlagen Rast gemacht. Auch das aus Sicherheitsgründen.

Für Sasse nicht der erste Einsatz in der Flüchtlingskrise. Sechs Übergangsunterkünfte hat er mit aufgebaut, auch in Hameln, Bückeburg und Rinteln.
Sasse ist ein erfahrener THW-Helfer wie Teamleiter, der schon alles gesehen hat, was man bei diesen Einsätzen sehen kann. Ruanda, das war Ende der neunziger Jahre, Rhein-Hochwasser 1994, Elbe-Hochwasser gleich dreimal: 2002, 2006 und 2013. Dann 2014 das Hochwasser in Bosnien. Bei dem Einsatz organisierte er als Teamleiter den Einsatz der Hochleistungspumpen.

Und was sagt sein Arbeitgeber, die Firma Lenze, zu seinem Engagement, bei der Sasse in der Lagerlogistik arbeitet? „Kein Problem“, versichert Sasse. Nach dem Bosnieneinsatz sei er gemeinsam mit seinem Arbeitgeber von Innenminister Thomas de Maizière ausgezeichnet worden.

Sasse hat einen Expertenstatus für Auslandseinsätze. Das bedeutet, er ist auch bei den Impfungen immer auf dem aktuellen Stand.

Und was sagt seine Familie, wenn er wochenlang unterwegs ist? Seine Frau, scherzte Sasse, habe vorher gewusst, worauf sie sich da einlässt. Nur seine früheren Vereinskollegen vom Fußball und bei den Schützen würden manchmal bedauern, dass er nicht mehr so oft dabei ist..

Seit 33 Jahren ist Sasse aktiv beim Rintelner THW, in diesem Jahr ist er dort Chef geworden und hat Markus Kuhlmann abgelöst, der aus beruflichen Gründen nicht weitermachen konnte.  Von Hans Weihmann

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