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Sein Herz schlägt für Kommunales

Für Die Linke in den Bundestag Sein Herz schlägt für Kommunales

Wer mit dem Auto durch die beiden Landkreise Nienburg und Schaumburg kurvt, wird von viel Politprominenz von Plakaten herunter angelächelt. Der Bundestagskandidat der Partei Die Linken ist nicht darunter. Torben Franz kann sich Plakate mit dem eigenen Konterfei als Auszubildender nicht leisten.

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Die Umzugskartons von Torben Franz sind noch nicht ganz ausgepackt, aber wenigstens ist er endlich online. 

Quelle: bab

LANDKREIS. Mit seinen 23 Jahren tritt er keineswegs zum ersten Mal an. Mit 19 Jahren vertrat er seine Partei bereits als Direktkandidat bei der Bundestagswahl. Laut Angaben des Landkreises holte er rund 3,3 Prozent. Franz macht sich deshalb hinsichtlich seiner Chancen nichts vor. Denn einen Platz auf der Landesliste hat er nicht.

Der angehende Sozialassistent mit dem Berufsziel Erzieher ist eigentlich ohnehin durch und durch ein Kommunalpolitiker. Er mag Aufgabenstellungen, die eigentlich vor Ort pragmatisch gelöst werden können. Im vergangenen November wählten ihn die Nienburger in den Stadtrat. Zwei Sitze und Fraktionsstatus besitzt die Partei dort. Stimmrecht hat Die Linke aber nur im Verwaltungsausschuss des Nienburger Stadtrates.

Wer immer die Landkreise Nienburg/Schaumburg im Bundestag vertrete, müsse jedenfalls dafür sorgen, die Gemeinden finanziell so auszustatten, dass sie handlungsfähig bleiben, findet Franz. „Wir stehen klar dafür, dass die Kommunen mehr Geld bekommen.“ Die Mittel dazu sollten nach seiner Meinung aus der Vermögenssteuer kommen. Denn es gebe immer noch genug „Konzerne, die in diesem Land quasi keine Steuern zahlen“.

Franz will Freiräume für Jugendliche schaffen

Als Auszubildender muss er auch mit den eigenen Ressourcen haushalten. Zusammen mit seiner Mitbewohnerin und Partnerin ist er in eine kleine Wohnung zwischen Bahnhof und Altstadt gezogen. Das ist praktisch, wenn man – wie er – keinen Führerschein gemacht hat. Deshalb gibt er ehrlich zu, dass Schaumburg ihm bisher ein wenig fremd war. „Ich will jetzt so nicht so tun, als würde ich mich super in Schaumburg auskennen. Der Wahlkreis ist sehr groß und ich bin kein Berufspolitiker.“ Er wisse, dass das Freibad in der Kreisstadt Stadthagen bereits seit Langem geschlossen sei. „Parallel gibt es in Nienburg Dinge, die unschön sind.“ Franz nennt Beispiele und nicht nur der Kommunalpolitiker spricht aus ihm, er fordere generell mehr Transparenz und Mitbestimmung der Bevölkerung. „Es ist sehr traurig, dass vieles in nicht-öffentlichen Sitzungen beschlossen wird“, findet der Nienburger, der auch Freiräume für die Jugend schaffen will. „Kleinstädte sind nicht mehr attraktiv für Jugendliche. Wir brauchen Räume und Plätze, die Jugendliche selbstverwaltet gestalten. Man kann nicht erwarten, dass das alles kommerziell erledigt wird.“

Die nachfolgende Generation bildet wieder eine Brücke zur großen Politik. Das in 16 verschiedene Hoheitsgebiete aufgeteilte Schulsystem „ist nicht einsehbar“, findet Franz. Die Bundesländer sorgen damit auch für Ausbildungs-Tourismus wie er an Beispielen aus seinem Umfeld erläutert. Die Erfordernisse, um bestimmte Abschlüsse zu erreichen, seien überall unterschiedlich.

Aktive Politik seit dem 16. Lebensjahr

Die eigene Schulzeit des 23-Jährigen war mitprägend für sein politisches Engagement. „Ich habe mich gefragt, warum können meine Eltern meine Schulbücher nicht bezahlen?“ Sein Vater arbeitete in einem mittelständischen Betrieb, seine Mutter ist in der Seniorenarbeit tätig, zuvor habe sie in einem Imbiss gearbeitet. Seit Franz 16 Jahre alt ist, macht er aktiv Politik für Die Linken.

Nach der letzten Bundestagswahl hatte Franz ein Studium in Göttingen eingeschoben. Vier Semester hat er in der südniedersächsischen Uni-Stadt verbracht. Doch das war schließlich nicht seine Welt. Seine Orientierung nach Nienburg überwog schließlich und zog die Konsequenz nach sich, wieder in die Heimat zurückzukehren. „In Göttingen habe ich gelernt, was ich an Nienburg zu schätzen weiß“, sagt er. Das Quartier, in dem Torben Franz lebt, ist jedenfalls sympathisch und junge Leute sitzen in der Kneipe an der Ecke, in der die Gäste geduzt werden, offensichtlich ebenso gerne wie ältere Semester. Franz selbst zieht sich auch gerne mal aus der Öffentlichkeit zurück und entspannt sich bei Online-Fantasy-Spielen. Nebenbei erwähnt er deshalb, dass er einen Monat auf den Internetanschluss für seine neue Wohnung warten musste.

Engagement für die Lebenshilfe

„Ehrlich gesagt, tue ich politisch nicht so viel, wie ich gerne würde“, gibt der 23-Jährige offen zu.„Aber ich tue mein Bestes.“ Er arbeite jeden Tag acht Stunden, engagiere sich zudem für die Lebenshilfe und sein Kommunalmandat erfordere Einsatz, da benötige er auch ab und zu mal eine Verschnaufpause.

Weil er selbst nicht viel Geld hat, bei der Miete sparen muss und sogar bei Busfahrkarten überlegt, ob er sich die Fahrten leisten will, sind ihm die Nöte der Menschen mit niedrigem Einkommen bewusst. Für seine Wahlkampfauftritte habe er „solidarische Genossen, die mich fahren“. Er durfte auch schon einmal bei der Grünen-Kandidatin Katja Keul mitfahren, als beide dasselbe Ziel hatten. Und sogar der Mitarbeiter von Christdemokrat Maik Beermann habe ihn einmal mitgenommen.

Franz, der noch eine Ausbildung zum Erzieher anschließen möchte, weiß, dass das zu erwartende Einkommen später auch niedrig sein wird. „Kein Wunder, dass die Leute nicht Erzieher werden wollen“, sagt er. „Es ist nicht der bestbezahlte Beruf, ich habe aber die Chance, in einen Tarifvertrag einzusteigen. Meine Eltern hatten die nicht.“

Zu seinem momentanen Glück als frisch gebackener Wohnungsinhaber fehle ihm eigentlich nur noch ein Haustier. Der Familienhund ist bei seinen Eltern geblieben. Vielleicht wolle er eine Katze oder zwei. bab

Ein Herz für Haustiere

Ich könnte nicht leben ohne ... Internet und Haustier.
Meinen Wahlkreis finde ich … großartig.
Das beste Essen gibt es … bei Mama.
In einer Rockband … müsste ich singen, weil ich nichts anderes kann. Aber das will keiner, deshalb mach ich’s nicht.
An Berlin gefällt mit gar nicht, ... dass es so voll und damit anstrengend ist.
Wenn mein erster Chef mich heute sehen würde, ... wäre er stolz.

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