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Schaumburger Landschaft auf Spurensuche

Graswurzelarbeit mit Plumpsklo Schaumburger Landschaft auf Spurensuche

Die Spurensucher der Schaumburger Landschaft haben ihrer Posterserie eine Ausgabe hinzugefügt, die ländliche Nebengebäude in den Fokus rückt.

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Ulrich von Damaros (von links), Sigmund Graf Adelmann und Dr. Karl-Heinz Oelkers stellen das Poster „Ländliche Nebengebäude im Schaumburger Land“ vor. Unter den Fotos finden sich zahlreiche Backhäuser. Dieses Fachwerkbackhaus steht in Mittelbrink.

Quelle: bus

Landkreis. Wie Dr. Karl-Heinz Oelkers (Redaktion), Ulrich von Damaros (Autor) und Sigmund Graf Adelmann (Geschäftsführer Schaumburger Landschaft) während der Vorstellung erläuterten, zeichnen das ländliche Bauen hierzulande nicht einzeln stehende Häuser, sondern Hofanlagen aus.

„Das Bauernhaus nahm zwar den zentralen Platz ein, war aber meist umgeben von weiteren Bauten“, führten die Experten aus.

Das Poster zeigt 26 Beispiele mehr oder weniger typischer Nebengebäude. Das Spektrum reicht von Backhäusern, Speichern und Scheunen über Remisen und Kleinviehställe bis zum Stillen Örtchen. „Die Auswahl der Motive stellt keine Wertung dar“, betonte von Damaros. Sie führe lediglich einen Querschnitt noch erhaltener Zeugnisse aus historischer Zeit vor Augen. Der Autor: „Außer den hier zu sehenden Objekten existieren im Schaumburger Land viele andere beachtenswerte Beispiele.“

Von Damaros geht in dem den Postern beigefügten Informationsblättern ausführlich auf zahlreiche Details der Bauwerke ein. Zu den Backhäusern hält er fest: Brot backen gehörte früher zu den selbstverständlichen Tätigkeiten auf den Bauernhöfen. Allerdings gab es nicht jeden Tag frisches Brot, gebacken wurde nur alle drei bis vier Wochen. Die Backhäuser wiesen im Erdgeschoss einen Backraum mit Backtrog und Gerätschaften auf. Der eigentliche Backofen war rückwärtig an das Backhaus angebaut. Oftmals lagerte auf dem Dachboden des Backhauses ausgedroschenes Getreide, das durch den beim Erhitzen des Ofens entstehenden Rauch konserviert wurde.

Zu Besonderheiten der Scheunen schreibt der Fachmann: Sie übernahmen im Laufe der Jahrhunderte zusätzlich zur Aufbewahrung von Getreide etliche weitere Funktionen. So finden sich von 1730 an auf großen Höfen Stallscheunen, in denen vor allem junge Rinder untergebracht waren. Zudem boten sie kleinen Werkstätten, Lagerräumen jeglicher Art und Schlafquartieren für Knechte Platz. Das dokumentieren die vielfältigen Nutzungsformen der Nebengebäude.

Zum „Stillen Örtchen“ lässt von Damaros die Leser wissen: Die Form des Plumpsklos anstelle der uns so selbstverständlich vertrauten Toiletten ist heutzutage weitgehend in Vergessenheit geraten. Gesonderte kleine Aborthäuschen, oftmals in Fachwerkbauweise erstellt, gab es auf jedem Hof. Derartige Klosetts sind allerdings nur selten erhalten geblieben.
Überdies macht der Autor die Betrachter mit in alten Gesetzbüchern, wie etwa dem „Sachsenspiegel“, verankerten Vorschriften vertraut.

Das im 13. Jahrhundert verfasste Regelwerk beschäftigt sich im Artikel 51 mit Nebengebäuden. Die Paragrafen eins bis drei lauten: 1. Backofen, Abort und Schweinestall sollen drei Fuß vom Zaun entfernt sein; 2. Jeder soll ferner auf seinen Backofen und seine Feuermauer achten, damit ihm nicht Schaden dadurch erwächst, dass die Funken in den Hof eines anderen fliegen; 3. Den Abort, der gegen den Hof eines anderen steht, soll man bis auf die Erde herab einhegen.

Die 2004 initiierte Posterserie und die thematisch in ihrem Umfeld angesiedelten „Historischen Ortsspaziergänge“ greifen in unregelmäßiger Folge bodenständige Kulturgüter und ortschaftliche Besonderheiten auf. Die Serie widmete sich bisher unter anderem „Schaumburger Mützen“, Toren, Brücken und Grenzen ebenso wie Baumgestalten, Eisenbahnen, Denkmälern und dörflichem Alltagsleben.

Als nächste Themen sind „Schaumburger Bergbau“ sowie „Natur und Kultur in der Zusammenschau“ vorgesehen. Darüber hinaus lässt die Gruppe gegenwärtig eine App entwickeln, mit der das Projekt aufs Smartphone geholt werden kann. „Dann hat man die Datenbank gewissermaßen in der Hosentasche“, legte von Damaros dar.

„Mit der Serie soll das Verständnis für Zeitzeugnisse aller Bereiche menschlichen Schaffens geweckt werden, mit den Spaziergängen insbesondere bei den Menschen vor Ort das Verständnis für den Wert dieser Kulturgüter geweckt werden“, erklärte Oelkers. Die „Graswurzelarbeit der rund 120 ehrenamtlich engagierten Spurensucher“ stärke das Bewusstsein der Menschen für den Umgang mit Natur und Landschaft, meinte Adelmann.

Die in einer Auflage von 150 Exemplaren erschienenen Poster sind zum Selbstkostenpreis von 4,50 Euro bei den Tourist-Informationen Bückeburg, Bad Nenndorf, Bad Eilsen, Rinteln, Stadthagen und Obernkirchen erhältlich. Zusätzliche Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.schaumburgerlandschaft.de/spurensuche. bus

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