Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Senioren-WG: Zusammen weniger allein

SN-Sicherheitswochen Senioren-WG: Zusammen weniger allein

In den achtziger und neunziger Jahren waren die „Golden Girls“ eine gefeierte Gemeinschaft. In der TV-Serie verbringen vier ältere Damen ihren Lebensabend in einer Wohngemeinschaft, in der sie viel Spaß zusammen haben. In einer ganz ähnlichen Konstellation leben sieben ältere Menschen in Niedernwöhren – vier Männer, drei Frauen, eine Gemeinschaft.

Voriger Artikel
Großeltern rechtlich absichern
Nächster Artikel
Pilotprojekt für die IG Bauernhaus

Platz für neun Bewohner: Derzeit leben in der Niedernwöhrener Senioren-WG sieben Menschen.

Quelle: tro

Meerbeck. „Bei uns läuft es nicht anders als in einer Studenten-WG oder einer großen Familie“, sagt Sigrid Rahm. Das heißt: Alle leben zusammen in einem großen Haushalt, aber jeder hat auch seinen eigenen, privaten Rückzugsraum. Jeder Bewohner hat seine Aufgabe, wenn es ums Kochen, Putzen und andere alltägliche Arbeiten geht. „Einzig unser Hausältester hat ein paar Sonderrechte“, sagt Rahm, was der Angesprochene – der 85-jährige Siegfried Potulski, WG-Bewohner seit neun Jahren – mit einem Grinsen quittiert.
Die Senioren sind aus den verschiedensten Ecken Deutschlands nach Niedernwöhren gezogen. Aus Stadthagen, Hagenburg, Bückeburg, aber auch aus Bremen und Hessen. Die einen wurden über Verwandtschaft auf das Angebot aufmerksam, die anderen ganz zufällig. Auch die Wege zum WG-Zimmer im höheren Alter könnten unterschiedlicher nicht sein: Rosalinde Balzer hat zunächst in einem Seniorenheim gelebt, „das war aber einfach zu früh für mich“. Auf der Suche nach Alternativen wurde sie auf die Wohngemeinschaft aufmerksam. Helga Schuischel lebt sogar schon zum zweiten Mal in der Gruppe – zwischenzeitlich war auch sie zur Pflege im Heim. „Ich wollte aber wieder zurück, denn dort hatten sie nur wenig Zeit für mich“, erzählt sie. Helmut Felkl dagegen erklärt: „Ich habe mich von meiner Frau getrennt und dann dazu entschieden, hier zu leben.“ Eines haben alle der Bewohner gemeinsam: Würden sie nicht in der WG wohnen, wären sie alleine.

Autonomie bewahrt

Die Gründung der Niedernwöhrener Senioren-WG geht zurück auf Sigrid und Werner Rahm. „Wir sind schon seit Jahren als Berufsbetreuer unterwegs und haben dabei auch immer wieder viele Heime besucht. Irgendwann dachten wir uns dann, dass es eine Alternative dazu geben müsste, einen Mittelweg zwischen eigener Wohnung und Heim“, erklärt Erstgenannte, die von den Bewohnern liebevoll „Hausmama“ genannt wird. Also ließen die Rahms aus ihrer Vision Realität werden – zunächst in einem Hochhaus in Stadthagen. „Wir hatten dort eine schöne Zeit, aber hier im ländlichen Meerbeck haben wir mehr Freiraum, darum sind wir vor neun Jahren umgezogen“, sagt Rahm. Nun habe man am Haus einen Park zum Spazierengehen, nach wie vor aber auch die wichtigsten Einkaufsmöglichkeiten und Einrichtungen um die Ecke. Ursprünglich war das Angebot nur für Männer gedacht, die sich nach dem Tod ihrer Frau nur noch schwer selbst versorgen können. „Lange hat es aber nicht gedauert, und wir hatten auch von Frauen die ersten Anfragen.“

Zwar liegt alles Wichtige in der näheren Umgebung, für die Bewohner ist es aber auch kein Problem, wenn einmal weitere Strecken zurückgelegt werden müssen – zum Arzt, ins Krankenhaus oder zum Wochenmarkt. Denn die Senioren haben sich große Stücke Autonomie bewahrt: Drei von ihnen haben einen Führerschein, es steht ein eigenes Auto zur Verfügung. „Wir sind sogar schon zusammen in Hamburg auf der Reeperbahn gewesen“, erzählen sie. Rollstühle in den Kofferraum für die, die nicht mehr ganz fit zu Fuß sind – und auf ging es. Solange sie sich abmelden, dürfen sie nach Hause kommen, wann sie wollen. „Einzig Alkohol, Zigaretten und Haustiere sind bei uns nicht erlaubt“, sagt Sigrid Rahm.

Nie alleine

Aller Selbstständigkeit zum Trotz bekommen die Senioren wo nötig aber auch Hilfestellungen. Ein Pflegedienstmitarbeiter kommt zur Unterstützung vorbei, zum Beispiel um körperlich eingeschränkten Bewohnern beim Waschen zu helfen. Bei den Renovierungsarbeiten vor dem Umzug auf den ehemaligen Bauernhof hatte das Ehepaar Rahm zwar Mitspracherecht, dennoch sind kleine Hindernisse geblieben, zum Beispiel Stufen in den Duschen. Benötigte Medikamente organisiert und verteilt „Hausmama“ Rahm. „So habe ich da immer ein Auge drauf“, sagt sie.
Falls doch einmal schwerwiegendere Probleme auftreten sollten, hat jeder der Bewohner ein eigenes Telefon auf dem Zimmer – mit einem Notrufknopf, über den Rahm alarmiert werden kann. „In solchen Fällen bin ich innerhalb von wenigen Minuten hier und kann entscheiden, ob ein Krankenwagen nötig ist oder nicht“, erklärt sie. Im Flur steht zudem eine Notfalltasche mit den wichtigsten Utensilien.
„Man ist nie alleine hier“, bringt Helga Schuischel die Kernidee der Senioren-WG auf den Punkt, „das ist das Wichtigste.“ „Ohne diese Bindungen funktioniert es nicht“, sagt Sigrid Rahm. Dass wirklich enge Kontakte entstehen, zeigen einige Beispiele. Eine ehemalige Bewohnerin etwa, die wegen fortschreitender Demenz ausziehen musste, wird heute immer noch im Heim besucht. „Wenn nichts so Schwerwiegendes in den Weg kommt, können unsere Bewohner aber bis zum Schluss hier leben.“ tro

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg