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Schwänzen bis zum Arrest

181 Schulverweigerer im Landkreis Schwänzen bis zum Arrest

Die Zahl der Schulschwänzer steigt: Dieser Satz ist immer wieder von Politikern und Lehrern zu hören. Auch für den Landkreis Schaumburg trifft diese Aussage zu. Während im Jahr 2014 noch 138 Schulverweigerer beim Landkreis gemeldet wurden, waren es im vergangenen Jahr 181.

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Je länger ein Kind dem Unterricht fernbleibt, desto schwieriger wird die Integration in den Unterricht.

Quelle: Symbolfoto

Landkreis. Für 2016 ist offensichtlich keine Besserung in Sicht, denn bisher sind schon 53 Meldungen eingegangen, berichtet Kreisrätin Katharina Augath. Bearbeitet werden die Fälle der Schulverweigerer vom Bildungsbüro, das vor gut 2,5 Jahren eingerichtet wurde. Bis das Schulschwänzen tatsächlich Konsequenzen hat, schickt der Landkreis zunächst drei Mahnschreiben heraus. Wenn das jedoch nicht hilft und auch die Beratungen von Vertretern des Jugendamts oder Sozialpädagogen im Sande verlaufen, droht den Schülern oder Eltern – je nach Alter – ein Bußgeld. Zunächst müssen pro versäumten Tag zehn Euro gezahlt werden. Wiederholungstäter müssen 20 Euro berappen.

Beugearrest in drei Fällen

2014 kamen insgesamt 17 000 Euro Bußgelder zusammen. 2015 waren es dann sogar 23 000 Euro. Wenn die Schüler trotzdem dem Unterricht fernbleiben, drohen ihnen Arbeitsstunden. Im vergangenen Jahr kam das in 23 Fällen vor und insgesamt kamen 625 Stunden zusammen. In drei Fällen kamen die Schulverweigerer sogar in Beugearrest. „Wir versuchen natürlich mit präventiven Maßnahmen und Beratungen, dass es erst gar nicht so weit kommt“, sagt Augath. Je länger ein Schüler den Unterricht verweigert, desto schwieriger sei es, ihn wieder im Schulalltag zu integrieren.

Rotraud Becker, Schulleiterin der Oberschule am Schlosspark, kämpft schon seit ein paar Jahren mit hartnäckigen Schwänzern und bestätigt: „Es ist nach wie vor ein großes Problem“, sagt sie. Vor allem bei den wirklich harten Fällen von Verweigerern sei eine Lösung meist schwierig. In diesem Schuljahr hat Becker beispielsweise mit einem Jugendlichen zu tun, der gerade einmal zwei Tage in diesem Schuljahr den Unterricht besucht hat. „Häufig wissen die Eltern auch nicht weiter“, sagt die Schulleiterin. Manche Mütter oder Väter bringen ihre Sprösslinge sogar zur Schule – im Klassenzimmer tauchen sie trotzdem nicht auf. Becker hat festgestellt, dass Schulschwänzen keineswegs ein Problem eines speziellen sozialen Milieus ist. Alle Familienkonstellationen seien davon betroffen. Insbesondere in der 8. und 9. Klasse treten die unentschuldigten Fehlstunden auf, hat Becker beobachtet. „Wir wollen natürlich versuchen, die Gründe für das Fernbleiben herauszufinden.“

"Bei uns kein Thema"

Einen präventiven Ansatz verfolgt auch Holger Wirtz. Er ist seit vier Jahren Rektor des Wilhelm Busch Gymnasiums und hat in dieser Zeit noch keine Meldung beim Landkreis gemacht: „Ich kann guten Gewissens sagen, dass Absentismus bei uns kein Thema ist.“ Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und ein breites Beratungsangebot für die Schüler seien sein Rezept gegen das Schwänzen. Das sei nämlich nur ein Symptom und eine Folgeerscheinung von Krisen und Umbrüchen. Aus diesem Grund sei es auch wichtig, dass er und seine Kollegen sensibel auf die Probleme der Schüler eingehen. Neben der Beratung gehöre auch der konsequente Umgang mit Fehlzeiten dazu. „Wir gehen jeder unentschuldigten Fehlstunde nach und drücken da auch kein Auge zu“, sagt Wirtz.

Das gehe schon aus rechtlicher Sicht nicht, schließlich bestehe die Schulpflicht. Erst in der Oberstufe, wenn die Schulpflicht bereits erfüllt sei, gebe es einen gewissen Spielraum. Doch auch dann verfassen die Fachlehrer zunächst eine schriftliche Verwarnung. Helfe das nicht, müsse der Kurs mit null Punkten bewertet werden. „Dann überlegen wir eher gemeinsam, wie es weitergehen kann – in Form einer Berufsberatung“, erläutert der Schulleiter das Prozedere an seiner Schule.

An den Grundschulen ist das klassische Schwänzen zwar noch kein großes Problem, dafür kommt es immer wieder vor, dass die Eltern die Ferien verlängern. Hier drohen den Eltern dann Bußgelder bis zu 100 Euro am Tag. „Da können sich die Eltern dann überlegen, ob sich der verfrühte Urlaub noch lohnt“, sagt Augath.

Aus Einzelfällen wurden Anfragen

Mittlerweile gehen die Schulen streng gegen das Herausnehmen der Kinder an den letzten Schultagen vor den Ferien vor. „Das finde ich auch gut“, sagt Petra Ammon. Aus Einzelfällen wurden regelmäßige Anfragen. Das sei dann doch zu weit und in die falsche Richtung gegangen. Gemeinsam mit dem Schulelternrat beschloss sie, dass generell keine Schulstunden mehr ausfallen dürfen  – nur noch in nachgewiesenen Notfällen. Der Beleg sei wichtig, denn „die Todesfälle nahmen immer mehr zu“, berichtet Ammon. jemi

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