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Sechs Prozent weniger Abtreibungen im Kreis

Landkreis Sechs Prozent weniger Abtreibungen im Kreis

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Schaumburg ist 2011 um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken – etwas mehr als der Bundestrend, berichtet Andreas Witt, leitender Arzt der gynäkologischen Station im Kreiskrankenhaus. Grund sei schlichtweg der demografische Wandel.

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Landkreis (lmh, kil). Das Verhältnis zu den Lebendgeburten sei nämlich gleich geblieben, erklärt er. Ähnliches bestätigt auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Schaumburg. 2011 führten die Beraterinnen dort 226 Schwangerschaftskonfliktberatungen durch. Abgesehen vom Jugendamt ist die Awo die einzige staatlich anerkannte Institution im Landkreis, die diese Konfliktberatung anbietet. Auch für Frauen, die bereits zum Abbruch entschlossen sind, ist die Konfliktberatung Pflicht – einzige Ausnahme: eine medizinische Indikation.
Der Anteil derjenigen, die sich nach der Beratung umentscheiden, liegt bei gefühlten zehn Prozent, schätzt Ulrike Dommnich, die ebenso wie Gisela Enders Erfahrungen als Konfliktberaterin gemacht hat. Einen leichten Rückgang spüren auch sie, insgesamt seien die Zahlen aber seit den Siebzigern nur leicht schwankend.

„Es sind nicht nur junge oder nur alte Frauen, die zu uns kommen – und sie kommen aus allen sozialen Schichten“, räumt Dommnich mit Vorurteilen auf. Die Masse sei zwischen 28 und 36 Jahren. Enders erinnert sich aber auch an Zwölf- und 52-Jährige – beides Ausnahmefälle.

Bei der Beratung gehe es nicht darum, die Frauen in eine Richtung zu lenken, sondern beide Alternativen durchzuspielen und über mögliche Hilfen und die Rechtslage aufzuklären. Typische Gründe, die zur Abtreibung bewegten: eine schwierige Partnerschaft, eine angefangene Berufsausbildung sowie finanzielle oder kulturelle Gründe. Beispiel: Die Familie akzeptiert keinen Sex vor der Ehe, die Frau wird schwanger, treibt aus Angst heimlich ab.

Dass mangelnde Aufklärung bei jungen Frauen nicht das Hauptproblem ist, betont Enders. „Viele können sich Verhütung einfach nicht leisten“ – das erlebe sie immer wieder. Ab dem 20. Lebensjahr ist weder die Anti-Baby-Pille, noch die Spirale oder eine Sterilisation in den Hartz-IV-Leistungen enthalten.

Den leichten Rückgang führen die Beraterinnen wie Witt auf den demografischen Wandel und veränderte Familienstrukturen zurück – oft müssten beide Partner arbeiten. Auffällig sei, dass Frauen vermehrt ihre Partner mit zur Konfliktberatung nähmen. Mädchen – ab dem 16. Lebensjahr können sie ohne Zustimmung von Eltern oder Jugendamt über einen Abbruch entscheiden – kämen manchmal mit ihren Müttern zur Beratung, was nicht immer konfliktfrei sei. Wenn eine junge Frau den Abbruch unfreiwillig vornehmen lasse, geschehe es nicht selten, dass sie ziemlich bald wieder schwanger werde, schildert Enders ihre Erfahrung.

Medizinischer Eingriff nur im Kreiskrankenhaus

Das einzige Krankenhaus, das in Schaumburg Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, ist das Kreiskrankenhaus in Stadthagen. „Dadurch, dass Ende letzten Jahres die Gynäkologie in Rinteln weggefallen ist, sind wir die Einzigen, die übrig geblieben sind“, erklärt Andreas Witt, leitender Arzt der gynäkologischen Station. Wie sich die Rintelner Schließung auf die Stadthäger Zahlen auswirkt, wird sich in diesem Jahr herausstellen.

„Wir sind natürlich eher dafür, dass die Kinder im Kreißsaal zur Welt kommen“, stellte Witt klar. „Ungern“ nähmen er und seine Kollegen Schwangerschaftsabbrüche vor. „Aber einer muss denen ja helfen.“ Die Frauen müssten die Gründe für ihre Entscheidung nicht darlegen, aber der Arzt habe die Pflicht, sich zu vergewissern, dass die Behandlung freiwillig erfolge und die Patientin die Inhalte der Beratung verstanden habe. Medizinisch sei der Eingriff unkompliziert. „Aber ich glaube schon, dass viele Frauen im Nachhinein zu kämpfen haben, von der Psyche her.“lmh

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