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„Russisches Roulette“ in Griechenland

Schaumburger äußern sich zum Ausgang des Referendum „Russisches Roulette“ in Griechenland

Die SN haben nach dem Referendum griechischstämmige Schaumburger, die Kontakt in das Land halten, und eine Kreta-Urlauberin nach ihren Eindrücken von der Lage und Stimmung in Griechenland befragt.

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Sina Engelking hat einen entspannten Urlaub auf Kreta verlebt und von der Krise fast nichts gemerkt.

Quelle: kle

Landkreis (gus,sk). „Es ist schlimm, auch auf den Inseln“, beschreibt Michael Angelis, Gastronom in Wendthagen, die Situation vieler Bürger in Griechenland, auch von Verwandten, die auf Kos, Rhodos oder in Athen leben. Ein Onkel des Wendthägers leitet in Griechenland einen Handwerksbetrieb, der unter anderem Fenster für Hotels fertigt und liefert. Es mangele jedoch an Aufträgen, weil die Hotels kein Geld hätten – seit Jahren. Ein anderer Verwandter auf der Insel Rhodos bekomme als Witwer eigentlich 900 Euro Rente. Davon würden im Zuge der staatlichen Sparmaßnahmen jedoch 350 Euro einbehalten. Und von den verbleibenden 550 Euro unterstütze der Onkel noch seine erwachsenen Kinder.

Sparmaßnahmen sind eine Sache. Dass auch die Preise steigen, hat Angelis selbst jüngst bei einem Griechenlandurlaub zu spüren bekommen. Vier Euro habe er für einen Deoroller bezahlt, der im Stadthäger Drogeriemarkt 1,50 Euro koste.
Michael Angelis kennt auch Menschen, die für sich keine berufliche Zukunft in Griechenland sehen. Ein Freund, zu Hause auf Rhodos, habe immer für seine Insel geschwärmt, seit April jedoch in seinem Job als Nachtportier in einem Hotel keine Gehalt mehr bekommen. Der Not gehorchend wolle er jetzt im Ausland einen Arbeitsplatz suchen. Mit ihm wird seine Freundin und baldige Ehefrau gehen – schweren Herzens.

Im Bedenken der schwierigen wirtschaftlichen Zustände schätzt Angelis die Einstellung vieler Griechen so ein: „Die stehen hinter Tsipras.“ Das hat sich im Ergebnis des Referendums am Sonntag bestätigt. Angelis kann seine Landsleute verstehen, spricht ihnen und früheren griechischen Regierungen aber keinesfalls die eigene Verantwortung für die Krise ab.

Von dieser hat Sina Engelking, die am Sonntag von einem Kreta-Urlaub zurückkehrte „gar nichts gemerkt.“ Eine Ausnahme seien die leeren Geldautomaten. Aber das habe sie gewusst und genügend Bargeld mitgenommen. Auch sei sie als Deutsche nicht in irgendeiner Weise angefeindet worden.

Die Bad Nenndorferin: „Es gibt kein gastfreundlicheres Land als Griechenland.“ In den Cafés sei die Krise zwar Gesprächsthema Nummer eins. Und sie nehme wahr, dass die Griechen erbost sind über die zum Sparen drängenden Politiker. Die Bürger fordern, man solle ihnen Luft zum Leben lassen. Andererseits gingen die Menschen relativ entspannt mit dem Thema um, etwa nach dem Motto: „Alles geht weiter. Das Leben und die Lebensfreude können sie uns nicht nehmen.“

Costa Pantasidis aus Bad Nenndorf hält die Regierung Tsipras für gescheitert, trotz des Referendums. Der jetzige Kurs sei „russisches Roulette“. „Ich bin sehr skeptisch, dass das jetzt in die richtigen Bahnen gelenkt wird“, sagt der Fitness-Experte des Medifit. Wie groß das Leid im Land ist, weiß Pantasidis von seiner Verwandtschaft in Xanthi. Dort sei ein Kinobesuch für Otto-Normal-Verbraucher nicht mehr zu bezahlen. Pantasidis sieht die Hauptschuld allerdings bei den Vorgängerregierungen, die ein nicht finanzierbares Staatssystem aufgebaut haben.

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