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Schaumburg packt an

Welle der Hilfsbereitschaft nach Ankunft von 242 Flüchtlingen Schaumburg packt an

Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollt in diesen Tagen durch Schaumburg. „Überragend“, so das Resümee von Bernd Koller,  Kreisvorsitzender des hiesigen Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

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Klaus Everding aus Stadthagen ist gleich am Morgen auf Achse. In den Händen zwei prall gefüllte blaue Säcke mit aussortierter Kleidung. Er ist auf dem Weg in die DRK-Kleiderkammer. Nachdem er beim Frühstück die SN-Berichterstattung über die 242 neuen Flüchtlinge, musste einfach helfen. 

Quelle: rg

Landkreis. Einen Tag, nachdem 242 Flüchtlinge in der Jägerkaserne in Bückeburg aufgenommen wurden, lobt er das außerordentliche Engagement der Bürger.

Außer den ehrenamtlichen Helfern des DRK, dem Technischen Hilfswerk (THW) und der Freiwilligen Feuerwehr sind zahlreiche Schaumburger sofort bereit gewesen, mit anzupacken. Bürger durchsuchen ihren Kleiderschrank nach gut erhaltenen Textilien, gehen in den Keller und schauen nach brauchbaren Gegenständen und packen Säcke und Kartons voll. Bückeburger fahren mit ihrem Auto zu der Unterkunft an der Königsberger Straße, wo ein Teil der 242 Menschen außerhalb der Kaserne untergebracht sind. Aus mit Lebensmitteln und Spielzeug gefüllten Kofferräumen verteilten sie Spenden an die Flüchtlinge.

Mit dem Finger deutete ein kleiner Junge auf die Bananen im Kofferraum von Hannelore Müller und ihrer Tochter. Sie reicht das Obst an den Jungen weiter. „Mir hat es so leidgetan, als ich Kinder heute barfuß auf der Straße gesehen habe. Uns geht es so gut, wir müssen helfen“, betont Müller.

In der Fußgängerzone der ehemaligen Residenzstadt drückten Passanten Kindern von Flüchtlingen, die ihre ersten zaghaften Ausflug gemacht haben, Eistüten in die Hand – nach dem Einverständnis der Eltern. „Überall leuchtende Kinderaugen“, freut sich DRK-Helfer Marcus Heine, der in der Unterkunft an der Königsberger Straße im Einsatz war.
In den DRK-Kleidershops im gesamten Landkreis wurden säckeweise Kleidung und Spielzeug abgegeben. Die Stadt Obernkirchen habe dem DRK zur Entlastung kurzfristig das leer stehende ehemalige Aldi-Gebäude als Lagerraum zur Verfügung gestellt.

Die Hilfe wird nach Worten Kollers auch dringend gebraucht. Die Menschen wurden nach der Ankunft in der innerhalb von Stunden eingerichteten Notunterkunft zunächst mit dem Nötigsten versorgt, haben neue Kleidung und vor allem etwas zu essen bekommen. Die erste Nacht sei ruhig verlaufen.

Nachdem die ärztliche Versorgung anfangs schwierig gewesen sei, haben sich Koller zufolge mittlerweile Ärzte aus Schaumburg gefunden, die ehrenamtlich eine Sprechstunde in der Notunterkunft anbieten. Am Montag war ein erster gesundheitlicher Check vorgenommen worden. Dabei musste ein Jugendlicher ins Krankenhaus gebracht werden, zwei Patienten wurden aufgrund akuter Beschwerden zahnärztlich behandelt.

Aufgrund der langen Märsche, die die Flüchtlinge hinter sich haben, hätten viele Beschwerden an Beinen und Füßen. Ein Mann sei zurzeit auf einen Rollstuhl angewiesen, der ebenfalls gespendet wurde.

Noch ist ungewiss, wie lange die Zufluchtsuchenden in Bückeburg bleiben. „Wir warten auf einen Termin für die Registrierung“, erklärt der DRK-Vorsitzende. Daher würden auch weiterhin Kleiderspenden und vor allem Schuhe für Männer benötigt, da die Mehrheit der Flüchtlinge Männer mittleren Alters seien.

Für Lebensmittel und die Erstausstattung wie Unterwäsche und Hygieneartikel hat das DRK laut Koller bereits jetzt 20.000 Euro ausgegeben und täglich würde die Versorgung weitere 4000 bis 5000 Euro kosten. Daher bittet der Kreisverband, der die Gesamtverantwortung für die Menschen in der Übergangseinrichtung in Bückeburg innehat und für die Koordination sowie Verteilung der Spenden zuständig ist, dringend auch um Geldspenden. Denn auch Gebrauchsgegenstände wie eine Waschmaschine und ein Trockner mussten gekauft werden, da noch unklar sei, wie lange die Akutsituation in der Jägerkaserne anhalte.

In Schaumburg werden nur die wenigsten bleiben. „Dafür kommen Menschen aus anderen Aufnahmestellen hierher“, sagt Koller. Umso mehr freue er sich, dass so viele Schaumburger ihre Hilfe anbieten.

„Überwältigt“ von dem Engagement der Bürger zeigt sich auch Klaus Heimann, Erster Kreisrat. „Es ist wunderbar, wie sich die Schaumburger einbringen.“ Die Zusammenarbeit zwischen den Annahmestellen des DRK laufe reibungslos. „Die Infrastruktur funktioniert“, sagt Heimann. Wichtig sei ihm an dieser Stelle zu betonen, dass mit jeder Spende verantwortungsbewusst umgegangen werde.

Auch finanziell unterstützen die Schaumburger den Hilfseinsatz für die Flüchtlinge, berichtet Heidemarie Hanauske, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Schaumburg. „Auch mit diesen Spenden gehen wir sehr verantwortungsvoll um“, betont die Meerbeckerin.

Um noch gezielter Spenden einsetzen zu können, veröffentlichen die Schaumburger Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Awo Spendenaufrufe. „Wenn zum Beispiel ein Baby auf die Welt kommt, brauchen wir schnell eine Erstausstattung. Und wenn sich ein Flüchtling verletzen sollte, gegebenenfalls Krücken oder einen Rollstuhl“, nennt die Awo-Chefin Beispiele. In unregelmäßigen Abständen wird künftig in dieser Zeitung über diesen Bedarf berichtet.

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