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Schuldnerberatung: Hilfe bei finanzieller Not

Hohe Dunkelziffer vermutet Schuldnerberatung: Hilfe bei finanzieller Not

Die Diakonie Schaumburg-Lippe nimmt im Landkreis eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben wahr. Nachdem es im ersten Teil der SN-Serie über die Arbeit der Diakonie um die Themen Ehe- und Familienberatung ging, steht diesmal die Schuldnerhilfe im Mittelpunkt.

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Unterstützung finden Menschen, die Schulden angehäuft haben, bei der Schuldnerberatung der Diakonie Schaumburg-Lippe.

Quelle: Symbolbild dpa

Landkreis. Den entsprechenden Aufgaben bei der in Stadthagen angesiedelten Einrichtung geht Michael Thürnau nach. Der 62-Jährige, seit nunmehr 30 Jahren in diesem Berufsfeld tätig, hat es in erster Linie mit drei Gruppen zu tun, die seine Unterstützung benötigen: „Die alleinerziehenden Mütter sind hier mit mindestens 20 Prozent vertreten. Dann haben wir eine sehr hohe Zahl von Asylbewerbern, die nach dem dazugehörigen Gesetz bezahlt werden. Die dritte große Zielgruppe sind Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger.“

 Mit Blick auf die Gruppe der alleinerziehenden Frauen besteht eine zentrale Schwierigkeit darin, dass Väter Zahlungen verweigern, obwohl sie in der Lage wären, diese zu leisten. Im Landkreis Schaumburg gibt es laut dem gelernten Bankkaufmann derzeit etwa 270 Intensivfälle, und ungefähr 150 Kundenberatungen fanden im Verlauf des vergangenen Jahres statt.

 

 Wendet sich ein Hilfsbedürftiger an die Diakonie, geht anschließend ein gewisses Prozedere über die Bühne. Thürnau, auch mehr als 16 Jahre im Drogenhilfebereich tätig, sagt: „Dann treten wir zunächst mit den wichtigsten Gläubigern in Kontakt, versuchen, vorhandene Forderungen zu ermitteln.“ Häufige Problemfelder sind in diesem Zusammenhang Mietschulden und Rückstände bei Energieversorgern.

 Um die finanziellen Dilemmata angehen und im idealen Fall lösen zu können, ist Thürnau auch auf die Kooperationsbereitschaft vonseiten anderer Parteien angewiesen. Diese kann sich dabei erfahrungsgemäß durchaus verschieden darstellen. Thürnau: „Die Stadtwerke etwa geben sich in der Regel gesprächsbereit, mit ihnen kann man über Modelle diskutieren, wie eine Entschuldung verlaufen kann. Mit anderen Energieunternehmen ist kein Dialog möglich.“

 Besonders die Versorgung mit Strom und Ähnlichem ist dabei eine brisante Thematik, Unternehmen können die Lieferungen an ihre Kunden schon bei Rückständen in Höhe von 100 Euro einstellen. Die finanzielle Spanne, wegen der sich Menschen an Thürnau wenden, ist dabei ziemlich breit gefächert. Sie startet bei 500 bis 600 Euro, in manchen Fällen können die angehäuften Schuldenberge jedoch auch mehrere hunderttausend Euro betragen.

 Eine grundsätzliche Problematik besteht darin, dass viele, die sich an die Stelle wenden, nicht über die für sie relevante Sachlage Bescheid wissen. Thürnau meint: „Die Leute haben oft gar keine Ahnung von der Thematik. In Erstgesprächen geht es für uns zunächst um die Informationsvermittlung, etwa das Erklären der Pfändungstabelle.“

 Ein gewisser Anteil von den Betroffenen schafft, unterstützt von der Diakonie, den Sprung in die Entschuldung. Thürnau: „Etwa 30 Prozent der Klienten werden durch Vergleiche entschuldet. Die Gläubiger erhalten in der Regel 20 bis 30 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen.“ Die damit verbundenen Verhandlungen ziehen sich dabei im Normalfall über mehrere Wochen. Jedoch gibt es eine hohe Dunkelziffer, lediglich zehn bis 15 Prozent der verschuldeten Personen treten den Gang in die Bahnhofstraße an.

 Die Beratungen werden nach einer Wartezeit von zwei bis vier Wochen vor Ort vorgenommen, ohne dass Kosten erhoben werden. Der Verschuldungswert pro Klient liegt im Mittel bei etwa 19000 Euro. In den nunmehr rund drei Jahrzehnten, in welchen Thürnau mit solchen Problematiken befasst ist, hat sich auch so manches geändert: „Früher war es möglich, eine solche Entschuldung durchzuführen, wenn familiäre Mittel gestellt wurden. Dort ist heute jedoch in vielen Fällen nichts mehr zu holen.“

 Aufkommende Probleme erwartet der Fachmann auch mit Blick auf die im Moment boomende Immobilienlage. Thürnau, der seit zweieinhalb Jahren in der Kreisstadt wirkt, davor lange Zeit in Hannover tätig war, äußert Bedenken: „Wenn die aktuell sehr günstigen Kreditbedingungen in ein paar Jahren unter Umständen nicht mehr gegeben sind, wird das vielleicht problematisch.“

 Die Institution in Stadthagen befindet sich bei den durch sie vorgenommenen Tätigkeiten im ständigen Dialog mit anderen Einrichtungen in der Stadt sowie deren Umgebung. Dazu zählen etwa die Arbeiterwohlfahrt (Awo), das Sozialamt, das Amtsgericht und Anwälte aus unterschiedlichen Bereichen. ano

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