Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Rollentausch ebnet politische Karriere

Katja Keul tritt für die Grünen an Rollentausch ebnet politische Karriere

Sechs Kandidaten von sechs Parteien bitten für die Bundestagswahl am 24. September um die Stimmen der Schaumburger. Zwei Amtsinhaber treffen auf vier Newcomer. Doch wer sind die Menschen, hinter deren Namen die Schaumburger ein Kreuzchen machen sollen? Wir haben sie zu Hause besucht. Teil 2: Katja Keul.

Voriger Artikel
Verkehrsmeldungen für Donnerstag, 7. September
Nächster Artikel
Einst Bäcker, jetzt Rebell

Zuversichtlich blickt die Grünen-Kandidatin Katja Keul der Bundestagswahl am 24. September entgegen.

Quelle: SSR

Landkreis. Als Katja Keul für das Gespräch auf der Terrasse ihres 250 Jahre alten, rundum sanierten Hauses in Marklohe bei Nienburg sitzt, bereitet nebenan in der Küche Ehemann Michael das Mittagessen vor. Keine Ausnahme, sondern seit 20 JahrenNormalität in der fünfköpfigen Familie der Bundestagskandidatin der Grünen.

Rollenwechsel im Hause Keul

„Wir haben komplett die Rollen gewechselt“, erzählt die 47-jährige Politikerin: „Mein Mann übernimmt vollständig die Versorgung von Haus, Hof und Kindern.“ Zu dieser Konstellation hatte das Ehepaar schon gefunden, als Katja Keul noch nicht als Berufspolitikerin, sondern als Rechtsanwältin tätig war. Wenn sie nicht einen Hausmann an ihrer Seite gehabt hätte, „wäre ich nie auf die Idee gekommen, für den Bundestag zu kandidieren“, bekennt Keul.

Seit 2009 sitzt die Juristin im Bundestag. Schnell avancierte die Quereinsteigerin dort zur Parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion. In dieser Funktion hat sie viel mit dem Spitzenpersonal der Grünen zu tun. Besonders schätzt sie Jürgen Trittin, „den ich auch persönlich um Rat fragen würde“. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, „die ich nicht missen möchte“, verband sie auch mit dem jüngst aus dem Parlament ausgeschiedenen Alt-Grünen Hans-Christian Ströbele.

Seit gut 20 Jahren Grün

Zu den Grünen gestoßen war Keul vor gut 20 Jahren, für sie „eine ganz natürliche Entscheidung“. Denn in den achtziger Jahren sei sie sehr stark durch die Friedens- und Anti-Atom-Bewegung geprägt worden. Diese Prägung sorgte dafür, dass sie schon 1999 aus der Partei wieder austrat – nämlich aus Protest gegen die von der damaligen rot-grünen Bundesregierung getroffene Entscheidung, dem Kosovo-Krieg beizutreten. „Durch diese Kriegsbeteiligung ohne UN-Mandat war für mich eine rote Linie überschritten“, erinnert sie sich.

Als CDU-Kanzlerin Angela Merkel 2005 die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke verkündete, war das für Keul „spätestens der Moment, wieder bei den Grünen einzutreten“ und auch eine politische Karriere zu beginnen. Denn sich einmal politisch engagieren zu wollen, dieses Bedürfnis war bei Keul schon früh angelegt. Das Motiv? „Ich kann Ungerechtigkeiten nicht ertragen und ich glaube fest daran, dass man die Welt gerechter machen kann, als sie ist.“ Die größte vorstellbare Ungerechtigkeit ist Krieg, sagt sie. Gerade Deutschland habe vor dem Hintergrund seiner Geschichte die Aufgabe, dazu beizutragen, dass Kriege verhindert werden. Als sie 2009 erstmals in den Bundestag einzog, wurde sie folgerichtig im Verteidigungsausschuss tätig, war dort für ihre Fraktion vor allem für die Rüstungsexportkontrolle zuständig, „ein Herzensanliegen“, wie sie hinzufügt.

Zeit für Familie und Freizeit ist beschränkt

Als Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion und als Mitglied im arbeitsintensiven Rechtsausschuss hat Keul einen übervollen Terminkalender. Ihr geschilderter innerer Antrieb, in diesem Ausmaß Politik zu betreiben, hat nach eigenem Bekunden „einen hohen Preis“. Denn die Zeit für die Familie und mehr noch für Freizeit und Hobbies ist entsprechend zeitlich äußerst beschränkt.

Die Tochter ist bereits aus dem Hause, die beiden 18 und 13 Jahre alten Söhne leben aber noch bei den Eltern. „Die haben meinen Rhythmus mit wechselnden Berlin- und Wahlkreiswochen zu Hause schon verinnerlicht“. Bei ihrer wenigen freien Zeit legt Keul „eine ganz klare Priorität auf das Zusammensein mit Mann und Kindern“. Das gilt insbesondere für den Urlaub, den die Keuls oft mit langen Radtouren verbringen, zumeist entlang von Flüssen. „Zuletzt sind wir an der Donau gefahren, eine wunderbare Landschaft“, schwärmt sie.

Keul spielte in einer Frauen-Rockband

Und Hobbies? Bis vor sechs Jahren spielte Keul in einer siebenköpfigen Frauen-Rockband, die aus einem Workshop des Landes Niedersachsen heraus entstanden war. Sie sang, bediente das Keyboard und das E-Piano. Zum Repertoire gehörten Coversongs, aber auch eigene Titel. Doch die Band ging auseinander, und um neue, eigene Musikprojekte anzuschieben, fehlte die Zeit, erinnert sich die frühere Rockerin. „Das Musikmachen fehlt mir sehr“, räumt sie ein. Zumindest Musik hören tut Keul hin und wieder, natürlich bevorzugt klassischen Rock.

Nur selten kann die Politikerin auch ihr zweites Hobby pflegen: Tennis. „Früher habe ich wettbewerbsmäßig gespielt, heute reicht es lediglich hin und wieder noch zu einer Trainingsstunde“.

Egal ob zum Tennistraining oder zu vielen anderen Zielen fährt die Grüne Keul mit dem neu erworbenen E-Auto. „Wenn man von der Notwendigkeit einer Energiewende und des Klimaschutzes absolut überzeugt ist, ist es stimmig, ein solches Auto zu fahren.“ Doch nicht nur ihre Überzeugung, sondern auch der Spaßfaktor spielt für die Markloherin dabei eine große Rolle. „E-Auto fahren macht höllisch Spaß und ist reines Fahrvergnügen, es hat ein bisschen was von Kart-Fahren, man kann danach richtig süchtig werden“, schwärmt sie.

Jacksolville ist die zweite Heimat

Nicht nur wegen des Klimaschutzes, von dem sich Donald Trump verabschiedet hat, schaut Keul mit Besorgnis auf die USA. Das hat nicht zuletzt auch einen persönlichen Hintergrund. Als 16-Jährige war sie im Rahmen eines Schüleraustausches ein Jahr in Jacksonville (Florida), machte dort den Highschool-Abschluss. Zu ihrer damaligen Gastfamilie besteht immer noch enger Kontakt. „Das ist meine zweite Heimat, für unsere Kinder sind meine damaligen Gasteltern Ersatz-Opa und -Oma“.

Mit Blick auf Trump sagt sie: „Es bedrückt mich sehr, gerade auch zu erleben, wie erschüttert meine damalige Gastfamilie über die Vorgänge ist.“ Keul findet es „mehr als beunruhigend, wie gespalten die US-Gesellschaft derzeit ist“.

Mit dem Campingbus durch die Sahara

Das Jahr in den USA war nur ein Teil eines ungewöhnlich bewegten Kinder- und Jugendlebens. Als Katja Keul drei Jahre alt war, zog die Familie nach Algerien. Dort leistete ihr Vater Dienst in der Entwicklungshilfe, arbeitete als Mathematiklehrer. In den Ferien ging es mit dem Campingbus durch die Sahara. Nach einigen Jahren ging es zurück nach Deutschland, nach Höxter. Als die Familie ein zweites Mal ins Ausland zog – diesmal nach Genf – war Keul zwölf Jahre alt. Vor ihrem Wechsel in die USA machte sie am Genfer See einen Abschluss auf einem französischsprachigen Collège. Nach ihrer Rückkehr aus Jacksonville absolvierte Keul in Nienburg ihr Abitur. Danach studierte sie in Heidelberg Jura, ihr Referendariat verbrachte sie in Brandenburg. 1996 zog sie mit ihrem Mann zusammen in den Kreis Nienburg, eröffnete eine Anwaltskanzlei mit der Fachrichtung Familienrecht.

„Ich gucke nicht jeden Tag auf die Umfragewerte“

Dass sie irgendwann einmal wieder als Anwältin arbeiten wird, kann sich die 47-Jährige gut vorstellen: „Das habe ich wirklich gerne gemacht.“ Über ihre mögliche kommende dritte Legislaturperiode im Parlament „denke ich momentan nicht hinaus“, bekennt sie. Ob sie wieder in den Bundestag einziehen wird, ist für sie nach eigenem Bekunden allerdings nicht völlig gesichert. Anders als vor vier Jahren, als sie die niedersächsische Landesliste der Grünen anführte, liegt sie diesmal auf Platz fünf. Das würde vermutlich reichen, wenn die Grünen bei den Zweitstimmen auf sieben, acht Prozent kommen. „Ich gucke aber nicht jeden Tag auf die Umfragewerte“, gibt die Politikerin sich gelassen. Es gelte im restlichen Wahlkampf halt, „um jede einzelne Stimme zu kämpfen“. ssr

Lecker Hausmannskost

Ich könnte nicht leben ohne.... Sonnenschein.
Meinen Wahlkreis finde ich.... lebenswert, liebenswert und abwechslungsreich.
Das beste Essen gibt es.... zu Hause bei meinem Mann: Hausmannskost!

In einer Rockband zusammenspielen.... ist wie in der Politik: Es groovt nur, wenn alle zusammenspielen.
An Berlin gefällt mir gar nicht.... , dass die Spreeschiffe so viel Ruß ausstoßen, dass ich tagsüber die Fenster geschlossen halten muss, weil sich sonst eine ölige Schicht innerhalb der Wohnung bildet.
Wenn mein erster Chef mich heute sehen würde.... , würden wir trotzdem keine Freunde mehr werden.

Profil auf abgeordnetenwatch.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Eine gute Tradition findet regelmäßig ihre Fortsetzung – die „Aktion Weihnachtshilfe“. In der Vorweihnachtszeit rufen die Schaumburger Nachrichten unter dem Motto „Schaumburger helfen Schaumburgern“ jedes Jahr zu Spenden für bedürftige Menschen im Landkreis auf. mehr

Schaumburg