Landkreis. Landkreis (kil). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung schätzt, dass bundesweit rund 400000 Menschen der über 60-Jährigen unter Alkoholsucht litten. Zudem habe jeder siebte Pflegebedürftige ein Alkohol- oder Medikamentenproblem. Auch in Schaumburg ist das kein seltenes Thema, das macht jedenfalls der Anteil – etwa zehn Prozent – der über 60-Jährigen aus, die eine Beratungsstelle aufsuchen.
Die Diakonie Schaumburg hat zwei Beratungsstellen für Alkohol- und Medikamentenabhängige in Stadthagen und Rinteln. Die Menge der Klienten über 60 Jahre ist Ulrike Suckow zufolge, Mitarbeiterin der Fachstelle Suchtprävention in Stadthagen, relativ konstant (siehe Grafik); die Dunkelziffer sei deutlich höher einzuschätzen. Langfristige Entwicklungen ließen sich schwer ermitteln – Statistiken bis Mitte 2000 reichten meist nur bis zu einem Alter von 64. Das zeigt Suckow zufolge auch: Diesem Thema wurde „in der Leistungsgesellschaft“ lange nicht die nötige Aufmerksamkeit zuteil.
Alkoholsucht betreffe stärker Männer, Medikamentenabhängigkeit – „die stille Sucht“ – häufiger Frauen. Etwa im Verhältnis 70:30. Das könnte mit dem alten Frauenbild zusammenhängen, vermutet Suckow. Früher sei es verpönt gewesen, wenn sich Frauen in der Öffentlichkeit betranken. Also eine Generationenfrage? „Sucht im Alter hat genauso viele Gesichter“ wie sonst auch.
Einige typische Suchtbilder ließen sich dennoch wiederholt erkennen, so Suckows Kollegin Regina Danowski: „Sie trinken oft heimlicher und moderater, über den Tag verteilt.“ Das Thema Alkoholsucht sei bei Senioren oft „schambesetzt.“ Nicht verwunderlich – Alkoholabhängigkeit wurde erst 1968 als Krankheit anerkannt.
Silke Priebe vom Fachdienst Altenhilfe Stadthagen sieht in der Sucht im Alter auch ein gesellschaftliches Problem. Einsamkeit, das Wegbrechen von traditionellen Familienstrukturen – „die Dunkelziffer ist viel höher“. Probleme mit Alkohol haben ihrer Erfahrung nach häufig Männer, die lange bei ihrer Mutter lebten und plötzlich ohne soziales Umfeld dastünden.
In Seniorenheimen wie dem Josua-Stegmann-Heim Stadthagen gibt es kein Konzept für Bewohner mit einer Suchterkrankung. Pflegedienstleiterin Mechthild Caro zufolge habe sich diesbezüglich in ihrer 16-jährigen Dienstzeit nichts verändert. In der Regel nehme die Einrichtung Menschen, bei denen eine Sucht diagnostiziert wurde, gar nicht erst nicht auf. Aber „es kommt vor“, dass Probleme mit Alkohol, öfters mit Tabletten, erst später vom Pflegepersonal erkannt werden. In solchen Fällen versuche man individuelle Lösungen, auch mit „Fachleuten von außen“, zu finden.
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