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Aus dem Landkreis Sexuelle Delikte: Ein Drittel von Jugendlichen
Schaumburg Landkreis Aus dem Landkreis Sexuelle Delikte: Ein Drittel von Jugendlichen
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21:17 15.09.2011
Ursula Mahlo, Birgit Baron und Ingetraud Wehking sind beratend bei „Basta“ tätig. Quelle: kil
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Landkreis (kil)

Einen Schwerpunkt von „Basta“ bildet nämlich die Beratung von Betroffenen von sexualisierter Gewalt. Diese seien im Alter von fünf bis 80 Jahren, schilderte Birgit Baron.

Im Jahr 2010 hat es insgesamt 251 persönliche Beratungsgespräche gegeben, davon waren 53 unter 18 Jahren. Rund ein Drittel der sexuellen Delikte seien statistisch von Jugendlichen, teilte Ingetraud Wehking mit. Dabei handele es sich nicht immer um Vergewaltigung. Auch Grabschen, anzügliche Fotos verbreiten oder Stalking fallen in den Bereich sexualisierte Gewalt. Die Grenzen sind schwammig.

Eine Abfrage Jugendlicher in Schaumburg bei einer Ausstellung in Bad Nenndorf nach ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt in Beziehungen habe 400 Rückmeldungen ergeben. Einige Beispiele der Erlebnisse: „Ich wurde von fünf betrunkenen Freundinnen befummelt“, „Er wollte mich nur kitzeln, dann hat er auf einmal meine Hände festgehalten“ – Situationen, mit denen die Mitarbeiterinnen von „Basta“ im Beratungsalltag konfrontiert werden.

Ausgeübt werde sexuelle Gewalt unter Jugendlichen, aber auch von Jugendlichen an Kindern. „Es scheint, als ob die Täter immer jünger werden“, aber ob dies wirklich so ist – darüber streite man sich noch in der Forschung, sagt Wehking. Eine Studie besage, dass die Mehrzahl der Täter bereits in der Kindheit oder Jugend zum Beispiel auffallende sexuelle Phantasien mit Kindern gehabt hat. Deshalb sei es auch eine Aufgabe von „Basta“, Präventionsarbeit zu leisten und zu schauen: Wo und wann kann man frühzeitig einlenken?

Eine weitere Studie besage, dass ein Drittel der Jugendlichen bereits sexuelle Gewalt in Beziehungen erlebt hat. Oftmals tauche sexualisierte Gewalt in Verbindung mit Alkohol in Cliquen auf, erklärt Wehking. Auch die Verbindung von Macht und sexueller Gewalt spiele nicht selten eine Rolle. Der Anteil deutscher Jugendlichen sei insgesamt höher. Dafür schienen sich Mädchen mit Migrationshintergrund in solchen Situationen stärker zu widersetzen. „Oft wissen Mädchen außerdem gar nicht, wie sie richtig Nein sagen können“, meint Wehking. Während Jungs oftmals den Spruch im Kopf hätten: „Die sagt doch immer Nein.“ Deshalb sieht Wehking in diesem Bereich noch Aufklärungsbedarf.

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